Ende November begehen Kaffeeliebhaber weltweit den Tag des Espresso. Doch wer hat ihn eigentlich erfunden?

Das alljährlich am 23. November der Tag des Espresso begangen wird, verdanken Kaffeeliebhaber zwar den Amerikanern, den Espresso selbst, den haben aber natürlich die Italiener erfunden. Oder wurde der Espresso vielleicht doch nicht in Mailand, Turin oder Rom erfunden? Erblickte der erste Espresso der Welt das Licht der Welt in Paris? Wir sind dieser Frage einmal nachgegangen.

Darum geht es:

Wer sich auf die Recherchereise nach den Ursprüngen des Espresso begibt, landet oft im Jahr 1855 auf der Weltausstellung in Paris. Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein waren die Weltausstellungen die technologischen Innovationsschauen ihrer jeweiligen Epoche schlechthin. Vor allem die westlichen Nationen versuchten sich immer wieder mit neuen Entwicklungen und Erfindungen zu übertrumpfen, ebenso wie die jeweiligen Gastgeber in Sachen Architektur miteinander wetteiferten. Vieles davon ist heute bereits vergessen, anderes prägt noch immer das Stadtbild. Wie etwa der Eiffelturm! Paris ohne den Eiffelturm ist heute undenkbar, ursprünglich sollte er jedoch nur während einer der Pariser Weltausstellung als monumentales Eingangstor zum Ausstellungsgelände dienen.

Paris mit Eiffelturm

Die erste Espressomaschine?

Als in Paris die Besucher der Weltausstellung des Jahres 1855 den ersten Kaffee aus einer Espressomaschine tranken, lag der Eiffelturm allerdings noch in ferner Zukunft. Aber auch jene erste Espressomaschine muss durchaus beeindruckend auf die Besucher gewirkt haben. Der Espresso am Ende war das Resultat eines mit mehreren Regelhähnen gebändigten hohen Dampfdrucks, der die damalige Zubereitungsmethoden revolutionieren sollte. Kaffee, oder viel mehr das Koffein begann zu einem Treiber der Industrialisierung zu werden. Die Zeichen der Zeit standen also günstig. Denn das Industriezeitalter verlangte Schnelligkeit – von Mensch und Maschine. Ein im Vergleich zu mit oder ohne Filter aufgebrühten schnell zubereiteter Espresso versprach, getreu dem neuen Motto „Zeit ist Geld“, Geld und Zeit zu sparen.

Doch die auf der Weltausstellung 1855 präsentierte Espressomaschine ging nie in Serie, und obwohl der Druck auch beim heutigen Espresso eine entscheidende Rolle spielt, setzte sich auch die „Dampfmaschine“ nicht durch.

Stattdessen ging Angelo Moriondo im Jahr 1884 einen anderen Weg, als er seine Espressomaschine präsentierte, deren Wasserkessel immerhin schon mit einem Druck von 1,5 bar Wasser durch das Kaffeepulver presste. Dieses Prinzip ist bis heute gleich, wenn auch der Druck inzwischen zwischen 9 und 13 bar liegen muss und auch einige andere Optimierungen folgten.

Die italienische Kaffeebar

Die erste Pavoni Espressomaschine

Konnte man Moriondos Kaffee deshalb als den ersten Espresso bezeichnen? Technisch vielleicht, der Name selbst tauchte allerdings erst im Jahr 1906 erstmals auf. Der Italiener Desiderio Pavoni hatte die Espressomaschine weiterentwickelt und konnte seinen „cafeé espresso“ mit einem Druck von über 2 bar zubereiten. Und mit einer Menge von bis zu 1000 Tassen die Stunde, erfüllte Pavoni auch den Wunsch nach einem schnelle Kaffee zum Frühstück. Pavonis Maschine griff wieder auf das Dampfprinzip zurück und dominierte mit seinen Maschinen die nächsten 30 Jahre den Markt.

Die erste Gaggia Espressomaschine

Bis ihm ein gewisser Achille Gaggia mit seiner Espressomaschine den Rang ablief. Gaggia setzte auf Wasserdruck, der durch einen mittels Hebels in Gang gesetzten Federkolbens erzeugt wurde. Die Maschine erzeugte zwischen 8 und 10 bar und kam damit erstmals in die heute übliche Druckbandbreite der Espressozubereitung. Und noch etwas tauchte dank Gaggia erstmals auf, die heute für Espresso so typische Crema. Der mit den vorangegangenen Methoden erzeugte Druck, hatte noch nicht für eine stabile Crema ausgereicht.

Exkurs: Die Crema

Lesen Sie dazu auch: Die Crema – Die Krönung des perfekten Espresso

Die E61-Brühgruppe

Ist also Achille Gaggia der eigentliche Erfinder des Espresso? Darüber kann man durchaus streiten, auf jeden Fall war mit seinen Maschinen erstmals ein auch heute noch typischer Espresso zubereitbar. Eigentlich gab es nur noch eine weitere Entwicklung, die auf den Zubereitungsprozess größeren Einfluss ausübte: Die Erfindung der E61-Brühgruppe. Seit dem ist der Hebel bei vielen Siebträgern wieder verschwunden, da der Druck über eine integrierte Pumpe aufgebaut wird.

Wurde der erste Espresso also 1855 in Frankreich, oder doch 1884 in Italien zubereitet? Kann sich Pavoni oder Gaggia, beides noch heute großen Namen in der Branche, die Erfindung des modernen Espresso auf die Fahnen schreiben? Darüber lässt sich sicher streiten. Aber man muss es ja nicht. Überhaupt sollte man den Tag des Espresso statt mit einer hitzigen Diskussion, lieber mit einer Tasse guten Espresso begehen.  

Unser Tipp


Schlagwörter: