Kubanische Zigarren haben Weltruhm. Der Kaffee von dort führt jedoch ein Schattendasein, schade eigentlich.

Kaffee, ein typisch kubanisches Produkt? Die meisten denken in unseren Breitengraden wohl nicht gerade zuerst an Kaffee, wenn es um Exportprodukte der vielleicht bekanntesten Karibikinsel geht. Kuba, das steht zuerst für Zigarren, für Rum, aber nicht für Kaffee? Dabei hat der Kaffeeanbau eine lange Tradition auf der Insel.

Am Anfang stand eine Revolution

Die ersten Kaffeepflanzen wurden bereits im 18. Jahrhundert eingeführt. Neben dem Hauptexportgut Zucker führte Kaffee jedoch in den ersten Jahren eher ein Nischendasein. Seinen Durchbruch verdankte der Anbau der Revolution, allerdings nicht der kubanische über ein Jahrhundert später, sondern jener im damaligen Saint Domingue.

Die heute als Haiti bekannte Insel war damals noch fest in der Hand französischer Kolonialherren, doch spätestens als sich im Mutterland Frankreich die Französische Revolution ihren Weg bahnte, wurde es auch in vielen Kolonien unruhig. Auf der Insel standen 600.000 schwarze Sklaven einer weißen Bevölkerung von 40.000 Franzosen gegenüber. Letztere dachten jedoch nicht daran ihre privilegierte Stellung aufzugeben. Als man 1792 im Mutterland nicht nur die Monarchie abschaffte, sondern auch die Sklaverei, wollten die Franzosen auf Saint Domingue dem Beispiel nicht folgen. Erst als die Revolutionäre aus Paris Truppen schickten, hob man auch auf der Insel – zumindest offiziell – die Sklaverei auf. Der Geist jedoch war zu diesem Zeitpunkt bereits aus der Flasche, im Sommer des vorangegangenen Jahres war im Norden der Insel ein Sklavenaufstand ausgebrochen, der heute allgemein als Beginn der haitianischen Revolution gilt. Diese fand erst 1804 ihr Ende, als aus der französischen Kolonie Saint Domingue das unabhängige Haiti wurde.

Die spanischen Festungsanlagen prägen Santiago de Cuba noch immer. Heute gilt die Hafenstadt aber als größter Exporthafen für kubanischen Kaffee.

In den Revolutionswirren verließen viele Plantagenbesitzer die Insel und siedelten nach Kuba über, das damals spanische Kolonie war. In Ihrer neuen Heimat trieben die Franzosen vor allem den Kaffeeanbau voran, der schließlich sogar dem traditionellen Zuckerrohranbau den Rang ablief. Dazu trug natürlich auch die Entdeckung der Zuckerrübe bei, die große Teile des Zuckerbedarfs Europas ohne Überseeimporte decken konnte.

Lesen Sie auch: Barista Guide – So bereiten Sie einen Café Cubano zu

Heute werden rund 30.000 Hektar zum Kaffeeanbau genutzt, womit es die Insel gerade so schafft unter den 40 größten Kaffeeanbauländern zu rangieren. Das wir in Deutschland relativ wenig über kubanischen Kaffee wissen, liegt wohl vor allem daran, dass über Dreiviertel der Ernte die Insel nie verlässt. Und aufgrund der amerikanischen Sanktionen gegen das Regime von Fidel Castro und seinen Nachfolgern war lange auch der Export eingeschränkt. Große Abnehmer kubanischen Kaffees sind heute vor allem Japan und Frankreich.

Aromatische Süße, kombiniert mit rauchiger Note

Dabei gilt der Kaffee durchaus als einer der besten weltweit. Die relativ niedrig gelegenen Anbaugebiete zeichnen sich durch einen nährstoffreichen Boden aus, der den Kaffeebohnen eine lange Reife und somit eine besonders aromatische Süße mitgibt. Kubanischer Kaffee besticht durch ein Minimum an Säure und einen rauchigen Körper. Spezialitäten wie der Turquino werden aufgrund ihres rauchigen Geschmacks naheliegender Weise auch oft mit Zigarren verglichen.

Für den Anbau von Hochlandkaffee bietet die Insel jedoch zu wenig hoch genug über den Meeresspiegel liegende Anbauflächen. Zwar dominieren trotzdem auch hier die Arabica-Kaffeebohnen, doch in den flacheren Regionen werden auch Robusta-Bohnen angepflanzt. Bekannt als Anbauregion ist vor allem das Sierra Maestra-Gebiet am südöstlichen Ende der Insel.


Schlagwörter: ,