ECM, dieses Akronym dürfte jedem Espresso-Liebhaber ein Begriff sein. Es kann allerdings auch verwirren, denn dahinter verbergen sich gleich zwei große Namen der Branche.

In Deutschland verbinden Kaffee- und Espressoliebhaber das Kürzel ECM vor allem mit Siebträgermaschinen für den gehobenen Privathaushalt. Erst vor wenigen Tagen hat das Unternehmen mit der Technika V die neueste Version ihres Flaggschiffes auf den Markt gebracht. Es war allerdings nicht allein die Technika, dank der sich das 1996 aus der Taufe gehobene Unternehmen einen Namen in der Branche gemacht.

Nicht irgendeinen Kooperationspartner sollte es sein

Als Gründer Wolfgang Hauck gegen Ende des letzten Jahrhunderts antrat, um mit ECM in die Siebträgerproduktion einzusteigen, verließ er sich nicht allein auf seine Leidenschaft für Espresso, sondern suchte sich einen etablierten Partner. Mit der ECM SPA wurde er im Mutterland des Espresso fündig. Die italienische ECM SPA produzierte zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich Espressomaschinen, konzentrierte sich jedoch dabei auf die Zielgruppe Gastronomie.

Zusammen mit Ennio Berti Ende der 1970er gegründet, hatte sich Inhaber Friedrich Berenbruch bereits weit über die Grenzen von Italien hinaus einen guten Namen gemacht. Siebträger wie die „Giotto“ oder auch die „Cellini“ hatten sich in der Gastronomie bewährt, und so schien es auch für Berenbruch an der Zeit zu sein etwas Neues zu wagen.

Heute produziert ECM nicht weit entfernt vom romantischen Heidelberger Schloss in Neckargemünd.

Die Legende besagt, dass die erste Technika während es guten Essen entstand. Hauck, sein Mitarbeiter Hilmar Mollo, sowie Berenbruch und Berti sollen während dieses Essens die ersten Skizzen des Projektes ECM Technika zu Papier gebracht haben. Die Grundlage für die gemeinsame Produktion war geschaffen.

Heute befinden sich auch andere bekannte Namen im Portfolio von ECM. Ob Classica, Mechanika oder Controvento. Der Star dürfte aber auch jetzt noch die jeweils aktuelle Version der Technika sein.

Espresso-Pionier in Deutschland

Zu diesem Zeitpunkt konnte Wolfgang Hauck bereits auf einige Jahre in der Branche zurückblicken. Noch bevor er seine eigenen Espressomaschinen produzierte, war er Importeur bekannter Marken wie Gaggia, Cimbali, Pavoni oder Vibiemme. Insofern erscheint die Gründung einer eigenen Herstellerfirma für Siebträger nur der logische nächste Schritt gewesen zu sein. Ein Schritt, durch den Hauck ein weiteres Mal dazu beitrug die Espressokultur auch nördlich der Alpen zu etablieren. Zwar hatten zu diesem Zeitpunkt schon ganze Generationen während eines Italienurlaubs den ein oder anderen Espresso genossen, zuhause in Deutschland dominierte aber der klassische Filterkaffee noch immer Privathaushalte, aber auch die Gastronomie.

Nach 1996 begannen beide Unternehmen unter dem Namen ECM mit der gemeinsamen Produktion der Siebträger. Neun Jahre nach der Gründung wurde die Kooperation jedoch wieder beendet. Die ECM SPA ging in Italien ihre eigene Wege und konzentrierte sich zuerst erneut auf die Entwicklung von Espressomaschinen für den Gastronomiemarkt. Mit Rocket Espresso Milano entstand allerdings unter Mitwirkung von Friedrich Berenbruchs Sohn Daniele Berenbruch im Umfeld des Unternehmens eine neue Marke, die sich ebenfalls an Privatkunden mit hohen Ansprüchen wendet. Mit Rocket Espresso entwickelte sich eine eigene, komplett neue Erfolgsgeschichte, die inzwischen auch jenseits der Alpen zahlreiche Espressofreunde begeistert.

In Deutschland begann ECM in 2005 unterdessen nach und nach alle Produktionsschritte für seine Espressomaschinen von Italien nach Baden-Württemberg zu holen, oder zumindestens die Regie zu übernehmen. Den Anfang machte das Produktdesign und die Konstruktion der Maschinen. Lediglich die Montage musste zuerst noch ausgelagert bleiben, da die eigenen Kapazitäten darauf noch nicht vorbereitet waren. Zwei Jahre später übernahm man schließlich ein Fertigungsunternehmen in Italien, das Siebträger bereits für die italienische ECM SPA produziert hatte. Ab diesem Zeitpunkt hatte ECM endgültig den gesamten Produktionsprozess in die eigenen Hände genommen.

Zufriedengeben wollte man sich damit allerdings nicht, im Gegenteil, es schien, als habe ECM sich damit erst einmal die Startbedingungen für den weiteren Ausbau geschaffen. Auch personell begann man sich neu aufzustellen, mit Michael Hauck stieß der Sohn des ECM-Gründers als weiterer Geschäftsführer in die Führungsriege mit auf.

Weiterentwicklung der E61-Brühgruppe

E61-Bruehgruppe
Die ECM Brühgruppe als eigenständige Weiterentwicklung der legendären E61-Brühgruppe.

Von sich Reden machte ECM erneut 2010, mit der Präsentation der ECM Brühgruppe. Die Ingenieure der Firma hatten an der Verbesserung der seit Jahrzehnten erprobten E61-Brühgruppe für Espressomaschinen solange herumoptimiert, dass am Ende eine Weiterentwicklung als eigenes Patent angemeldet werden konnte. Seit dem ist es diese Brühgruppe, die in Siebträgermaschinen der Heidelberger für den bekannten qualitativ hochwertigen, im Geschmack stabil bleibenden Espresso sorgt.

Neue Wege ging man auch 2014, als man selbst eine Commercial Line auflegte, die sich an Geschäftskunden richtete. Statt in Italien, begann man mit der Produktion der neuen Siebträger allerdings in Deutschland. Im gleichen Jahr konnte ECM präsentierte ECM mit der S-Automatika 64 auf der World of Coffee in Italien, die noch in Mailand produziert wurde. Erst im Jahr darauf wurde auch die Fertigung der Espressomühlen an den deutschen Standort verlegt.

Seit dem geht ECM seinen Weg konsequent weiter, stets bemüht durch seine Mischung zwischen Hochglanz-Design und mechanischer Qualität Espressoliebhaber, und solche die es werden wollen, zu überzeugen. Es ist zwar noch immer der Filterkaffee, der bei den Deutschen an Nummer 1 der Liste von Zubereitungsmethoden steht, aber Wolfgang Hauck hat zweifelsohne dazu beigetragen, dass aus dem Espresso-Entwicklungsland ein Land der Espressoliebhaber geworden ist.


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