Das sagt die Wissenschaft,  Kaffeegeschichte(n)

Studie zeigt: Kaffeesatz schützt Pflanzen vor Blei & Co.

Kaffee gehört für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Was nach dem Brühen übrig bleibt – der Kaffeesatz – wird jedoch fast immer entsorgt. Weltweit fallen auf diese Weise jedes Jahr schätzungsweise sechs bis acht Millionen Tonnen Kaffeesatz an.

Ein Forschungsteam der Universität Granada ist dieser Frage nachgegangen. Im Mittelpunkt stand die Idee, Kaffeesatz nicht als Abfall, sondern als Rohstoff zu begreifen. Ziel war es herauszufinden, ob sich daraus ein Material herstellen lässt, das Pflanzen gezielt mit Nährstoffen versorgt und gleichzeitig dazu beiträgt, schädliche Stoffe im Boden zu binden. Der Ansatz folgt dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft, bei dem Abfälle nicht entsorgt, sondern in neue, nützliche Produkte überführt werden.

Warum roher Kaffeesatz nicht geeignet ist

Den Kaffeesatz einfach im Gewächshaus zu verteilen wäre allerdings keine gute Idee. Unbehandelter Kaffeesatz enthält verschiedene natürliche Stoffe wie Koffein, Bitterstoffe und sogenannte Polyphenole. Diese Substanzen können das Pflanzenwachstum hemmen und die Entwicklung der Pflanzen negativ beeinflussen.

In der Fachsprache wird dieser Effekt als „phytotoxisch“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass ein Stoff für Pflanzen schädlich wirkt. Während kleine Mengen im Garten häufig keine sichtbaren Probleme verursachen, ist der Einsatz von rohem Kaffeesatz im professionellen Anbau nicht empfehlenswert. Soll er landwirtschaftlich genutzt werden, muss er daher zunächst gezielt behandelt werden.

Wie Kaffeesatz aufbereitet wird

Die Forscher nutzten zwei Verfahren, um den Kaffeesatz unschädlich und nutzbar zu machen. In einem ersten Ansatz wurde der Kaffeesatz chemisch aktiviert, in einem zweiten thermisch behandelt, also unter kontrollierten Bedingungen stark erhitzt. Beide Methoden verändern die Struktur des Materials grundlegend.

Durch diese Behandlung werden wachstumshemmende Stoffe weitgehend neutralisiert. Gleichzeitig entsteht ein stabiles, kohlenstoffreiches Material, das sich im Boden gezielt einsetzen lässt. Besonders wichtig ist dabei, dass sich an der Oberfläche des behandelten Kaffeesatzes neue chemische Bindungsstellen bilden. Diese spielen später eine zentrale Rolle für seine Wirkung im Boden.

Nährstoffquelle und Filter zugleich

In aufbereiteter Form kann Kaffeesatz im Boden zwei wichtige Funktionen erfüllen. Zum einen dient er als Trägermaterial für Spurenelemente wie Eisen und Zink. Diese Nährstoffe sind für das Pflanzenwachstum unverzichtbar und tragen auch zur Nährstoffqualität der geernteten Lebensmittel bei.

Foto in einem Gewächshaus mit Gurken-Plfanzen
Bei Gurken soll der aufbereitete Kaffeesatz besonders gut wirken.

Zum anderen wirkt der behandelte Kaffeesatz wie ein Filter. Er kann Schwermetalle wie Cadmium, Blei, Quecksilber oder Arsen an sich binden. Solche Stoffe kommen in vielen Böden in geringen Mengen vor, können sich jedoch in Pflanzen anreichern und langfristig problematisch für Mensch und Umwelt sein. Indem der Kaffeesatz diese Schadstoffe im Boden festhält, wird ihre Aufnahme durch die Pflanzen deutlich reduziert.

Die Untersuchung zeigte, dass Pflanzen, die mit aufbereitetem Kaffeesatz angebaut wurden, geringere Schwermetallgehalte aufwiesen als Pflanzen aus unbehandelten Böden.

Der Zeitpunkt der Ernte spielt eine Rolle

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft den Erntezeitpunkt. Die Konzentration bestimmter Schadstoffe in Pflanzen verändert sich im Laufe ihres Wachstums. Einige Stoffe nehmen mit der Zeit zu, während andere vor allem in frühen Wachstumsphasen stärker auftreten.

Für die landwirtschaftliche Praxis bedeutet das, dass nicht nur das eingesetzte Material entscheidend ist, sondern auch die zeitliche Planung der Ernte. Durch eine Kombination aus aufbereitetem Kaffeesatz und angepassten Erntezeitpunkten lässt sich die Belastung der Lebensmittel weiter verringern.

Kaffeesatz und die Landwirtschaft der Zukunft

Derzeit ist der praktische Einsatz solcher Materialien noch mit einem gewissen Aufwand verbunden, da sie gleichmäßig in den Boden eingearbeitet werden müssen. Für eine breitere Anwendung wird daher an pelletierten Formen gearbeitet, die sich einfacher ausbringen lassen und sich bei der Bewässerung langsam auflösen.

Die Forschung macht jedoch deutlich, welches Potenzial in alltäglichen Abfällen steckt. Kaffeesatz ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Was heute meist im Müll landet, könnte künftig helfen, Böden zu verbessern, Pflanzen gezielt zu versorgen und Lebensmittel sauberer zu machen. Der morgendliche Kaffee endet damit nicht zwangsläufig als Abfall, sondern wird Teil eines nachhaltigen Kreislaufs.

Quellen

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Tobias Hoffmannswald, geboren und aufgewachsen in Stuttgart, entdeckte seine Leidenschaft für Kaffee bereits in jungen Jahren. Verantwortlich dafür machte er den Duft frischen Kaffees, der stets in der Bäckerei seiner Eltern lag. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, zog es Tobias hinaus in die Welt. Seine Faszination für Kaffee führte ihn nach Mittelamerika, wo er sich in Honduras und später El Salvador den Kaffeeanbau ganz genau ansah. Zurück in Deutschland, entschied sich Tobias, seine Begeisterung für Kaffee zu professionalisieren. Er ließ sich zum Barista ausbilden. Mit frisch erworbenem Fachwissen und einer tiefen Wertschätzung für die Kunst des Kaffees suchte Tobias nach Möglichkeiten, seine Vision zu teilen und anderen die Welt des Kaffees näherzubringen. Über den ein oder anderen Umweg fand er diese Möglichkeit schließlich in Würzburg, wo er seit 2023 das Team von KaffeeTechnik Seubert mit seinem Baristaskills unterstützt.

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