Noch in den 1980er gehörte Kamerun zu den 10 größten Kaffeeexporteuren. Jetzt will das afrikanische Land an diese einstige Bedeutung anknüpfen.

Gleich drei unterschiedliche Klimazonen prägen das rund 475.000 qm große, an der westafrikanischen Küste gelegene Kamerun. Während im Norden des Landes ein eher trockenes Klima herrscht, herrschen im Süden für die Äquatorregion typische Bedingungen. Dementsprechend konzentriert sich der Kaffeeanbau in dem Land auf den französischsprachigen Süden.

Im Norden von Kamerun herrscht eher Trockenheit.
Im Norden von Kamerun herrscht Trockenheit, Kaffee gedeiht dort nicht.

Der Großteil des Landes ist von Regenwäldern bedeckt, in denen ein tropisches Klima herrscht. Zahlreiche flache Plateaus kommen dem Anbau von Kaffee dabei ebenso entgegen, wie die mineralienreichen Böden in den Vulkangebieten des Landes.

Kamerun als Spielball der Kolonialmächte

Wenn auch vergleichsweise stabil, ist Kamerun heute noch immer von Problemen seiner kolonialen Vergangenheit geprägt. Ein Großteil des heutigen Landes wurde 1884 vom damaligen Deutschen Reich kolonialisiert, im Laufe der Zeit kamen weitere Gebiete im Norden dazu, die das damals sogenannte Schutzgebiet Kamerun bildeten. Nach dem 1. Weltkrieg ging das Gebiet zur Verwaltung an den neu gegründeten Völkerbund, der es seinerseits aber als Mandatsgebiete an Briten und Franzosen gab. Die Franzosen entließen die heutige Republik Kamerun 1960 in die Unabhängigkeit, der von den Briten verwaltete Teil folgte erst einige Jahre später. Große Teile des britischen Mandats wurden allerdings an den jungen Staat Nigeria angegliedert, nur südliche Gebiete kamen zu Kamerun. Gerade die Zentralisierung des Landes unter der Herrschaft einer französischsprachigen Elite führt bis heute immer wieder zu Spannungen zwischen dem englischsprachigen Norden des Landes und der französischsprachigen Mehrheit.

Deutsche bauten ersten Kaffee in Kamerun an

Die ersten Spuren von Kaffee lassen sich bis ins Jahr 1913 zurückverfolgen, als ein deutscher Offizier mit dem Anbau begann. Wirklich in Fahrt kam der Kaffeeanbau allerdings erst einige Zeit später, als man die aus Jamaika stammende Arabica-Sorte Blue Mountain ins Land einführte. Diese besonders hochwertige Arabica-Sorte gilt noch heute als Urmutter für einen bei Experten durchaus geschätzten Arabica-Kaffee aus dem westafrikanischen Land.

Vor allem die Regionen Bamileke und Bamoun im Westen Kameruns sind für den Anbau der Nachfahren Blue Mountain bekannt. Die Bohnen sind bei Kaffeeliebhabern wegen ihrer Milde und Süße beliebt, die nach Ansicht vieler mehr als nur mit de in Zentral- und Südamerika angebauten Varianten mithalten können. Maßgeblichen Einfluss darauf haben hier nicht nur die Anbauhöhe zwischen 1.200 und 2.200 Metern, sondern auch die reichen Tropenwaldböden, in denen die Kaffeefarmer ihre Pflanzen anbauen. Gemeinsam mit den von Vulkanen vor Jahrhunderten schon an die Erdoberfläche gebrachten Mineralien, ergibt sich so ein einzigartiger Kaffee.

Hochwertiger Arabica, beliebte Robusta-Kaffeebohnen

Neben Arabica kann Kamerun allerdings auch auf große Anbaufläche für Robusta-Kaffee verweisen. Gerade für Kaffeemischungen sind kamerunische Robusta-Bohnen ihrer Qualität wegen weltweit beliebt. Durch ihren ausgeprägten nussigen Charakter bringen sie dort eine eigenständige Note ein, statt nur – wie bei Robusta leider allzu oft der Fall – nur Füllmaterial zu sein.

Gerade in den Waldgebieten gedeiht hervorragender Arabica-Kaffee.
Gerade in den Waldgebieten gedeiht hervorragender Arabica-Kaffee.

Trotz der Beliebtheit schwankt der Anbau von kamerunischen Robustakaffee seit Jahren von Ernte zu Ernte spürbar. Und Marktbeobachter lesen inzwischen einen eindeutigen Trend zum Arabicaanbau ab.

Das Gros der rund 270.000 á 60 kg-Säcke großen Jahresernte geht nach Frankreich, Deutschland und Belgien. Aber auch in Japan und den USA sind die Bohnen beliebt.

Nur 5% des Kaffees verbleibt im Land

Noch in den 1980ern fand sich Kamerun in der Top 10 der Kaffee exportierenden Ländern, verlor aber seit dem von Jahr zu Jahr Marktanteile. Die CICC, die kamerunische Kaffee- und Kakaobehörde, steuerte allerdings in den letzten Jahren immer mehr gegen, und auch wenn das Land von alter Größe noch weit entfernt ist, gewinnt der Kaffeeanbau dort wieder an Boden. Neben dem reinen Export von Kaffee versucht man auch seit einiger Zeit mehr Teile der Wertschöpfungskette im Land zu halten. Nur 5% des angebauten Kaffee werden in Kamerun selbst verarbeitet, mit 95% landet der Großteil als Rohkaffee im Export. Zwar spielen Fair Trade und Direct Trade auch in Kamerun eine wachsende Rolle, Seitens des Staates ist man aber bemüht auch das Rösten des Kaffees bereits im Land zu fördern. So sollen ähnlich wie durch Fair oder Direct Trade vor allem die Kaffeefarmer vor Ort noch mehr von ihrem Produkt profitieren.


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