Das Deutsche Museum in München widmet dem Kaffee eine Sonderausstellung. Es dürfte schwer sein, derzeit irgendwo sonst mehr über unsere Lieblingsbohne zu erfahren.

Bis Mai nächsten Jahres lockt die Anfang des Monats von Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, eröffnete Sonderausstellung „Kosmos Kaffee“ Kaffeefreunde, und solche, die es werden wollen, zu einem Besuch in die bayerische Landeshauptstadt. Heckl selbst bezeichnete Kaffee anlässlich der Ausstellungeröffnung in der Süddeutschen Zeitung als „Treibstoff, ohne den kein Tag beginnt“. Ob Kaffee vielleicht tatsächlich als realer Treibstoff dienen kann, dürfte allerdings eine der wenigen Fragen sein, die bei „Kosmos Kaffee“ nicht behandelt werden.

Kaffee & Kultur

Aktuell dürfte es schwer werden, eine ähnlich umfangreiche Ausstellung zu finden, die sich mit dieser Thematik beschäftigt. Natürlich kommen dabei auch die Freunde der Kaffeezubereitung auf ihre Kosten. Ein Glanzstück der Ausstellung die erste Bialetti aus dem Jahr 1933. Ihr Design dürfte so manch Espressoliebhaber schon auf Bildern betrachtet haben, in München lässt sie sich aus der Nähe bestaunen. Ebenso wie ein luxuriöser Siebträger aus dem Haus La Pavoni, Kaufpreis, immerhin 400.000 Euro. Da kann man schon mal neidisch werden. Das sind nur zwei Beispiele aus den langen Regalen, die allein den Espressomaschinen gewidmet ist. Und dennoch nur ein Bruchteil jenes Teils der Sonderausstellung, die sich dem Thema Kaffee und Lebensart widmet. Die Macher der Ausstellung haben diesbezüglich noch einiges mehr an Stücken zusammentragen können. Von der farbenfrohen, und heute vor allem nostalgische Gemüter ansprechenden Werbung vergangener Zeiten, bis zu greifbaren Stücken, die den Einfluss widerspiegeln, den Kaffee auf die Kultur einzelner Gesellschaften ausgeübt hat und noch immer ausübt.

Kaffee & Landwirtschaft

Allerdings würde eine Ausstellung zum Thema Kaffee ihr Ziel sicher verfehlen, würde sie nicht auch am Ausgangspunkt ansetzen: Dem Anbau. Auch wenn der Kaffeeanbau aufgrund klimatischer Bedingungen auf ein relativ schmales Band um den Äquator, den sogenannten Kaffeegürtel, begrenzt ist, kann man getrost behaupten, Kaffee wird weltweit angebaut. Nicht immer unter den besten Bedingungen allerdings, gerade für so manchen Kaffeebauern. Die Ausstellung will an dieser Stelle aufklären, auch darüber, dass günstiger Kaffee seinen Preis hat. So klärt Ausstellungskuratorin Sara Marquart darüber auf, dass der durchschnittliche Verdienst pro Kilo Kaffee bei lediglich 80 Cent liegt, der Kaffeebauer allerdings mindestens 1,40 Euro bräuchte, um seine Farm nicht nur am Laufen zu halten, sondern auch in modernere Anbau- und Erntemethoden zu investieren. So führt der an den Kaffeebauern weitergegebene niedrige Preis nicht nur dazu, dass auf den Plantagen Frau und Kind als Arbeiter quasi Grundvoraussetzung sind, sondern sorgt auch dafür, dass der Kaffeeanbau in seiner gesamten Entwicklung stehen bleibt. Der kurzfristige, aber nicht zu unterschätzende Gewinn wird in der Mitte der Kette eingesackt.

Kaffee & Wissenschaft

Der Kaffeebaum selbst steht natürlich ebenso im Focus, wie die Kaffeekirsche und der Kern der Sache, die Kaffeebohne. Warum wirkt Koffein? Welche Geschmackserlebnisse kann Kaffee erzeugen? Letzteres ist anschaulich an einem interaktiven Ausstellungsstück in Form einer Zunge zu erkunden, die fast halb so groß ist wie ein Mensch.

Und was darf am Ende auf keinen Fall fehlen? Richtig, ein Espresso. Auch daran haben die Ausstellungsmacher gedacht, im sogenannten Science Café kann der Besucher sein Wissen sozusagen gleich in die Tat umsetzen. Nicht nur bei einem Espresso, das Caféteam hat insgesamt über 40 Kaffeespezialitäten im Angebot.


Die Ausstellung „Kosmos Kaffee“ läuft noch bis zum 31. Mai 2020 im Deutschen Museum, München.
Weitere Informationen unter www.deutsches-museum.de/ausstellungen/sonderausstellungen/kosmos-kaffee/
Zur Ausstellung ist auch ein umfangreicher Katalog erschienen.




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