Das heute weltweit der meiste Kaffee aus Brasilien stammt, verdankt das Land in Südamerika, den Verführungskünsten eines Unteroffiziers.

Seit Jahrzehnten steht Brasilien einsam an der Spitze, wenn es um den weltweiten Export von Kaffee geht. Kein Konkurrent in Südamerika, Afrika oder Südostasien, nicht einmal das in Sachen Kaffeeanbau rapide wachsende Vietnam, kann da mithalten. Dabei gehörte das Land nicht einmal zu den ersten, die mit dem Kaffeeanbau auf dem amerikanischen Kontinent begonnen hatten. Allerdings erkannt man früh, dass sich mit Kaffee gutes Geld verdienen lässt.

Die gemeinsame Geschichte von Kaffee und Brasilien begann der Ursprungslegende nach im Jahr 1727. Südamerika bestand damals noch aus Kolonien europäischer Mächte. Die Spanier hatten sich den größten Teil des Kontinentes gesichert, lediglich das Gebiet des heutigen Brasiliens wurde von den Portugiesen regiert. Daneben gab es noch drei kleinere Gebiete, in denen Briten, Niederländer und Franzosen ein jeweils nach den Kolonialländern benanntes Guyana beherrschten. Heute sind die Länder Südamerikas längst unabhängige Nationen, nur Französisch Guyana existiert noch als Kolonie. Der Kaffeehandel spielt dort heute längst keine Rolle mehr. Landwirtschaft wird meist nur in den Küstenregionen betrieben, nennenswerte Wirtschaftsfaktoren sind Fischerei und der Goldabbau. Wenn die Region erwähnt wird, dann meist nur wegen des Weltraumbahnhofs der ESA in Kourou, von dem aus die Europäer, aber auch Russen und kommerzielle Unternehmen, Raketen in den Weltraum starten.

Beginn des Kaffeeanbaus in Südamerika

Im nördlichen Pará begann der Kaffeeanbau in Brasilien

1719 jedoch versprach man sich in Französisch Guyana vom Kaffeeanbau ein lohnendes Geschäft. Allein, man war nicht in Besitz von Kaffeepflanzen. Jahrhundertelang war es den Arabern gelungen, alle Kaffeepflanzen für sich zu behalten, ehe es Europäern gelang Setzlinge zu stehlen und dank ihrer Kolonien mit dem weltweiten Anbau von Kaffee zu beginnen. Schon damals machte man Mittel- und Südamerika als lohnende Anbaugebiete aus. Wie etwa die Niederländer, die im heutigen Suriname mit dem Kaffeeanbau begannen. Um sich nicht selbst unliebsame Konkurrenz zu schaffen, dachten die Niederländer natürlich gar nicht den benachbarten Franzosen mit ein paa Kaffeesamen oder gar Setzlingen auszuhelfen. 1719 schließlich stahlen die Franzosen deshalb kurzerhand ein paar Kaffeepflanzen und begannen mit dem Anbau auf ihrem Gebiet.

Der Erfolg des Kaffeeanbaus sprach sich schließlich auch in den benachbarten Regionen Brasiliens herum, woraufhin 1727 der Gouverneur von Pará ebenfalls beschloss es mit dem Anbau von Kaffee zu versuchen. Man ahnt es, er stieß auf das gleiche Problem. Die misstrauisch gewordenen Niederländer achteten noch besser auf ihre Kaffeeplantagen und bei den Franzosen sah es nicht viel besser aus. Der Gouverneur allerdings witterte seine Chance, als ein gewisser Sergeant Francisco de Melo Palheta zu einem Besuch nach Cayenne aufbrach, der Hauptstadt Französisch Guyanas. Palheta war für seine Künste als Verführer bekannt, er sollte ihm die gewünschten Kaffeepflanzen beschaffen.

Kaffee versteckt in einem Blumenstrauß

Doch auch wenn es noch nicht einmal zehn Jahre zurücklag, als die Franzosen selbst Kaffeepflanzen aus Suriname gestohlen hatten, großzügig machte sie das keineswegs. Der französische Statthalter d’Orvilliers hatte strikte Order aus Paris, dem Drängen Palhetas nicht nachzugeben. Der jedoch dachte gar nicht daran mit leeren Händen zurückzukehren. Statt weiter den französischen Gouverneur zu bearbeiten, begann er dessen Frau zu umgarnen. Und dabei war er bald wesentlich erfolgreicher. Versteckt in einem Blumenstrauß der Gouverneursgattin soll der Legende nach der Kaffee schließlich doch nach Brasilien gelangt sein.

Der Kaffeeanbau befeuerte auch die Sklaverei in Brasilien

Bis sich der Kaffeeanbau in Brasilien allerdings wirklich durchsetzen konnte, dauerte es noch ein paar Jahre, aber mit seinem Abenteuer hatte Palheta den Grundstein gelegt. Bald wurde Kaffee das wichtigste Handelsgut des Landes, und trug entscheidend zu seinem Reichtum bei. Der Kaffeeanbau wurde allerdings auch die Grundlage für ein weniger rühmliches Kapitel der brasilianischen Geschichte, er war Antreiber der erst 1888 abgeschafften Sklaverei.


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