Kaffeegeschichte(n),  Trivia

Sanfte Haut durch Kaffee: DIY-Seife einfach hergestellt

Für die meisten von uns ist Seife ein einfacher Alltagsgegenstand – wir greifen danach, waschen uns die Hände und denken nicht weiter darüber nach. Und wenn die Seife aufgebraucht ist, kauft man sich eine neue. Dabei lässt sich Seife auch selbst herstellen – und eine wichtige Zutat dabei kann Kaffee sein, bzw. gebrauchter Kaffeesatz.

Infografik über die Vorteile einer selbstgemachten Kaffeeseife
Ob Geruch, Feuchtigkeitsspender oder Kämpfer gegen Cellulite – Kaffeeseife ist erstaunlich vielseitig. (Bild teilweise KI generiert.)

Kaffee, das Hautpflege-Wunder unter den Hausmitteln

Wirft man einen Blick auf die Zutaten von handgemachter Seife, könnte man meinen, Kaffeesatz sei nur ein einfacher Füllstoff für ein rustikales Aussehen. Doch weit gefehlt. Dieses alltägliche Abfallprodukt ist ein wahrer Superheld für die Hautpflege mit erstaunlich vielseitigen Wirkungen.

  • Sanftes Peeling: Die feinen, harten Kaffeepartikel in der Seife wirken wie ein natürliches Peeling. Sie entfernen sanft abgestorbene Hautschüppchen und regen die Mikrozirkulation an, was zu einer glatteren, weicheren Haut führt.
  • Effektiver Geruchsneutralisator: Kaffee besitzt von Natur aus geruchsabsorbierende Eigenschaften. Das macht Kaffeeseife ideal für die Küche, um hartnäckige Gerüche wie Knoblauch, Zwiebeln oder Fisch von den Händen zu entfernen.
  • Waffe gegen Cellulite: Viele Anti-Cellulite-Cremes nutzen Koffein als Hauptwirkstoff. Im Kaffeesatz ist noch genügend davon enthalten, um die Durchblutung zu fördern und die Haut bei regelmäßiger Anwendung straffer erscheinen zu lassen.
  • Hausmittel gegen Fußpilz: Insbesondere im osteuropäischen Raum gilt Kaffee als altes Hausmittel zur Bekämpfung von lästigem Fuß- und Nagelpilz.

Die wissenschaftliche Grundlage dafür liegt in den Inhaltsstoffen: Kaffeesatz ist reich an Antioxidantien, insbesondere Polyphenolen, die die Haut vor schädlichen freien Radikalen schützen. Zudem wirken die verbleibenden Koffein- und Kaffeereste entzündungshemmend. Es ist faszinierend, wie ein einfaches Abfallprodukt in einem Stück Seife zu einem wertvollen und multifunktionalen Hautpflegemittel wird.

Seifenherstellung: Ein kontrollierter chemischer Prozess

Viele stellen sich die Seifenherstellung als simples Schmelzen einer vorgefertigten Masse und Gießen in eine Form vor. Doch echte Seifenherstellung ist Alchemie im Kleinformat – eine chemische Verwandlung, kein bloßes Umschmelzen. Während das einfache „Melt and Pour“-Verfahren ein rein physikalischer Prozess ist, basiert traditionelle Naturseife auf dem Kaltverseifungsverfahren (Cold Process), einem präzisen chemischen Prozess.

Im Kern dieses Prozesses steht die Verseifung (Saponifikation): die chemische Reaktion, bei der Fette und Öle (Ester) durch eine Lauge in ihre Bausteine zerlegt und neu zusammengesetzt werden. Das Ergebnis sind die Salze der Fettsäuren – das, was wir als Seife kennen – und als wertvolles Nebenprodukt der natürliche Feuchtigkeitsspender Glyzerin. Dieser Vorgang erfordert exaktes Abwiegen der Zutaten und strenge Sicherheitsvorkehrungen, da der Umgang mit Natriumhydroxid (NaOH) gefährlich ist.

  • Es muss stets Schutzkleidung getragen werden, insbesondere eine Schutzbrille und Handschuhe.
  • Gearbeitet werden sollte nur in einem gut belüfteten Bereich, um das Einatmen der Dämpfe zu vermeiden.
  • Aufgrund der Verätzungsgefahr ist diese Methode absolut nicht für Kinder geeignet.

Obwohl es aufwendig klingt, ermöglicht dieser kontrollierte Prozess die vollständige Freiheit bei der Auswahl der Inhaltsstoffe – von den Ölen bis zu den pflegenden Zusätzen.

