In unserer Reise durch die Kaffeeregionen der Welt, machen wir diesmal in Kenia halt. Der Kaffee dort zeichnet sich durch ein besonders kräftiges Aroma aus.

Im Norden grenzt Kenia heute an Äthiopien, bekanntlich das eigentliche Ursprungsland des Kaffees. Eigentlich, so sollte man meinen, müsste Kenia also auf eine lange Tradition beim Kaffeeanbau zurückblicken können. Die ersten Kaffeesetzlinge fanden allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Weg vom Nachbarland in den Süden, jedoch ohne sich groß durchzusetzen. Etablieren konnte sich der Kaffeeanbau erst um das Jahr 1900, also knapp 100 Jahre später. Schottische Missionare führten eine Arabica-Kaffeepflanze ein und legten damit den eigentlichen Grundstein für die kenianische Kaffeeproduktion.

Früher in der Hand der Kolonialherren, sind es heute zwischen 50 und 70%, die Zahlen schwanken je nach Quelle stark, Kleinbauern, die auf ihrem oft nur ein paar Hektar großem Land den Kaffee anbauen. Der Rest wird auf großen Plantagen angepflanzt.

Einst auch bei Touristen weltweit beliebt

Das ostafrikanische Land galt lange Zeit als besonders stabil und verhältnismäßig ruhig. Nach Abzug der britischen Kolonialherren etablierte sich in Kenia unter anderem eine Tourismusindustrie, die durch die vielfältige Landschaften, wunderschonen Strände, Naturschutzgebiete und wilden Tiere zu einem der wichtigsten Einnahmefaktoren wurde. Seit einigen Jahren wird allerdings auch Kenia immer wieder vom Terrorismus gebeutelt. Betroffen davon ist vor allem das nordwestliche Grenzgebiet zu Somalia, eine Region, vor deren Betreten auch das Auswärtige Amt eindeutig abrät. Allerdings kommt es auch in der Hauptstadt Nairobi immer wieder zu Anschlägen. Etwa im Jahr 2018, als somalische Terroristen ein Kaufhaus stürmten und rund 70 Menschen ermordeten.

Slideshow: Kenia und seine Tierwelt

Es sind aber vor allem die kenianischen Nationalparks, die trotzdem noch immer Besucher ins Land holen. In den weiten Savannenlandschaften locken die „Big Five“ der afrikanischen Tierwelt Touristen zu einer Safari. Elefanten und Löwen sind noch anziehend genug, und sind vor allem in den ruhigeren Regionen des Landes zu finden, um weiter Touristen ins Land zu bringen. Die weiten Strände, für deren Schönheit Kenia einst bekannt war, lassen sich heute jedoch meist von leeren Hotels aus begutachten. Wen wundert es, durch die Nachbarschaft Somalias ist dieser Teil des Indischen Ozeans wegen Piraterie zu trauriger Berühmtheit gekommen.

Roter Boden sorgt für aromatischen Kaffeegenuss

Kaffee jedoch erfordert keine flachen Strände, sondern stellt an Meereshöhe und Bodenbeschaffenheit ganz andere Ansprüche. Wer die Kaffeefarmen des Landes erkunden will, bricht am besten vom südlich gelegenen Nairobi aus ins Landesinnere auf.

Ein eher seltener Anblick, eine Kenianerin genießt eine Tasse Kaffeee.

Das Hauptanbaugebiet für Kaffee liegt zentral im Land, und gruppiert sich um das Mount-Kenia-Massiv und den die Bergkette umgebenden Naturschutzgebiet. Der Boden im zentralkenianischen Hochland gilt als vergleichsweise sauer. Er zeichnet sich durch einen hohen Eisengehalt aus, die charakteristische rote Tonerde lässt es den Besucher bereits vermuten. Auf einer Anbauhöhe zwischen 1.500 und 2.000 Metern liefert das Klima jedoch ideale Bedingungen, was Regen- und Sonnenhäufigkeit angeht. Dabei entsteht ein Kaffee mit einem intensiven Aroma, fruchtiger Säure und fruchtig-würziger Note.

Die Arabica-Kaffeepflanze dominiert den Kaffeeanbau in Kenia unangefochten, darunter auch immer noch die Arabica Bourbon, die einst von den schottischen Missionaren eingeführt wurde. Doch auch wenn Kenia sich mit seinen jährlich rund 850.000 Säcke à 60 kg auf der Weltkarte der kaffeeproduzierenden Ländern etabliert hat, eine eigene Kultur sucht man in dem Land mehr oder weniger vergebens. Ihr Kaffee gilt inzwischen als einer der besten der Welt, doch die Kenianer pflanzen praktisch nur für den Export an. Selbst Touristen berichten, dass man in den Hotels oft ausländischen Kaffee zum Frühstück bekommt und echter kenianischer Kaffee oft nur an Flughäfen zu bekommen ist. Die Kenianer selbst haben auch nach der Unabhängigkeit 1963 an ihrer Vorliebe für Tee festgehalten. An der Küste wird der Tee oft nach indischer Art mit Kardamom oder Zimt serviert.

Auktionssystem als Garantie für hohe Qualität

Noch bis 2006 war es für Kaffeeröstereien in Europa oder Amerika jedoch schwer direkt mit den oft in Kooperativen organisierten Kaffeebauern vor Ort zu verhandeln. Erst zu diesem Zeitpunkt war es für die Kaffeebauern nicht mehr verpflichtend, ihre Ernte über eine staatlich organisierte Auktion zu verkaufen. Dieses System hatten 1934 bereits die Briten eingeführt, um die Qualität des Kaffees sicherzustellen. Die wöchentlichen Auktionen finden heute an der Kaffeebörse in der Hauptstadt Nairobi statt. Das System soll neben der Qualität für den Export auch Sicherheit und Transparenz für die Kaffeebauern selbst sicherstellen, in dem es eine Qualitäts- und Preishierarchie übereinbringt.


PS: Für einen noch tieferen Einblick in den kenianischen Kaffee und dessen Qualitätsstufen empfehlen wir dieses Video von „Sweet Maria’s Home Coffee Roast“:


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