Wie im Westen, tranken auch die Deutschen in der ehemaligen DDR gerne eine Tasse Kaffee. Doch mancher träumte dabei klammheimlich von West-Kaffee.

Sie hießen Mona, Rondo oder Mokka-Fix-Gold. Das Luxusprodukt Kaffee wollten sich auch die Deutschen in der DDR nicht nehmen lassen, deshalb spielten die „Röstfein“-Kaffees von Beginn an eine Rolle in den Wirtschaftsplänen des SED-Politbüros.

In den Nachkriegsjahren kam der in der Ostzone und späteren DDR verfügbare Kaffee fast ausschließlich aus der Sowjetunion. Erst 1957 begann man mit der eigenen Produktion. Kaffee war unter den Lebensmitteln zwar teuer, aber im Gegensatz zu anderen Luxusgütern doch verfügbar. Bis die Pläne der Politbüros in den 1970ern nicht aufzugehen begannen.

Missernten und Devisenprobleme sorgten für Versorgungsengpässe

Missernten in Brasilien, schon damals das Land mit der größten Kaffeeproduktion, ließ die Menge des verfügbaren Kaffees sinken und die Preise steigen. Die sozialistische DDR wurde von diesem marktwirtschaftlichen Mechanismus doppelt getroffen. Der steigende Preis traf auf ein Land, dessen Devisen für Importe ständig knapp waren. Hatte man in den Jahren 1974 oder 1975 noch rund 150 Millionen Valutamark für den importierten Kaffee ausgegeben, mussten im Folgejahr mit 700 Millionen fast das Fünffache investiert werden.

Heute herrscht beim Einkaufserlebnis die Ostalgie vor.

Einstellung der Kaffeeproduktion stand zur Debatte

Ende 1976, Anfang 1977 war die DDR Kaffeekrise offensichtlich, und die Versorgungsengpässe ließen sich auch vor der Bevölkerung nicht länger verbergen. Es rächte sich gewissermaßen, dass man schon in den Jahren zuvor den Kaffeeimport immer weiter gedrosselt hatte, um mehr Devisen für den Ankauf von Erdöl zur Verfügung zu haben. Das Budget war zu klein, und Vorräte gab es nicht. Der für seinen, einige Jahre später mit Franz-Josef Strauß vereinbarten Milliardenkredit bekannte gewordene SED-Politiker Alexander Schalck-Golodkowski schlug die Einstellung der Kaffeeproduktion in der DDR vor. Diese Maßnahme konnte letztlich nur dadurch verhindern werden konnte, weil Werner Lamberz, Mitglied des Zentralkomitees, ein Tauschgeschäft mit Äthiopien einfädelte. Die DDR lieferte Rüstungswaren nach Afrika und bekam im Gegenzug genug Kaffee, um die Produktion fortsetzen zu können.

Manch einer, der damals dabei gewesen war, dürfte jetzt aber wohl bemerken: „Na ja, was man halt so Kaffee nannte, in der DDR.“ Zwar war nun wieder Kaffee vorhanden, allerdings bei weitem nicht genug. Das Politbüro griff zu drastischen Maßnahmen, auch wenn einzelne Mitglieder auf die drohende Unzufriedenheit in der Bevölkerung hinwiesen. Das Angebot für die DDR Bürger wurde auf noch weniger Sorten beschränkt. Ganz marktwirtschaftlich wollte man eine Kontingentierung von Kaffee vermeiden, in dem man den Preis verdoppelte. Man rechnete deshalb damit, dass die Nachfrage tief genug sinken würde, damit derartige Maßnahmen nicht notwendig würden. Auch in den Gaststätten wurde der Kaffee knapp, während man ihn in anderen staatlichen Einrichtungen teilweise ganz verschwinden ließ.

