Noch vor wenigen Jahren verband die Welt mit Kolumbien oft nur den Kokainanbau und einen bereits seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg. Heute ist das Land stabil, dass kommt auch dem Kaffeeanbau zugute.

Der Kaffeeanbau spielt schon in Zeiten eine große Rolle, als das Land noch spanische Kolonie. In den letzten Jahrzehnten stand Kolumbien allerdings weniger für Kaffee, Schlagzeilen machte das Land mit wenig positiven Nachrichten. Nicht nur in der Region um Medellín dominierte der Kokainanbau, statt Kaffeeplantagen. Über Jahrzehnte hinweg sorgten zudem linke Rebellengruppen für bürgerkriegsähnliche Zustände, nicht selten ebenfalls durch den Kokainanbau mitfinanziert. In den letzten Jahren bekam Kolumbien diese Probleme mehr und mehr wieder in den Griff, und seit vor wenigen Jahren der Friedensprozess mit der größten linken Rebellengruppe FARC in Gang kam, gilt das Land sogar als eines der stabilsten und sichersten in Südamerika. Gleichzeitig wuchs nun auch der Kaffeeanbau wieder. Zeitweise war die Produktion zurückgegangen, in den letzten Jahren konnte Kolumbien hinter Brasilien und Vietnam aber wieder den dritten Rang unter den Kaffeeanbauländern einnehmen.

Kolumbiens Kaffeegeschichte begann bereits 1725

Der Aufstieg Kolumbiens zu einem wichtigen Kaffeeproduzenten begann im 19. Jahrhundert, heute leben rund 2 Millionen Menschen direkt oder indirekt vom Kaffeeanbau. Zu verdanken haben sie das der Legende nach einem Jesuiten. Dieser reiste 1725 über die Französischen Antillen in das damalige spanische Vizekönigreich. Frankreich hatte zu jener Zeit den Kaffeeanbau in seinen karibischen Kolonien und dem heute noch zu Frankreich gehörenden Französisch Guyana stark gefördert, und damit nicht nur, wenn auch eher unfreiwillig, den Kaffee in vielen anderen Regionen Südamerikas heimisch werden lassen. Einer anderen Legende nach, kam etwa der erste Kaffee nach Brasilien, weil die Frau des Gouverneurs von Französisch Guyana dem Charme eines Unteroffiziers nicht widerstehen konnte.

Das Hochland ist nur ein Teil der vielfältigen Landschaften von Kolumbien.

Doch zurück nach Kolumbien … Das Land, das sich von der Karibik bis an die Ausläufer der Anden erstreckt, ist in seiner Gesamtheit in den sogenannten Kaffeegürtel eingebettet. Worunter jener Bereich verstanden wird, der sich knapp nördlich und südlich des Äquators für den weltweiten Anbau von Kaffee eignet. Durch seine vielfältige Landschaft, hat Kolumbien allerdings mehr als nur eine Kaffeeregion zu bieten. Durch die dort herrschenden unterschiedlichen Boden- und Klimabedingungen, entsteht auf diese Weise eine Vielzahl unterschiedlicher Kaffees. Das macht die große Vielfalt des kolumbianischen Kaffees aus, auch wenn praktisch nur die Sorte Arabica angebaut wird. Der meiste Kaffee wird im sogenannten Kaffeedreieck der Regionen Quindio, Caldas und Risaralda angebaut. Vor allem dort ist der Anbau inzwischen in der Hand großer, moderner Plantagen. Mit gut einem Drittel an kleine, meist von Familien betriebenen Kaffeefarmen, ist deren Anteil im Vergleich zu den benachbarten mittelamerikanischen Ländern dagegen relativ gering.

Kooperativen prägen die Struktur unter den Kaffeefarmen

Trotz dieses geringen Anteils an kleinen Kaffeefarmen, sind traditionell Kooperativen im kolumbianischen Kaffeeanbau stark vertreten. Das hat das Land gerade für den Fair Trade Weltmarkt interessant gemacht. Die guten Strukturen ermöglichen eine reibungslose Zusammenarbeit und auch Kontrolle der Fair Trade-Bedingungen. Die Organisation sorgt dafür, dass es in weiten Teilen des Landes den Kaffeebauern im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen südamerikanischen Ländern vergleichsweise gut geht.

Ein Kolumbien ohne Kaffee wäre für viele nicht denkbar.

Es verwundert wenig, dass die Kolumbianer selbst begeisterte Kaffeetrinker sind. Jede fünfte aus kolumbianischen Kaffeebohnen gebraute Tasse Kaffee wird im Land selbst getrunken. Die Exporte gehen vor allem nach Europa, aber auch die Japaner wissen Kaffee aus Kolumbien besonders zu schätzen. Der Reiz dürfte in der Vielfalt der Geschmäcker liegen, die unterschiedliche Kaffees aus dem Land aufzubieten haben. Gemein haben sie eine angenehme Fülle im Geschmack und eine ausgewogene Mischung von Säure und Süße. In dieser Hinsicht verweisen die meisten Kaffeekenner auf die Region Medellín als Herkunft von Kaffeebohnen, bei denen das Süße-Säure-Verhältnis besonders ausgewogen ist. Darüber hinaus finden sich in Kolumbien Kaffees mit einer zart bis kräftigen Blumennote, bis hin zur Frucht. Fündig werden aber auch Kaffeeliebhaber, die ein leicht nussiges Aroma bevorzugen, oder einen Hauch von Schokolade. Noch eine Prise mehr an Abwechslungen bieten die kleineren Anbaugebiete, die nicht direkt im zentral gelegenen Kaffeedreieck liegen. Aber egal ob im zentralen Hochland, oder mehr an den Küsten zu Pazifik und Karibik gelegen, kolumbianischer Kaffee ist bekannt dafür einen qualitativ hohen Standard einzuhalten.


Kolumbien

Sprache: Spanisch
Hauptstadt: Bogotá
Fläche: 1.138.910 km²
Einwohner: rund 48 Millionen
Jährlicher Kaffee-Export: rund 13 Millionen Säcke à 60 kg


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