Britische Wissenschaftler haben einen Pilz wiederbelebt, der Kaffeepflanzen angreift und sogar zerstören kann.

Ob das wirkliche eine gute Idee war? Spätestens seit den „Jurassic Park“-Filmen wissen wir doch, dass es meist eine schlechte Idee ist, wenn Wissenschaftler etwas wiederbeleben, was eigentlich ausgestorben ist. Forscher des britischen Imperial College of London hat das aber nicht davon abgehalten einen Pilz wiederzubeleben, der die Kaffeepflanze angreift und absterben lässt. Ein Pilz, der eigentlich bereits ausgerottet war.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um finstere Wissenschaftler, die etwas gegen Kaffee haben. Vielmehr, so berichtet das Fachmagazin Science Daily, wolle man dank des wiederbelebten Pilzes Rückschlüsse auf andere ähnliche gelagerte Bedrohungen ziehen.

Wiederbelebter Pilz wütete von 1920 bis 1950

Dazu wurden Proben von insgesamt sechs verschiedenen Stämmen eines Pilzes wieder aufgetaut, die man schon vor Jahren eingefroren hatte. Dieser Pilz verursachte zwei schwere Epidemien zwischen 1920 und 1950, der große Teile der Kaffeeernten zum Opfer fielen, und tauchte zwischen den 1990ern und 2000er Jahren zum letzten Mal auf. Seitdem galt er mit Ausnahme einiger kleiner Regionen in Ost- und Zentralafrika als ausgestorben. Der Pilz greift die Adern der Blätter der Kaffeepflanze an und lässt dadurch das ganze Blatt welken. So befällt er Blatt für Blatt, bis am Ende die gesamte Kaffeepflanze abgestorben ist.

Kaffeeplanzen
Gesunde Kaffeepflanzen einer Kaffeefarm, die nicht auf Monokulturen setzt.

Um eine Gefahr der erneuten weltweiten Ausbreitung zu verhindern, wurde der Kaffeepilz unter sicheren Laborbedingungen aufgetaut. Dort sequenzierten die Wissenschaftler das Genom des Pilzes, um seine DNA unter die Lupe nehmen zu können. Dadurch wollen die Wissenschaftler etwa herausfinden, warum der Pilz spezifische Kaffeesorten befiel. Als eines der ersten Ergebnisse konnten die Wissenschaftler bei einem Pilz eine Verwandtschaft mit einem Schädling feststellen, der besonders Bananenpflanzen befällt. Bananen und Kaffee werden in manchen Regionen häufig zusammenangebaut, weil die höheren Bananenbäume als Schattenspender für die Kaffeesträucher dienen. Im Nachhinein legen die Ergebnisse der britischen Forscher jetzt aber nahe, dass es dort zu einer Mutation gekommen sein könnte, die von den Bananen auf die Kaffeepflanze übergesprungen sein könnte.

Pilzbefall bei Kaffeepflanzen besser verstehen

Neben solchen Erkenntnissen wollen die Wissenschaftler auch herausfinden, wie genau der Pilzbefall die Kaffeepflanze schädigt. Einige Kaffeepflanzen wurden deshalb im Labor gezielt infiziert, um an ihnen beobachten zu können, wie die Pilzinfektion genau abläuft. Anhand der Beobachtungen hoffen die Wissenschaftler Möglichkeiten aufzeigen zu können, wie Kaffeefarmer weltweit einen Pilzbefall verhindern können oder wie man einen Befall bekämpfen könnte.

Neben Schädlingen gehören Pilze weltweit zu den größten Feinden der Kaffeefarmer. Immer wieder kommt es etwa zum sogenannten Kaffeerost, bei dem ein Pilz auf den Blättern der Kaffeepflanze rötliche, an Rost erinnernde Flecken entstehen lässt. Er befällt in der Regel Arabica-Kaffee, Robusta-Sorten sind nur in wenigen Fällen betroffen. Anders als der in Großbritannien wiederbelebte Pilz sind auch Monokulturen besonders betroffen, in denen kein Schatten von anderen Pflanzen, wie Bananenbäumen, auf den Kaffee fällt. Auch wenn beim Kaffeerost die Möglichkeit besteht, dass sich befallene Pflanzen wieder erholen, verursacht der Pilz dennoch bei vielen Kaffeefarmern existenzbedrohliche Schäden.


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