Videos: Kaffeeseife schnell selbst gemacht

Das ist Ihnen alles zu theoretisch, dann stöbern Sie doch einfach bei YouTube nach einem passenden Tutorial, wie dieses:

oder auch dieses englischsprachige Video:

Weitere Fachbegriffe, die man mal gehört haben sollte

  • Melt and Pour (Schmelzen und Gießen): Bei dieser Methode wird eine fertige Seifenbasis bei hohen Temperaturen geschmolzen. Werden hier getrocknete Blüten oder Kräuter hinzugefügt, können sie durch die Hitze buchstäblich „verbrennen“. Das Ergebnis sind unansehnliche braune oder schwarze Flecken, und die potenziell nützlichen Eigenschaften der Pflanzen gehen verloren.
  • Cold Process (Kaltverseifung): Da dieser Prozess bei deutlich niedrigeren Temperaturen abläuft, werden Farbe und Eigenschaften der Botanicals viel besser bewahrt. Die pflanzlichen Zusätze bleiben nicht nur optisch ansprechend, sondern können auch ihre pflegenden Wirkungen in der fertigen Seife entfalten.

Das Fazit ist klar: Für optisch ansprechende und wirksame Seifen mit echten Pflanzenteilen ist die Wahl der richtigen, schonenden Herstellungsmethode entscheidend.

„Überfettung“: Das Geheimnis für eine pflegende Reinigung

Haben Sie sich je gefragt, warum manche handgemachten Seifen die Haut so wunderbar weich und gepflegt hinterlassen, während andere sie austrocknen? Die Antwort liegt oft in einem Fachbegriff aus der Seifensiederei: der Überfettung.

Überfettung bezeichnet den prozentualen Anteil an Ölen in einem Seifenrezept, der absichtlich nicht verseift wird. Das bedeutet, es wird ein Überschuss an Fetten und Ölen verwendet, der nicht vollständig mit der Lauge reagiert. Diese „freien“ Öle bleiben in der fertigen Seife erhalten und sind für ihre rückfettende und feuchtigkeitsspendende Wirkung verantwortlich. Der Grad der Überfettung, oft zwischen 5 % und 10 % liegend, wird im Rezept präzise berechnet und ist das Markenzeichen einer hochwertigen Pflegeseife.

Kaffeeseife

Im Gegensatz zu vielen industriell hergestellten Seifen, bei denen das wertvolle, natürliche Glyzerin erhalten bleibt, sorgt die Überfettung für eine zusätzliche Pflegeschicht. Dieses wertvolle Glyzerin wird bei Industrieseifen oft entzogen, um es separat in teureren Kosmetikprodukten wie Lotionen und Cremes zu verkaufen. Eine höhere Überfettung führt zu einer besonders reichhaltigen Seife, die ideal für trockene und empfindliche Haut ist.

Fazit

Wie Sie sehen, ist ein Stück handgemachte Seife weit mehr als nur ein Reinigungsmittel. Es ist ein Produkt, das an der faszinierenden Schnittstelle von Wissenschaft, Handwerk und Natur entsteht. Von der cleveren Wiederverwertung von Kaffeesatz bis hin zur präzisen chemischen Steuerung der Überfettung steckt in jedem Stück ein enormes Maß an Wissen und Sorgfalt. Worauf werden Sie achten, wenn Sie das nächste Mal eine handgemachte Seife auswählen, oder wagen Sie sich vielleicht sogar selbst an Ihr erstes Seifenprojekt?

Bilder teilweise KI generiert

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Clarissa Schneider, geboren und aufgewachsen in Coburg, zog für ihr Studium nach Würzburg, wo sie ihre Leidenschaft für Espresso entdeckte. Während ihres Studiums arbeitete sie als Kellnerin in einem gemütlichen Café, wo sie ihre ersten Erfahrungen mit der Zubereitung und dem Genuss von Espresso machte. Diese Zeit prägte sie nachhaltig und weckte in ihr eine tiefe Begeisterung für die Kunst der Kaffeezubereitung. Seitdem hat Clarissa ihre Liebe zu Espresso nicht mehr losgelassen. Als leidenschaftliche Kaffeeliebhaberin und Autorin teilt sie ihr umfangreiches Wissen und ihre Erfahrungen gerne mit anderen. Sie schreibt an dieser Stelle die feinen Nuancen des Espresso-Genusses, die neuesten Trends der Kaffeeszene und die faszinierende Welt des Kaffeeanbaus. Bei KaffeeTechnik Seubert ist Clarissa außerdem in der Kundenbetreuung tätig und managet zusätzlich unseren Marese Club.

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