Kaffeeblütenhonig ist für viele Kaffeefarmer längst zu einem Nebengeschäft geworden, auf das sie nicht mehr verzichten können.

Bevor die grünen Kaffeekirschen an den Sträuchern hängen, und lange bevor sich diese in den bunten Farben ihres jeweiligen Reifegrades verwandeln, beherrscht ein weißes Blütenmeer die Szenerie einer Kaffeefarm. In manchen Regionen Zentral- und Südamerikas bildet dieses prachtvolle Weiß traditionell die Szenerie für Familienfeste – vor allem geheiratet wird gerne in einem Meer von Kaffeeblüten.

Weißes Kaffeeblütenmeer als beliebte Hochzeitskulisse

Unabhängig menschlicher Hochzeiten ist diese Zeit auch die Hochzeit der Bienen. Scheinbar ziellos summen sie zwischen den Pflanzen herum, sammeln Nektar und werden währenddessen von einem geschickten Mechanismus der Blüte noch zusätzlich bestäubt. Teile dieses Blütenstaubs landet in der nächsten Blüte und befruchtet diese. Die oft erzählte Geschichte mit den Blümchen und Bienchen eben.

Biene im Anflug auf eine Kaffeeblüte
Eine Biene (o.r.) im Anflug auf einige Kaffeeblüten.

Jenseits solcher Anekdoten erfüllen die Bienen damit natürlich einen wichtigen Auftrag auf der Kaffeefarm. Erst sie sorgen dafür, dass die Kaffeekirsche wächst, in deren Inneren die Kaffeebohnen entstehen, die wir selbst so lieben. Sie sind derart wichtig, dass ihr mögliches Ausbleiben in der Zukunft schon jetzt manchen Sorgen bereitet. Zwar gibt es vereinzelt durchaus auch Insektenarten, die die gleiche Funktion erfüllen, aber ersetzen kann die Bienen auch auf den Kaffeefarmen keine andere Art.

Die Zukunft in manchen Kaffeeanbauregionen könnte deshalb bald so aussehen, wie in vielen Obstanbauregionen in China. Der Mensch muss mit Hilfe künstlicher Bestäubung nachhelfen.

Kleine Kaffeefarmen halten sich mit Kaffeeblütenhonig über Wasser

Für viele Kaffeefarmer würde dann allerdings nicht allein die kostenlose Bestäubung wegfallen, das Ausbleiben der Bienen – vor allem natürlich der domestizierten – wäre für nicht wenige auch der Verlust eines realen Zusatzeinkommens. Gerade in den Kaffeeanbauländern Zentralamerikas, vor allem in Guatemala, sind viele Kaffeefarmer zugleich Imker geworden. Statt nur Rohkaffee, verkaufen sie auch von Bienen aus Kaffeeblüten gewonnenen Honig. Besonders die Betreiber kleiner Kaffeefarmen sind inzwischen auf dieses Nebengeschäft angewiesen, da sie sich und ihre Familien vom reinen Verkauf des Kaffees nicht mehr ernähren können. Ein Aussterben der Bienen hätte für diese Familien weit mehr Konsequenzen als den zusätzlichen Aufwand alternativer Bestäubungsmethoden.

Immer mehr Kaffeefarmer werden zu Imkern als Zweitberuf.
Immer mehr Kaffeefarmer werden zu Imkern als Zweitberuf.

Kaffeeblütenhonig hat auch bei uns eine kleine Nische gefunden. Obwohl er so vielfältig ist, wie der Kaffee, der von den Bienen bestäubt wird, wird diese Honigspezialität vor allem ihrer Würzigkeit und wegen der großen Aromavielfalt geschätzt. Oft, aber nicht immer, zählt er zu den dunkleren Honigsorten und ist wegen seiner gut auf Brot oder Brötchen verteilbaren Konsistenz besonders als Aufstrich beliebt.

Manch einer kommt vielleicht sogar auf die Idee ihn zum Süßen von Kaffee zu nutzen. Davon raten wir aber eher ab, da der Honiggeschmack bei vielen Kaffeeröstungen schnell untergeht. Diese Honigspezialität hat ein komplett geschmackliches Eigenleben, das nicht einmal zwingend an Kaffee erinnern muss. Entstehen Honig und Kaffee auf ein und derselben Kaffeefarm, teilen sie oft dominante Aromen und Geschmäcker, bleiben aber doch Honig und Kaffee.

Verwechslungsgefahr: Kaffeeblütenhonig vs. Kaffeehonig

Anders ist es bei Kaffeehonig, der seit einiger Zeit auch immer öfter zu kaufen ist. Hierbei handelt es sich nicht um aus Kaffeeblüten gewonnenen Honig. Dem in Deutschland gesammelten Honig wird in einem Verfahren, das von den Herstellern noch immer wie ein Geheimnis gehütet wird, Kaffee zugesetzt. Meist mindestens in einem Honig-Kaffee-Verhältnis von 9 zu 1. Durch den Zusatz von Kaffee hat diese Honigvariante durchaus einen gewissen Kaffeegeschmack. Angesichts der geringen Menge dürfte sich dieser ebenso wie die von Koffein und anderen Wirkstoffen ausgelösten Effekte des Kaffeekonsums aber wohl eher in Grenzen halten. Im Zweifel empfehlen wir an dieser Stelle den echten Kaffeeblütenhonig aus Zentralamerika zu probieren. Eine für sich alleinstehende Spezialität, der man nicht nur am Frühstückstisch schnell verfallen kann.