Kein anderer Wirkstoff wird so stark mit Kaffee verbunden, wie Koffein. Entdeckt wurde er vor über 200 Jahren, auch dank Goethe.

Kaffee enthält weit über 1.000 unterschiedliche Wirkstoffe. Je nach Sorte sind bis zu 40% davon Kohlenhydrate, ein weiterer Bestandteil sind sogenannte Lipide, zum Beispiel die Fettsäure Linol, und gerade im rohen Zustand ist die Kaffeebohne reich an Proteinen. Der mit Abstand aber wohl bekannteste Wirkstoff ist das Koffein, es ist wahrscheinlich auch der Stoff, der für die meisten Auswirkungen von Kaffee verantwortlich ist.

Goethe gab den Anstoß für die Entdeckung des Koffeins

Eine Rolle bei seiner Entdeckung spielte einst auch Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Doch auch wenn Goethe als Universalgenie gilt, und in den Naturwissenschaften durchaus bewandert war, hat er doch nur den Anstoß zur Entdeckung gegeben. Goethe war, wie vielen anderen zuvor, die anregende Wirkung des Kaffees aufgefallen, weshalb er einen befreundeten Chemiker bat, dem ganzen auf den Grund zu gehen.

Friedlieb Ferdinand Runge
Friedlieb Ferdinand Runge

Jener Chemiker war Friedlieb Ferdinand Runge, der im Jahr 1820 dann auch tatsächlich als erster Mensch den Wirkstoff Koffein aus dem Kaffee extrahierte.

Die Laufbahn als einer der besten Chemiker seiner Zeit war dem kleinen Friedlieb nicht in die Wiege gelegt. Der Pastorensohn konnte aus finanziellen Gründen zuerst nur die Elementarschule besuche, und musste danach in eine Lehre als Apotheker gehen. 1816 nahm er dann doch ein Studium auf. In Berlin studierte er zuerst Medizin, später kam in Jena noch Chemie hinzu. Schon 1819 konnte er sich Dr. med. nennen, drei Jahre später auch Doktor der Philosophie.

Bei seiner Arbeit in der Forschung und für die Industrie widmete er sich hauptsächlich den verschiedenen Formen von Steinkohleteer, der in großen Mengen bei der Verarbeitung von gewöhnlicher Steinkohle in Koks anfällt. Mit Anilin, Pyrrol, Leukol, Carbolsäure oder Rosolsäure entdeckte er zahlreiche Substanzen, die dadurch für andere Zwecke genutzt werden konnten. Bis dahin war Steinkohleteer mehr oder weniger ein Abfallprodukt gewesen.

Während Runges Zeit in Jena, wurde auch Johann Wolfgang von Goethe auf den jungen Chemiker aufmerksam. Damals war Kaffee vielfach noch als Medizin genutzt, und Goethe ging es damals nicht nur um darum, der anregenden Wirkung des Kaffees auf die Spur zu kommen. Er vermutete das Kaffee als Mittel gegen das Gift der Tollkirsche wirken könnte. Das aus der schwarzen Tollkirsche extrahierte Atropin war damals als Gift besonders gebräuchlich, heute wird es vor allem in der Medizin zu weit besseren Zwecken angewendet. So kann es zum Beispiel Patienten bei Herzstillstand das Leben retten.

Koffein wurde gleich mehrfach entdeckt

Kaffee steht der Wirkung des Atropins allerdings weder damals noch heute im Wege, hier irrte sich Goethe. Stattdessen gab er allerdings den Anstoß dafür, dass Friedlieb Ferdinand Runge im Jahr 1820 als erster Wissenschaftler Koffein isolierte. Runge gilt heute als der erste Entdecker des Koffeins, denn ein gutes Jahr später gelang es den französischen Forschern Pierre Joseph Pelletier, Joseph Bienaimé Caventou und Pierre-Jean Robiquet ebenfalls Koffein aus dem Kaffee zu extrahieren. Von der Entdeckung ihres deutschen Kollegen hatten die drei wohl noch nichts gehört.

Wiederum einige Jahre später gelang es das Teein aus Grün- und Schwarztee zu isolieren. Lange sah man den Wirkstoff als einen eigenen Stoff an, heute weiß man es besser. Teein und Koffein sind ein und derselbe Wirkstoff, traditionell wird das in Tee enthaltene Koffein jedoch auch heute noch als Teein bezeichnet.

Google ehrte Friedlieb Ferdinand Runge

Immer wieder widmet die Internetsuchmaschine Google ihre Startseite einer bestimmten historischen Person oder einem Ereignis. Das Unternehmenslogo wird dann kreativ in eine Animation oder eine Grafik eingebaut, die das jeweilige Ereignis oder die Person darstellen. Zum 8. Februar 2019, dem 225. Geburtstag von Runge, gedachte man auch dem Entdecker des Koffeins: