Es ranken sich viel Mythen um das Thema Kaffee. Einer davon lautet, der Espresso nach dem Essen würde die Verdauung fördern. Wir klären, was dran ist.

Die Kurzfassung: Wie wirkt der Espresso nach dem Essen?

  • Das Koffein verhindert, dass der Körper für die Verdauung herunterfährt und wir schlaff und müde werden.
  • Im Magen kurbeln Rezeptoren für Bitterstoffe die Produktion der Magensäure an, die Verdauung findet schneller statt.
  • Übrigens: Die Polyphenole des Kaffees bekämpfen Bakterien im Mundraum und Zahnbelag.

Die meisten von uns werden dieses Trägheitsgefühl kennen, das sich nach einem besonders ausgiebigen Essen einstellt. Das Essen war so gut, dass man gerne ein bisschen mehr zugeschlagen hat – wenn sich der Magen jetzt nur nicht so anfühlen würde, als sei er zum Zerreißen gespannt. Viele raten in dieser Situation zu einem Espresso, dass regt die Verdauung an. So sagt man zumindest, doch was hat die Wissenschaft zu diesem Thema zu sagen?

Wie wirkt der Espresso im menschlichen Körper?

Vielleicht kommen wir der Sache am besten auf die Spur, wenn wir uns fragen wie ein Espresso nach einem guten Essen im Körper wirkt.

Allgemein gilt Koffein als Hauptwirkstoffe im Kaffee, tatsächlich spielt es mit seiner anregenden Wirkung auch in diesem Fall eine große Rolle. Es regt den Stoffwechsel im Körper an und befeuert das zentrale Nervensystem. Wir merken das manchmal durch einen spürbaren Anstieg von Blutdruck und Puls. Damit vertreibt der Espresso die Müdigkeit, die nach dem Essen einsetzt. Denn Verdauung bedeutet für den Körper eigentlich, unnötigen Systeme herunterzufahren, und sich hauptsächlich auf das Verdauen zu konzentrieren. Das Koffein sorgt aber dafür, dass wir uns diesem Zustand weniger schlaff und müde fühlen.

Geschmacksrezeptoren befinden sich nicht nur im Mund

Seine volle Wirkung entwickelt der Espresso allerdings erst im Magen. 2017 veröffentlichten Forscher der Universität Wien und des Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in dieser Frage. Sie hatten festgestellt, dass nicht nur im Mund Geschmacksrezeptoren vorhanden sind, sondern auch der Magen über Rezeptoren für Bitterstoffe verfügt. Der eigentliche Zweck dieser Doppelung von Rezeptoren für Bitterstoffe kann Leben retten, denn sie sind eine Art Sicherung gegen giftige Nahrung, die oft eben besonders bitter schmeckt. Schlagen die Rezeptoren Alarm, kann der Körper noch versuchen entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Kaffee wiederum ist zwar alles andere als giftig, hat aber dennoch in den meisten Fällen einen zweifellos bitteren Geschmack.

Und die Bitterstoffe des Kaffees spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Magensäureproduktion.

Interessanterweise stellten die Forscher aus Wien und Potsdam fest, dass die Rezeptoren im Mund die Produktion der Magensäure eher bremsen, während das Anschlagen der Rezeptoren für Bitterstoffe des Magens, die Magensäureproduktion hochfährt. Und damit trägt sie maßgeblich zur schnelleren Verdauung bei. Die Forscher kamen der Sache auf die Spur, in dem sie den Versuchspersonen sogenannte Magenkapseln gaben, die im Mund keine Rezeptoren auslösten und erst mit Verzögerung ihren eigentlichen Geschmack offenbarten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sie sich bereits im Magen.

Polyphenole bekämpfen Mundbakterien

Übrigens: Der Espresso nach dem Essen hilft nicht nur bei der Verdauung, sondern bereits im Mund. Die im Kaffee enthaltenen Polyphenole, aromatische Verbindungen, die vorwiegend für unser Geschmacksempfinden zuständig sind, bekämpfen Bakterien im Mundraum und sollen auch gegen Zahnbelag helfen. Das tägliche Zähneputzen ersetzen sie dabei aber natürlich nicht.


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