Beim Stichwort „Peru“ fällt uns heute zuerst die alte Inka-Kultur ein, das Land in Südamerika kann allerdings auch auf eine alte Kaffee-Tradition zurückblicken.

Machu Picchu – Perus wohl größte Attraktion

Auch im Jahr 2019 gibt das alte Volk der Inka uns noch Rätsel auf. Selbst so bekannte Komplexe wie das hoch auf den Berggipfeln der Anden gelegene Machu Picchu, längst so von Touristen frequentiert, dass man die alten Gemäuer schon vor ihnen schützen muss, hat noch nicht einmal das Geheimnis seines eigentlichen Zwecks preisgeben. Die Historiker streiten, ob es sich dabei um einen letzten Rückzugsort der Inka handelt, einem zeremoniellen Tempelkomplex oder doch nur ein Wellness-Palast für Inka-Herrscher. Sollte letzteres der Fall sein, dürfte man dort wohl auch den ein oder anderen Becher Kakao getrunken haben. Die Frucht des gleichnamigen Baumes war dort schon lange vor Ankunft der spanischen Eroberer heimisch, und prägt auch heute noch den landwirtschaftlichen Anbau in Peru.

Doch der Eindruck, Kaffee würde deshalb die zweite Geige spielen, täuscht. Das mag vor allem daran liegen, dass Peru zwar auf eine lange Tradition beim Kaffeeanbau zurückblicken kann, lange aber nur für den Bedarf der Kolonialherren und der eigenen Bevölkerung produzierte.

TIPP: Die Inka auf dem Gipfel der Macht – Vor 600 Jahren beherrschten die Inka einen Staat, der Großes leistete. (National Geographic)

Landschaftlich lässt sich das Land schwer fassen. Die Anden dominieren mit ihren hohen, teils pittoresken Bergformationen einen guten Teil des Landes, doch Peru erstreckt sich auf über große Teile des südamerikanischen Regenwaldes. Mit dem Küstengebiet am Pazifik, westlich der Anden, kommt eine dritte Vegetationsebene dazu. Alle drei zusammen, sorgen für die überwältigende Artenvielfalt, die Peru in die Top 10-Liste der Megadiversity-Länder bringt. Einer Auflistung von Ländern mit großer Artenvielfalt in Flora und Fauna. Eine gigantische Vielfalt, die sich auch auf den Geschmack des Kaffees auswirkt, der sowohl im Norden, etwa in der Region Cajamarca, wie auch im Süden im Puno-Hochland angebaut wird.

Deutsche Kaffeetradition im Andenland

Es waren vor allem deutsche und italienische Siedler, die im Norden von Peru den Kaffeeanbau betrieben. Der Kaffee gedieh in abgelegenen und schwer erreichbaren Plantagen, wo sie zuerst hauptsächlich für den Bedarf im eigenen Land arbeiteten. Der Großteil des Exports ging ins Land der Kolonialherren. Die Anbaugebiete befinden sich in schwer zugänglichen Regionen des Landes, als Peru gezielt damit begann im größeren Stil Kaffee auch ins Ausland zu exportieren, musste erst einmal mit Straßen eine ausreichende Infrastruktur geschaffen werden. Trotz allem sind die Anbaugebiete selbst heute noch schwer erreichbar, weshalb peruanischer Kaffee in gewisser Weise zwangsläufig Bio wurde. Wegen der schlechten Erreichbarkeit wird viel von Hand gepflückt, weil große Pflückmaschinen die Gebiete einfach nicht erreichen. Auch die Versorgung mit konventionellen Düngemitteln kann nur sehr eingeschränkt gewährleistet werden, mit Blick auf die Kaffeebäume befallende Pilzerkrankung Kaffeerost nicht immer zur reinen Freude der Bauern.

Prägen das Leben außerhalb der Städte, die Nachfahren der Inka

Arabica dominiert den Anbau auch in Peru

Rund 95.000 Hektar groß ist der meist auf kleine Plantagen im Urwald verteilte Kaffeeanbau in Peru groß. Wie in den meisten Ländern, dominiert auch hier klar die Arabica-Bohne, vertreten durch ihre Unterarten Bourbon, Caturra und Typica. Neben den USA gehört Deutschland heute zu den großen Abnehmern peruanischen Kaffees. In ihm spiegelt sich auch die Vielfalt der peruanischen Natur wieder. Beliebt sind etwa helle Röstungen aus der südlichen Anbauregion Puno, die nicht nur durch einen angenehmen Säureanteil überzeugt, sondern durch die fruchtigen Noten von Orangen, die neben Papaya dort vielfach angebaut werden und über den Boden ihren Eingang in die Kaffeekirsche finden. Das Gros des Kaffees aus dem Andenland findet sich später allerdings in Blends wieder, gerade für Espressomischungen haben sich viele Kaffeeregionen des Landes unverzichtbar gemacht.

Bio verbessert die Situation der Kaffeebauern

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Ob als Bestandteil eines Blends, oder eine Röstung für sich allein, Kaffee aus Peru steht heute vor allem für Nachhaltigkeit und Fair Trade. Man hat sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. Die landschaftlichen Gegebenheiten haben einen industriellen Anbau von Kaffee weitestgehend unmöglich gemacht. Stattdessen ist der Kaffeeanbau in Peru von kleinen, oft nur wenige Hektar großen Kaffeeplantagen geprägt. Trotz der teils sehr hohen Qualität bedeutete das für den Kaffeebauern, dass er sich nicht selten vom Großhandel für ihn schlechte Preise diktieren lassen musste. Schließlich konnte dieser leicht auf eine kleine Kaffeeplantage verzichten, umgekehrt blieb der Kaffeebauer auf seiner Ernte sitzen. Das steigende Interesse an fair gehandeltem Kaffee in Europa und Amerika verbesserte seine Situation, indem nicht selten der Zwischenhändler ausgeschaltet wurde oder er zumindest von sich aus bereit war, höhere, d. h. faire Preise für den Rohkaffee zu bezahlen. Mitunter treibt der Kaffeeanbau in Peru allerdings dennoch bizarre Blüten. So machte 2016 etwa die Nachricht Schlagzeilen, an Nasenbären verfütterter Kaffee würde den umstrittenen Kopi Luwak-Kaffee aus Indonesien als teuersten Kaffee der Welt ablösen. Gar das englische Königshaus machte manch Journalist als Kunde für diesen Kaffee der etwas anderen Art aus.

Ob die Inka-Herrscher diesen Nasenbären-Kaffee auch getrunken hätten? Man weiß es nicht, hätte es damals aber schon Kaffee gegeben, er wäre sicher auch hoch in den Anden in Machu Picchu genossen worden.