An der indischen Malabarküste erzeugt man heute mit Aufwand, was früher ganz von selbst ging und als Defekt an der Kaffeebohne galt.

Vielleicht kann man darüber streiten, ob die Welt bereits das vielbesagte Dorf geworden ist, die Entfernungen sind auf jeden Fall heute weit schneller überwunden, als noch vor 100 Jahren. Das gilt auch für den Transport der Kaffeebohnen aus deren Anbaugebieten im sogenannten Kaffeegürtel um den Äquator herum zu den Röstereien in Europa und Amerika. Heute kreuzen riesige Containerschiffe über die Weltmeere, und legen die Strecken zwischen den Kontinenten in der Zeit zurück, von der die früheren Kapitäne wahrscheinlich nicht einmal gewagt haben zu träumen. Durch die Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1869 verkürzte sich zumindest der Seeweg zwischen Europa und Asien wesentlich. Der Schiffsverkehr ersparte sich die aufwändige Umrundung des gesamten afrikanischen Kontinents, was zudem das Passieren des Kaps der guten Hoffnungen einschloss, das seinen Namen allzu oft nicht umsonst trug. Bis der in Indien angebaute Kaffee aber auf den alten Segelschiffen nach Europa kam, dauerte es dennoch einige Wochen. Anders als heute war der Kaffee zudem noch den Kräften der Natur ausgeliefert, die Sonne brannte herunter und die Monsunwinde und der zugehörige Regen herrschten. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Beschaffenheit, und damit den Geschmack der Bohnen, die davon einen leichten Gelbstich bekamen.

Gilt als romantisch, war aber ein hartes Leben.

Als sich schließlich der moderne Schiffsverkehr durchgesetzt hat, war es damit vorbei. Die Kaffeebohnen konnten nicht nur wesentlich schneller nach Europa verschifft, sondern auch vor den Natureinflüssen regelrecht isoliert werden. Mit dem durch Sonne, Monsun und anderen Natureinflüssen geprägten Kaffee war es von da an vorbei. Zuerst sahen die Kaffeehändler darin auch einen Vorteil, denn der durch die alte Transportmethode entstandene Gelbstich der Bohnen stellte ja eigentlich einen Defekt dar, der Geschmack und damit den Preis minderte.

Doch die Kaffeetrinker hatten sich an den salzig-schokoladenen Geschmack gewöhnt. Und wo ein Markt ist, das ist auch ein Anbieter. An der Malabarküste im Süden von Indien, wird der Monsoon-Kaffee heute gezielt hergestellt. Die Kaffeekirschen werden wie gewohnt geerntet und getrocknet, danach aber den Kräften des Monsuns ausgeliefert.

Dieses Verfahren wird als Monsoong bezeichnet. Allerdings gibt es zwei sich voneinander unterscheidende Verfahren, die beide unter diesem Oberbegriff zusammengefasst werden.

In der ersten Variante werden die Kaffeebohnen dem Monsunregen ausgesetzt. Der warme und immer wiederkehrende Niederschlag wäscht die Bohnen mehrmals und beschleunigt damit den Alterungsprozess, dadurch entstehen sonst nicht mögliche Geschmacksnoten, die den Monsunkaffee bei Kaffeefeinschmeckern so beliebt machen.

Eine Kaffeeplantage in Indien.

Die zweite Variante kommt ohne den direkten Niederschlag aus und setzt auf die hohe Luftfeuchtigkeit. Auch diese lassen die Kaffeebohnen aufquellen und durch das schnellere Altern die besonderen Geschmacksnoten entstehen. Dazu werden sie in luftdurchlässige Säcke aus Naturmaterial verpackt und regelmäßig umgepackt, um den Befall durch Schimmelpilze zu verhindern. Zusätzlich sorgt das beständige Umfüllen dafür, dass die Bohnen in den Jutesäcken locker aufeinanderliegen. Denn wie auf den Segelschiffen von einst, umweht auch die Kaffeebohnen von heute der Monsunwind der indischen Küste. Auf diese Weise erhält der Monsun-Kaffee seine leicht salzige Note.

Dahinter steckt auch heute noch viel Handarbeit, etwa durch das Umfüllen der Säcke. Immerhin gut zehn Wochen dauert der ganze Prozess, ehe die so behandelten Kaffeebohnen noch einmal einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden, bevor man sie zum Transport freigibt. Das hat natürlich seinen Preis, durch Monsooning hergestellter Kaffee ist einer der teuren Kaffees auf dem Markt. Kaffeeliebhaber allerdings schwören auf den besonderen Geschmack, der neben Schokolade, salzig und allgemein recht würzig sein soll. So eignete er sich auch zur Röstung von Espresso besonders.


Mee Kaffee: Monsooned Malabar

Mee Kaffee “ Indien Monsooned Malabar“ Die Malabar Bohne stammt aus dem südwestlichen Indien und erhält durch das „Monssoning“ ihe charakterstarken und unvergleichlichen Noten. Der Monsooned-Kaffee hat einen etwas schwereren Körper, relativ wenig Säure und eine sehr interessante, leicht schokoladige und natürliche Note.

500g für 10,90 €


Hinweis: Dieser Artikel war bis zum 12. April 2019 exklusiv für die Mitglieder des Marese Clubs freigeschaltet.