Lange vor Berlin gab es in Würzburg das erste Kaffeehaus. Sein Gründer war als Kriegsgefangener gekommen.

Die Würzburger Kaffeegeschichte begann eigentlich in Wien, und wenig friedlich. Der 2. Türkenkrieg endete 1699 endgültig mit der Niederlage des Osmanischen Reichs. Die Expansion der Osmanen war gestoppt, gleichzeitig begann der Siegeszug eines der Lieblingsgetränke der Besiegten. Ihre wegen der übereilten Flucht nach ihrer Niederlage vor Wien zurückgelassenen Kaffeevorräte soll der Legende nach die Grundlage für die Wiener Kaffeehauskultur geworden sein. Während die Städte im Norden des Landes oft aufgrund der niederländischen Handelswege noch Ost-Asien mit dem Kaffee erstmals Bekanntschaft schlossen, standen die ersten Kaffeehäuser in Süddeutschland oft mit Ereignissen während und nach Ende der Türkenkriege in Verbindung.

Das erste Mal der Duft nach frischem Kaffee

Klassischer türkischer Kaffee

Schon einige Jahre vor der entscheidenden Schlacht vor den Toren Wiens, hatte man rund 50 osmanische Kriegsgefangene in das damals noch von Fürstbischöfen regierte Würzburg gebracht. Und diese wiederrum hatten noch etwas Kaffee bei sich, den sie sich auch in der Gefangenschaft zubereiten. Der damals noch unbekannte Duft frischen Kaffees erweckte jedoch die Aufmerksamkeit der Wachsoldaten. Da die damaligen Europäer aber trotz des Krieges eine gewisse Neugier auf die fremde osmanische Kultur entwickelt hatten, wollten sie das neue Getränk schnell selbst probieren.

Und so wurde für den 2. Mai 1697 hochoffiziell in den Geschichtsbüchern der Stadt Würzburg festgehalten, dass ein Mehmet Sadullah Pascha an einem Sonntag als erster in der Öffentlichkeit frischen Kaffee zubereitete. Er bot ihn den Gottesdienstbesuchern an, die gerade aus dem Würzburger Dom kamen. Zunächst mit wenig Erfolg. Der Kaffee war den Probierenden schlicht zu bitter, erst als der Türke ihn mit mitgebrachten Sirup süßte, fand das neue Getränke Gefallen. Einige Hundert Würzburger sollen die Gelegenheit genutzt, und ihren ersten Kaffee getrunken haben.

Selbst die Winzer bangten um ihre Einkünfte

Noch vor Berlin eröffnete in Würzburg das erste Kaffeehaus.

Es muss ihnen geschmeckt haben, denn Sadullah Pascha ließ sich unter seinem Taufnamen Johann Ernst Nicolaus Strauß in der Stadt am Main nieder und eröffnete das erste Kaffeehaus der Region. Die Würzburger sollen sich so begeistert gezeigt haben, dass man ihm das zugehörige Haus sogar schenkte. Die anregende Wirkung des Kaffees veranlasste die Stadtväter dazu ihren Beamten tagsüber Kaffee als Getränk der Wahl zu empfehlen. Zuvor war es oft Wein gewesen, den man getrunken hatte. Die alteingesessenen Winzer sahen sich sogar genötigt offiziell zu protestieren. Ihre Sorge war allerdings unbegründet, auch wenn die Beliebtheit des Kaffees wuchs, ist die Region heute noch immer für ihren Wein bekannt geblieben.

Die Kunst des Kaffeemachens musste dagegen noch lange meist in osmanischen Händen verbliebenen Städten wie Sofia oder Sarajevo offiziell erlernt werden, zumindest wenn man in Würzburg eine der begehrten Lizenzen zur Eröffnung eines Kaffeehauses erlangen wollte. Kaffee blieb auch in Würzburg lange eine Vorliebe der wohlhabenden Bürger, die mitunter bei so mancher Kaffeehausdiskussion über die herrschenden Verhältnisse herzogen. Wie in vielen anderen Regionen warf auch in der Mainmetropole die Obrigkeit immer ein wachsames Auge auf die hiesigen Kaffeehäuser.


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