Die Geschichte Ruandas hält dunkle Kapitel bereit, doch auch dank des Anbaus von Kaffee gehört das Land heute zu den stabilsten in Afrika.

Die Kaffeekultur Ruandas ist zwar über 100 Jahre alt, aber erst in den letzten 20 Jahren begann der Kaffeeanbau für die Wirtschaft des kleinen Binnenlandes eine wichtige Bedeutung zu erlangen. Heute hat Kaffee einen Anteil von rund 50% an den ruandischen Exportgütern, trägt damit also maßgeblich dazu bei, dass sich die Wirtschaft des kleinen Landes im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern positiv entwickelt.

Wer die Geschichte Ruandas kennt, weiß wie wichtig dort Stabilität für ein friedliches Zusammenleben der beiden Bevölkerungsgruppen Hutus und Tutsi ist. 1994 erschütterten der Völkermord und Bürgerkrieg mit seinen schrecklichen Bildern die ganze Welt. Bis zu einer Million Menschen sollen damals ums Leben gekommen sein, vor allem Angehörige der Tusti-Minderheit. Der anschließende und noch immer andauernde Versöhnungsprozess prägt seitdem das kleine, dicht bevölkerte Land.

Heute gilt ruandischer Kaffee als einer der Besten

Der erste Kaffee kam 1904 in die Region des heutigen Ruandas, das bis zum Ende des 1. Weltkriegs Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika war. Nach dem Krieg änderten sich die Kolonialherren in Belgier, in diese Jahre fallen auch die ersten Kaffeeexporte. Obwohl die Voraussetzungen für den Kaffeeanbau dort teils ideal sind, war Kaffee aus Ruanda lange eher von mittlerer Qualität. Erst mit dem Wiederaufbau des Landes setzte ein Wechsel ein, dem Anbau und vor allem der Qualität wurde mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das Bild von Kaffee aus Ruanda hat sich seit der Jahrtausendwende grundlegend geändert. Heute hauptsächlich nach Deutschland und Belgien exportiert, gilt er als ein besonders hervorragender Kaffee.

Seit dieser Veränderung dominiert in Ruanda die Arabica-Kaffeebohne, sie profitiert von einem tropischen Klima und mineralstoffreichen Vulkanböden. Kenner beschreiben ruandischen Kaffee als harmonisch mit ausgeprägtem Körper. Sein Geschmack wird auch oft als fruchtig beschrieben, mit Nuancen aus Beeren und Trauben.

Kartoffel-Defekt bedroht die Erfolgsgeschichte

Bedroht wird diese Erfolgsgeschichte allerdings von einem Bakterium, das durch den Kaffeebohrer-Schädling verbreitet wird. Kaffeebohnen, die davon befallen werden, beginnen einen an rohe Kartoffeln erinnernden Geruch anzunehmen und sind für die Weiterverarbeitung nicht mehr geeignet. Unter den für Kaffee bekannten Defekten, wird dieser deshalb als Kartoffel-Defekt bezeichnet. Das Bakterium ist rund um die großen Seen im Herzen Afrikas bereits häufig nachgewiesen, am stärksten wütet es jedoch in Ruanda. Problematisch ist dabei auch, dass die befallenen Bohnen mühsam von den Kaffeebauern aus der Ernte heraussortiert werden müssen. Dank der Tatsache das durch die hohen Qualitätsansprüche allerdings ohnehin auf Handarbeit bei der Ernte gesetzt wird, sind kaum Fälle von befallenen Kaffeebohnen bekannt, die in den Export gegangen wären.