Barista Guide: Rooibos Espresso – Die rote Alternative
Zusammenfassung: Der Rooibos Espresso beweist, dass das Ritual der Siebträger-Extraktion nicht allein an die Kaffeebohne gebunden ist. Er ist weit mehr als nur ein „Ersatzprodukt“; er ist eine eigenständige Kategorie, die durch ihre natürliche Süße, die kräftige Farbe und ein gesundheitlich wertvolles Profil besticht. Für Besitzer einer Espressomaschine bietet der „Red Espresso“ die Chance, das eigene Gerät neu zu entdecken und Gästen eine koffeinfreie Alternative zu servieren, die handwerklich ebenso anspruchsvoll wie geschmacklich überraschend ist.

Espresso steht für Intensität, Aroma und das Ritual der perfekten Extraktion mit dem Siebträger. Doch auch Espressoliebhaber sind zuweilen auf der Suche nach Alternativen – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder einfach aus Neugier auf neue Geschmackserlebnisse. Genau hier kommt der sogenannte Rooibos Espresso ins Spiel. In der Szene wird er auch „Red Espresso“ genannt und verbindet die Welt der südafrikanischen Teekultur mit der Technik der klassischen Espressozubereitung.
Die Idee entstand Mitte der 2000er-Jahre in Südafrika. Der Unternehmer Carl Pretorius suchte damals nach einer koffeinfreien Alternative zu Espresso, die dennoch das gleiche Ritual und die gleiche Intensität bieten sollte. Das Ergebnis war ein speziell gemahlener Rooibos, der sich tatsächlich im Siebträger extrahieren lässt.
Rooibos: Eine Pflanze mit besonderer Herkunft
Die Grundlage für Rooibos Espresso bildet die Pflanze Aspalathus linearis. Sie wächst ausschließlich in den südafrikanischen Zederbergen, etwa 200 Kilometer nördlich von Kapstadt. Das Zusammenspiel aus sandigen Böden, Mikroklima und regionalen Bodenorganismen macht diese Region weltweit einzigartig für den Anbau.
Schon lange bevor Rooibos international bekannt wurde, nutzten die indigenen Völker der Khoi und San die Pflanze als Getränk. Heute stammt der Großteil der Produktion aus Plantagen, während wilder Rooibos deutlich seltener und aromatisch intensiver ist. Der Rooibos Tee hat sich in den Sortimenten der meisten Anbieter längst festgesetzt. Wahrscheinlich haben die meisten Teetrinker ihn bereits einmal probiert, ob lose oder im Teebeutel. Doch es geht auch anders…
Damit Rooibos im Siebträger funktionieren kann, wird er nicht wie klassischer Tee verarbeitet. Stattdessen kommt ein besonders feiner Mahlgrad zum Einsatz – ähnlich wie Espressomehl. Dieser sogenannte „Espresso-Schnitt“ sorgt dafür, dass beim Bezug genügend Widerstand entsteht und sich unter Druck ein konzentrierter Extrakt bildet.
Koffeinfrei, aber reich an Inhaltsstoffen
Ein entscheidender Vorteil von Rooibos Espresso ist sein koffeinfreies Profil. Gleichzeitig enthält die Pflanze eine Reihe natürlicher Inhaltsstoffe, die in der Ernährungsforschung immer wieder untersucht werden.
Dazu gehören unter anderem antioxidative Verbindungen wie Aspalathin und Nothofagin. Sie kommen nahezu ausschließlich in Rooibos vor und werden mit verschiedenen positiven Effekten auf den Organismus in Verbindung gebracht.
Darüber hinaus enthält Rooibos verschiedene Vitamine und Mineralstoffe und gilt als besonders magenfreundlich, da er nur sehr geringe Mengen an Gerbstoffen enthält. Für viele Menschen ist er daher eine interessante Alternative zu klassischem Kaffee – besonders am Abend oder für Personen, die empfindlich auf Koffein reagieren.
Rooibos aus dem Siebträger: So gelingt die Zubereitung
Auch wenn Rooibos kein Kaffee ist, funktioniert die Zubereitung im Siebträger erstaunlich ähnlich. Einige kleine Anpassungen helfen dabei, ein besonders intensives Ergebnis zu erzielen.
- Dosierung: Für ein Doppelsieb werden etwa 12 Gramm Rooibos verwendet.
- Tampen: Das Pulver sollte gleichmäßig und relativ fest getampt werden, damit genügend Widerstand für den Wasserdruck entsteht.
- Tipp: Vorquellen lassen. Ein kleiner Trick vieler Baristas besteht darin, den Bezug kurz zu starten und anschließend für einige Sekunden zu pausieren. In dieser Zeit kann der Rooibos im Sieb aufquellen und verdichtet sich leicht. Danach wird der eigentliche Bezug fortgesetzt.
Der fertige Espresso Shot zeigt häufig eine feine, goldbraune Schicht an der Oberfläche, die optisch an Crema erinnert.
Kreative Getränke mit Rooibos Espresso
Geschmacklich zeichnet sich Rooibos durch erdige, leicht nussige Noten und eine natürliche Süße aus. Dadurch eignet er sich hervorragend als Basis für verschiedene Getränke. Man verwendet den Rooibos Espresso dabei ähnlich eines klassischen Espresso auf Kaffeebasis. Auch kalt funktioniert Rooibos hervorragend: Mit Eis, Tonic Water oder einem Schuss Apfelsaft entsteht eine erfrischende Sommer-Variante.
Fazit: Eine spannende Ergänzung für die Siebträgermaschine
Rooibos Espresso ist keine Kopie von Kaffee – sondern eine eigene Kategorie. Er verbindet die handwerkliche Zubereitung im Siebträger mit einem völlig anderen Geschmacksprofil und bietet gleichzeitig eine koffeinfreie Alternative für viele Gelegenheiten. Für experimentierfreudige Baristas und Kaffeeliebhaber eröffnet sich damit eine neue Spielwiese: Die Espressomaschine kann mehr als nur Kaffee. Und manchmal lohnt es sich, bekannte Rituale einfach mit neuen Zutaten zu entdecken.


