Die Specialty Coffee Association hat den Begriff Spezialitätenkaffe neu definiert. Doch ist er damit wirklich klarer geworden?

Spezialitätenkaffee und Kaffeespezialitäten klingen zwar ähnlich, sind aber bekanntlich zwei völlig unterschiedliche Dinge. Der Latte Macchiato, Cappuccino oder Café au lait sind klassische Kaffeespezialitäten. Also Kaffeegetränke, die mit ganz speziellen Zutaten oder, wie etwa beim Cold Brew-Coffee, Brühmethoden zubereitet werden.

Die Definition des Wortes Spezialitätenkaffee ist dagegen schon schwieriger. Es handelt sich dabei weder um bestimmte Sorten noch um eine festgelegte Herkunft – zumindest nicht ausschließlich. Bisherige Definitionen beginnen mit Alles-und-Nichts-Aussagen wie „Spezialitätenkaffee ist etwas besonderes“ und enden bei vermeintlich präzisen Bewertungen, wie „Spezialitätenkaffee hat mindestens 80 von 100 Punkten auf der Geschmacksskala“. Nur wie misst man Geschmack, und welche Skala lässt sich dazu als Einteilung nutzen?

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Am Ende läuft es darauf hinaus, dass sich Spezialitätenkaffee in erster Linie durch eine hohe Qualität auszeichnet. Einer hohen Qualität, die sich durch den gesamten Lebenszyklus des Kaffees hindurchzuziehen sollte. Von der Sortenwahl, dem Anbaugebiet, der Aufzucht der Kaffeepflanze, über die Ernte und Aufbereitung, bis hin zum Röstvorgang.

Spezialitätenkaffee zeichnet sich durch hohe Qualität aus

Die Specialty Coffee Association (SCA) trägt den Begriff Spezialitätenkaffee bereits im Namen. Die internationale Organisation ist ein Zusammenschluss von zahlreichen Akteuren in der Kaffeebranche – von Kaffeefarmern, über Handelsunternehmen, Kaffeehausketten, Röstereien bis hin zu Baristi. Dort hat man gleich aus mehreren Gründen ein Interesse an einer gängigen, verständlichen und auch außerhalb der eigenen Reihen akzeptierten Definition.

Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt

Gleichzeitig hat man bei der SCA auch die notwendige Erfahrung, um zu einer praxisnahen Definition zu gelangen. Die neue, überarbeitete Definition basiert unteranderem auf wissenschaftlichen Studien von Togo M. Traore von der Auburn University in den USA, wie das Branchenportal Daily Coffee News berichtet, und Daten aus dem eigenen Cup of Excellence-Programm der SCA.

Auf Basis dieser Erfahrungen und Daten definiert die SCA Spezialitätenkaffee nun wie folgt:

„Spezialitätenkaffee ist ein Kaffee oder ein Kaffeeerlebnis, das für seine besonderen Eigenschaften anerkannt ist und aufgrund dieser Eigenschaften einen erheblichen zusätzlichen Wert auf dem Markt hat.“


(Im Original heißt es: „Specialty coffee is a coffee or coffee experience recognized for its distinctive attributes, and because of these attributes, has significant extra value in the marketplace.“)

Eine ausführlichere Definition findet sich im zugehörigen Whitepaper der SCA, das derzeit leider nur in Englisch vorliegt.


Die Frage ist allerdings, ob diese Definition wirklich dazu geeignet ist die vielen schwammigen Definitionen abzulösen.

Schon im ersten Halbsatz kann man schließlich erkennen, dass es auch den Experten der SCA darum ging eine möglichst breite Definition zu liefern. Neben Kaffee schließt die Definition auch das Kaffeeerlebnis mit ein, das durch Aromen und Geschmack ausgelöst wird. Und auch was sich hinter der Bezeichnung „besondere Eigenschaft“ verbirgt, wird nicht weiter geklärt, genauso wie die Frage, wie viel mehr ein Spezialitätenkaffee gegenüber normalem Kaffee wert sein sollte. Oder auch nur, in was für einer Maßeinheit sich dieser Wert überhaupt messen lassen soll.