Pour Over Coffee klingt nach Filterkaffee in trendigeren Worten, doch sind beide Zubereitungsmethoden wirklich identisch?

Trotz des Siegeszugs von Siebträgern und Kaffeevollautomaten in hiesigen Haushalten und Gastrobetrieben, Deutschland bleibt ein Land des Filterkaffees. Allerdings ging die Beliebtheit dieser Zubereitungsmethode in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. In den letzten Jahren sank sie erstmals unter 50%. Ein aus den USA nach Deutschland schwappender Trend könnte jetzt aber gegensteuern, der Pour Over Coffee.

Ist Pour Over Coffee mehr als Filterkaffee in anderen Worten?
Ist Pour Over Coffee mehr als Filterkaffee in anderen Worten?

Pour Over Coffee surft auf der Third Wave

So alt ist der Trend allerdings gar nicht. Bereits vor sieben oder acht Jahren, tauchte der Begriff „Pour Over Coffee“ erstmals in der New Yorker Kaffeeszene auf. Die Third Wave / Dritte Welle der Kaffeewelt hatte sich damals im kosmopolitischen Big Apple bereits voll entfaltet. Statt günstiger Massenware und reinem Koffeinlieferanten war Kaffee wieder zu einem Genusslebensmittel geworden, dessen Zubereitung in nicht wenigen Fällen geradezu zelebriert wurde.

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Der klassische Filterkaffee hatte in diesem Umfeld einen schweren Stand. Fast symbolhaft standen die Filterkaffeemaschinen für jene Zeiten, die man mit der Third Wave eigentlich zu überwinden versuchte. Der Ruf des Filterkaffees schien in den USA ruiniert.

Kaffeekenner und Barista wussten aber die Vorteile bei der Zubereitungsmethode mit Filtern für die Aromen- und Geschmacksentwicklung zu schätzen und begannen den Filterkaffee unter der Bezeichnung Pour Over Coffee auch in der Third Wave Bewegung zu etablieren.  

Pour over = Übergießen – Sind Filterkaffee und Pour Over Coffee nicht ein- und dasselbe? Ja und nein.

Filterkaffee ist nicht gleich Filterkaffee

Als sich Melitta Bentz 1908 die Filtertüte patentieren ließ, war Kaffee zuzubereiten noch pure Handarbeit. Heute gibt es schon für kleines Geld Kaffeemaschinen, bei denen man nur noch den eingelegten Kaffeefilter mit Kaffeepulver füllen muss. Im Anschluss sorgt die Maschine dafür, dass das heiße Wasser durch den Filter läuft und schließlich als Kaffee in der Kanne landet. Die maschinelle Zubereitung ist schnell und einfach, am Ende kommt dabei allerdings nicht immer der beste Kaffee heraus. Gerade bei den günstigen Modellen wird oft einfach nur heißes Wasser in den Kaffeefilter befördert, ohne Rücksicht auf Verluste sozusagen. Pour Over Coffee entsteht auf diese Weise allerdings nicht.

Pour Over Coffee wird sozusagen wie zu Anfangszeiten mit der Hand gebrüht. Dabei kann der Barista zum Beispiel auf den wichtigen, sogenannten „Blooming“-Effekt Rücksicht nehmen. Als „Aufblühen“ des Kaffees bezeichnet der Experte den Augenblick, in dem sich das Kaffeepulver mit dem heißen Wasser vollsaugt und dabei seine Aromen entwickelt. Je schneller das Wasser fließt, bzw. weiterfließt, desto weniger gut ist die Aromenentwicklung des Kaffees. Erfahrene Barista gießen das Kaffeepulver deshalb in einem ersten Schritt auf, und geben ihm dann je nach Intensität des verwendeten Kaffees 20 bis 30 Sekunden Zeit zum Aufquellen.

Welcher Kaffee eignet sich am besten für Pour Over Coffee?

Wirklich gute Kaffeemaschinen können diesen Effekt inzwischen simulieren, die Mehrheit der Barista schwört beim Pour Over Coffee allerdings auf anderes Gerät. Der klassische Handfilter zum Beispiel, aber auch die Chemex-Kaffeekanne erfreut sich großer Beliebtheit. Manche Hersteller haben bereits eigene Kannen auf den Markt gebracht, dich einen Filter mitliefern. Wer klassische Filter verwenden möchte, hat eine große Auswahl zur Verfügung. In der Szene sind gerade Filter des japanischen Herstellers Hario besonders beliebt, sie unterscheiden sich zu deutschen Standard-Filter durch die geschwungenen Rillen im Inneren des Filters und eine größere Fläche am Boden, gerade im Vergleich zu den zusammengefalteten Standardfiltern, die spitz zulaufen. Durch diese Besonderheiten bieten die Hario-Filter eine für die Aromenentwicklung bessere Kontaktmöglichkeit zwischen Kaffeemehl und Wasser.

Die Chemex-Kaffeekanne

Der Kaffee selbst sollte natürlich frisch gemahlen sein. Nicht zu fein, da die Extraktionszeit im Vergleich zu anderen Zubereitungsmethoden relativ lang ist, haben Wasser und Kaffee viel Zeit miteinander zu interagieren. Es empfiehlt sich also einen mittleren Mahlgrad an der Kaffeemühle einzustellen. Dunkle Röstungen eignen sich tendenziell weniger.

Tipp: Viele Kaffeeröstereien geben inzwischen Empfehlungen für die Verwendung ihrer Produkte ab.


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