Beim Volk nicht besonders beliebt: “Erich’s Krönung”

Allerdings selbst nachdem der Preis für die im Handel weiter erhältlichen Kaffeesorten drastisch erhöht worden war, reichte der verfügbare Kaffee nicht aus. Ein Mischkaffee kam auf den Markt, um die Situation zu beruhigen. Dieser bestand nur noch zu rund 50% aus Kaffee , während die andere Hälfte zum großen Teil aus einem Roggen-Gersten-Gemisch, Zichorie und sogar getrocknete Zuckerrübenschnitzel bestand. Im Volksmund nannte man die neue Kaffeemischung, in Anspielung auf eine Westmarke, sarkastisch „Erich’s Krönung“. Entsprechend unbeliebt war der staatlich verordnete Kaffeemix bei der Bevölkerung. Viele zogen es vor, lieber gar keinen Kaffee mehr zu kaufen. Auch die Gastronomie war gezwungen den neuen Kaffeemix zu verwenden. Die Kaffeemaschinen dort wurden allerdings regelmäßig von der gestreckten Kaffeemischung lahm gelegt, weil das dort enthaltene Eiweiß aufquoll und die Filter der Maschinen verstopfte.

Beitrag zur Entwicklung Vietnams als Kaffeeproduzent

Nachdem die Kaffeeernten der Folgejahre wieder besser wurden, und der Preis für Kaffee entsprechend sank, verbesserte sich auch die Kaffeeversorgung in der DDR wieder. Generell waren die Devisen aber immer knapp, egal was für Güter importiert wurden. In Sachen Kaffee kam die SED-Führung allerdings auf eine andere Idee. Unter dem Eindruck der Kaffeekrise ging man ab den 1980er Jahren einen anderen Weg, zusammen mit dem sozialistischen Bruderland Vietnam. In Südostasien hatte man sich etwa zur selben Zeit daran erinnert, dass unter der französischen Herrschaft Kaffee angebaut worden war. Damals war die Anbaumenge bescheiden gewesen, obwohl sich die geographischen und klimatischen Bedingungen durchaus gut für Kaffee eigneten. Das vom Vietnamkrieg noch immer gezeichnete Land griff diese Tradition wieder auf und weitete den Kaffeeanbau massiv aus. Und daran hatte auch die DDR ihren Anteil

In einem Staatsabkommen einigte man sich auf ein neues Tauschgeschäft. Die DDR lieferte Maschinen und baute Häuser, Krankenhäuser usw. in den Kaffeeanbauregionen, und erhielt im Gegenzug von Vietnam Kaffee. Als gegen Ende des Kalten Krieges ein großes Umsiedelungsprogramm in Vietnam gestartet wurde, rund 10.000 Menschen sollten dem Kaffeeanbau weichen, beteiligte sich die DDR am Aufbau einer neuen Infrastruktur für die Umgesiedelten. Im Gegenzug sicherte man sich auf 20 Jahre hinaus die Hälfte des in Vietnam angebauten Kaffees. Nun, die Geschichte machte diesem Abkommen einen Strich durch die Rechnung. Wenige Monate später fiel die Mauer.

Nach 1989 verschwanden die meisten in der DDR hergestellten Produkte aus den Regalen, und wurden durch Westprodukte ersetzt. Fortan gab es nicht mehr “Erich’s Krönung”, sondern die Original “Krönung”. Für Kaffeefreunde ein Fortschritt. Zwar war der Kaffee aus Vietnam weit besser, als der Kaffee-Mix mit Zuckerrübenschnitzel, aber selbst heute dient er meist dazu Kaffeemischungen aufzufüllen. Das hat Vietnam allerdings nicht daran gehindert, einen rasanten Aufstieg auf dem Kaffeemarkt hinter sich zu bringen.

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Vietnam erzeugt inzwischen jährlich rund 28 Millionen Säcke á 60 kg Kaffee. Als die von den Amerikaner nach dem Vietnamkrieg verhängten Sanktionen aufgehoben wurden, startete das südostasiatische Land in Sachen Kaffeeanbau durch. Heute ist es der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Eine Position, die es auch ein wenig „Erich’s Krönung“ verdankt, die heute auch bei uns Gott sei Dank nur noch ein schlechter Geschmack der Vergangenheit ist.


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