Das UTZ-Siegel gehört zu den großen zwei Nachhaltigkeits-Zertifizierungen bei Lebensmitteln. Wir klären, was dahintersteckt.

Neben dem Fair Trade-Siegel gehört das UTZ-Siegel zu den bekanntesten Zertifizierung für Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln. Viele kennen es vor allem von Schokoladentafeln, weil es gerade beim Kakaoanbau weit verbreitet ist. Die drei Buchstaben begegnen einem aber auch immer öfter auf Kaffeepackungen, wo sie dem Kaffeeliebhaber ein nachhaltiges Produkt versprechen. Viel mehr Anhaltspunkte als das auf die Verpackung aufgedruckte Siegel hat der Konsument allerdings nicht, wir klären an dieser Stelle die wichtigsten Fragen.

Wer steht hinter dem UTZ-Siegel?

1997 gegründet befindet sich die niederländische UTZ Stiftung gerade in einem Fusionsprozess mit der Rainforest Alliance, einer bereits seit 1987 tätigen Zertifizierungsmöglichkeit für Nachhaltigkeit in den Sektoren Landwirtschaft, Handel und Forstwirtschaft.

Bei der Zertifizierung von Kaffee ist UTZ heute bereits weltweit führend. Bekannt ist das Siegel aber auch als Zertifizierung für Kakao-, Tee- oder Nussprodukte. Die Wurzeln gehen jedoch in die Kaffeebranche zurück. Ein niederländischer Kaffeeröster schuf erstmals in Zusammenarbeit mit guatemaltekischen Kaffeefarmern das damals noch als utz kapeh bezeichnete Siegel. Die Bezeichnung war der alten Maya-Sprache entnommen, und lässt sich mit „guter Kaffee“ übersetzen. Heute sind von den Anfängen nur noch das Wort für „gut“ übriggeblieben und zu einem Markenzeichen für Nachhaltigkeit geworden.

Kaffee aus Guatemala stand am Anfang von UTZ
Kaffee aus Guatemala stand am Anfang von UTZ

Wie finanziert sich die UTZ Stiftung?

Standen anfangs noch Unternehmen hinter dem Nachhaltigkeitslabel, ist es heute eine Stiftung. Auf diese Weise will man größtmögliche Unabhängigkeit von der Lebensmittelindustrie zeigen, um das Vertrauen in das UTZ-Siegel zu fördern. Neben Spenden finanziert sich die Stiftung durch Zertifizierungsgebühren und zusätzliche Gebühren, die an die tatsächlich verkauften Mengen des zertifizierten Produktes gekoppelt sind.

Um die Einhaltung der Bedingungen sicherzustellen ist eine Erstzertifizierung auf ein Jahr beschränkt. Aber auch nach einer weiteren Zertifizierung finden jährliche Kontrollen statt.

Welche Standards garantiert ein UTZ-Siegel?

Das Nachhaltigkeitskonzept von UTZ nimmt sowohl die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeefarmen, als auch Umweltschutz ins Visier. UTZ legt Wert auf möglichst geringen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, nur notwendigen Wasser- und Energieverbrauch, Maßnahmen gegen die Bodenerosion, ein Verbot von Waldrodungen, um Anbaufläche zu gewinnen und generelle Maßnahmen für den Artenschutz.

Kaffee aus aller Welt trägt heute ein UTZ-Siegel
Kaffee aus aller Welt trägt heute ein UTZ-Siegel

Auf UTZ-zertifizierten Kaffeefarmen darf keine Kinderarbeit stattfinden, die Arbeiter müssen regelmäßig geschult werden und für sie und ihre Familien soll eine grundlegende Gesundheitsvorsorge angeboten werden. Außerdem gelten die internationalen Arbeitsnormen der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation, einer UN-Organisation mit Sitz in Genf. Dazu zählt neben dem Verbot der Kinderarbeit, auch das Recht der Arbeiter über ihr Einkommen in Tarifverhandlungen mitzuentscheiden und grundlegende Maßnahmen für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.

Gibt es auch Kritik an der UTZ-Zertifizierung?

Vor einigen Jahren geriet die UTZ immer wieder ins Visier von Journalisten, die bei einzelnen zertifizierten Partnern etwa Kinderarbeit aufdeckten. Generell gilt ein UTZ-Siegel allerdings als zuverlässiger Nachweis einer nachhaltigen Produktionskette.

Kritiker bemängeln heute eher das Konzept von Nachhaltigkeitssiegeln wie UTZ oder Fair Trade generell. Da auch die Organisationen selbst betonen daran zu arbeiten den weltweiten Handel nachhaltiger zu gestalten, dies aber nicht bis ins letzte Detail garantieren zu können. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch oft die Ausrichtung der Zertifizierung auf mittelgroße bis große Organisationseinheiten. Ein einzelner Kaffeefarmer, der zum Beispiel nicht Mitglied einer Kooperative ist, bleibt eine Zertifizierung so oft versagt. Eine Alternative hierzu bietet der direkte Handel, bei dem die Kaffeeröstereien mit den Kaffeefarmern in einer direkten Verbindung stehen.