Eigentlich ist Koffein nur ein Bestandteil der Kaffeebohne von Hunderten, aber wahrscheinlich der am meisten mit Kaffee in Verbindung gebrachte.

Beim Thema entkoffeinierter Kaffee scheiden sich manchmal noch heute die Geister, dabei ist es schon über 100 Jahre her, seit der erste koffeinfreie Kaffee in den Handel kam. Heute gilt ein Bohnenkaffee innerhalb der EU offiziell als „koffeinfrei“, wenn er weniger als 1 Gramm Koffein je Kilogramm enthält – das Koffein also einen Anteil von 0,1 % nicht überschreitet.

Koffein regt die Herztätigkeit an und erhöht den Blutdruck

Wer Anhänger des koffeinfreien Kaffeegenusses nach ihren Gründen fragt, bekommt oft zu hören, koffeinfreier Kaffee sei gesünder. Derart verallgemeinert ist diese Behauptung allerdings falsch. Es gibt jedoch Gruppen, denen man aus Gesundheitsgründen durchaus zu entkoffeinierten Kaffee raten sollte. Wer unter einem zu hohen Blutdruck leidet, einen empfindlichen Magen, Herzproblem oder eine allgemeine Koffeinunverträglichkeit hat, sollte lieber koffeinfrei bleiben. Oft greifen auch ältere Menschen und Schwangere zu koffeinfreiem Kaffee. Dabei macht ein Verzicht aus Gesundheitsgründen eigentlich nur dann wirklich Sinn, wenn einer der bereits genannten Gründe zutrifft. Schwangeren rät man allgemein von Kaffee ab, da das Koffein genauso wie die anderen Wirkstoffe auch, von der Plazenta aufgenommen werden. Tatsächlich ist die Studienlage zu dem Thema allerdings sehr dünn. Vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet, sollten betroffenen Frauen vor allem auf ihre tägliche Koffein-Dosis zu achten. Sie sollte den Richtwert von 200 g nicht überschreiten. Und Achtung, auch Tee enthält Koffein/Tein.

Generell kann entkoffeinierter Kaffee also nicht als gesünder bezeichnet werden, es lohnt sich also nicht immer deshalb auf die positiven Wirkungen des Stoffes zu verzichten. Schließlich steigert Koffein die Aufmerksamkeit und Konzentration, in dem es das zentrale Nervensystem anspricht.

In Bremen wurde das erste Verfahren für zur Entkoffeinierung erfunden.

1903 erfand Ludwig Roselius, Gründer der Marke Kaffee HAG, das erste Entkoffeinierungverfahren. Sein Vater hatte überdurchschnittlich viel Kaffee getrunken, und Roselius schrieb seinen Tod unter anderem der Wirkung des Koffeins zu. Seine Methode den Wirkstoff aus dem Kaffee zu entziehen, war allerdings alles andere als gesund. Das nach ihm benannte Verfahren verwendete bei der Extraktion Benzol.

Mehrere Verfahren in Gebrauch

Moderne Verfahren verwenden weniger gefährliche Lösungsmittel bzw. können diese später rückstandslos entfernen, sind aber auch nicht immer effektiv. So gilt der Schweizer-Wasser-Prozess allgemein als zu kostspielig. Bei diesem Verfahren werden die Kaffeebohnen so lange mit heißem Wasser behandelt, bis das Koffein und andere feste Bestandteile herausgewaschen sind. Die Kaffeebohnen müssen dann entsorgt werden, während das Koffein mittels Aktivkohle aus dem Wasser herausgefiltert werden. Im zweiten Waschvorgang, werden jetzt neue Kaffeebohnen in das gefilterte Wasser gegeben. Da dieses noch von den anderen Bestandeilen angereichert ist, und nur kein Koffein mehr enthält, wird den frischen Bohnen vor allem Koffein entzogen. Der Prozess muss allerdings mehrfach wiederholte werden, und das herausgefilterte Koffein lässt sich auch nicht weiterverwenden.

Ein anderes Verfahren wird als direktes Verfahren bezeichnet. Hier werden die Kaffeebohnen zunächst eine halbe Stunde mit Wasserdampf behandelt, und dann 10 Stunden in ein Lösungsmittel (Dichlormethan oder Ethylacetat) eingelegt. Nach dieser Extraktion muss das Lösungsmittel allerdings rückstandslos entfernt werden, da es ähnlich wie Benzol als krebserregend gilt.

Bio-Kaffee mit CO2-Verfahren

Auch beim sogenannten Kohlendioxidverfahren werden die Kaffeebohnen erst einmal mit Wasserdampf vorbehandelt. Im Anschluss werden sie mit überkritischem CO2 behandelt, das mit einem Druck von bis zu 300 bar das Koffein herausspült. Vorteil des Verfahrens ist, man kann CO2 und Koffein später voneinander trennen. Ersteres wird wiederverwendet, das Koffein kann als Wirkstoffe weiterverarbeitet werden. Dieses Verfahren wird in der Regel für Bio-Kaffee angewendet, da hier sichergestellt ist, dass keine krebserregenden Stoffe wie Dichlormethan verwendet wurden.

Das letzte übliche Verfahren wird als Triglycerid-Verfahren bezeichnet. Hier werden die ungerösteten Bohnen in einer heißen Wasser-Kaffee-Lösung vorbehandelt. Anschließend kommen die Bohnen für mehrere Stunden in heißes Kaffeebohnenöl, das Triglyceride enthält, die das Koffein aus den Bohnen entfernen.

Durch gezielte Züchtung soll ein koffeinfreier Kaffee entstehen.

Neben diesen künstlichen Verfahren, wird inzwischen auch schon versucht koffeinfreien Kaffee an sich zu züchten. Grundlage ist eine bestimmte Kaffeebaumart aus Äthiopien, die durch altbewährte Verfahren wie Selektion und Kreuzungen zu einer Nutzpflanze hin gezüchtet werden soll. Bis dahin werden aber wohl in erster Linie weiterhin Kaffeebohnen der Sorte Arabica verwendet werden, die sich durch einen niedrigeren Koffeingehalt auszeichne, als die Robusta-Sorte.


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