Wer an Astronautennahrung denkt, hat bestimmt nichts besonders Appetitliches vor Augen. Und einen guten Espresso bekommt man auf der Raumstation auch nicht.

Feinschmecker dürfen auch die Astronauten von heute nicht sein. Nimmt man alle für sie verfügbaren Gerichte zusammen, kommt man auf keine 100. Viele davon vakuumverpackt oder zu kleinen Blöcken getrocknet. Da dürfte mancher dort oben fast froh sein, dass die Schwerelosigkeit das menschliche Hungergefühl unterdrückt. Einen vernünftigen Espresso bekommt man auf der Internationalen Raumstation natürlich auch nicht, aber wie könnte sich das änder?


Tipp: Webseite der NASA über Astronautennahrung


Mit dieser Frage haben sich wahrscheinlich bis jetzt weder die NASA noch ihr europäisches Gegenstück, die ESA, beschäftigt. Den Kaffeeliebhaber und Physikprofessor David Hoxley, von der La Trobe Universität im australischen Melbourne, treibt diese Frage allerdings schon länger um.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Veranstaltungsreihe in Melbourne, lud er vor kurzem zu einem Vortrag und anschließender Gesprächsrunde zum Thema ein. Außer Hoxley selbst, waren noch ein Statistikprofessor, Michael Pyne, und der Astrophysiker Peter Binks anwesend. Für den Sachverstand in Kaffeefragen sorgen Monika Fekete vom Coffee Science Lab und Espressobar-Besitzer Jesse Gollan.

Probleme beim Kaffee kochen in der Schwerelosigkeit

Schnell war sich die Runde einig, dass die Zubereitung eines frischen Espresso im Weltraum einige Schwierigkeiten überwinden muss. Es beginnt allein bei den Geräten, selbst wenn er modifiziert werden könnte, um im Weltraum zu funktionieren, wäre ein klassischer Siebträger viel zu schwer. Bei Raketenstarts zählt jedes Gramm. Sobald dieses Problem gelöst ist, stände man allerdings wieder vor anderen Problem. In der Schwerelosigkeit schwebt bekanntlich alles, also auch das frisch gemahlene Kaffeepulver. Den Trick anzuwenden, den heutige Astronauten verwenden, dürfte keine Lösung sein. Sie salzen ihr Essen mit Salzwasser und nutzten statt Pfefferpulver ein Öl. Beides hätte aber auf das Kaffeepulver unerwünschte geschmackliche Auswirkungen.

Und dennoch zeigte sich gerade Initiator Hoxley besonders zuversichtlich, dass die Hindernisse überwunden werden. Kaffee ist weit mehr als ein Getränk. Es sei, so der australische Wissenschaftler, fast ein religiöses Ritual, das einem einen Moment der Achtsamkeit geben würde.


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