+ + + Die altehrwürdige New York Times sagt für 2022 den Aufstieg von Robusta voraus, das Fachblog Sprudge widerspricht. + + +

Den Blick in die Glaskugel haben auch wir dieses Jahr wieder gewagt, und waren damit beim Thema Kaffee nicht allein. Das Internetmagazin Sprudge nimmt sich einen Artikel der New York Times vor, in dem neben anderen Lebensmitteltrends für das begonnen Jahr auch über die Rolle von Robusta spekuliert wird. Der Kolumnist der New York Times sieht 2022 als das Jahr, in dem der Robustakaffee die Dominanz von Arabica brechen könnte. Eine steile These, immerhin wird aktuell noch drei Mal so viel Arabica angepflanzt wie Robusta.

Vietnam weltweit größter Exporteur von Robusta

Beide Artikel legen ihren Focus auf die US-Kaffeekultur, in der vietnamesische Einflüsse weit präsenter sind als in Europa. Vietnam ist in den letzten Jahren zum weltweit zweitgrößten Exporteur von Kaffee herangewachsen. Sieht man nur auf den Robustaanbau ist das Land sogar weltweit die Nummer 1. Entsprechend weit verbreitet ist Robusta in der heimischen, so ganz eigenen Kaffeekultur Vietnams.

Mit dem sogenannten Phin-Filter hat diese südostasiatische Kaffeekultur sogar ihren eigenen Kaffeefilter, mit dem vor allem die beiden Kaffeespezialitäten Ca Phê Sua Nóng bzw. Cà Phê Sua Dá zubereitet werden. Sie ähneln unserem Milch- bzw. Eiskaffee, sind aber eigentlich komplett eigene Kaffeekreationen. Sie werden mit einer süßen, dicken Kondensmilch zubereitet. Anders als bei uns, wird hier jedoch zuerst die Kondensmilch in die Tasse bzw. das Glas gegeben. Erst danach wird der Phin-Filter mit Kaffeepulver gefüllt und in kleinen Schritten das heißem Wasser durch den Filter gegossen. Vor allem im Norden des Landes kommt noch der Cà Phê Thung hinzu, bei dem die Kondensmilch durch Ei ersetzt wird. Unter Kaffee liebenden Globetrottern gilt Vietnam schon seit einigen Jahren als Geheimtipp. Und inzwischen wird auch die ein oder Kaffeespezialität aus Vietnam bereits weltweit serviert.

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Das Kaffee und Vietnam in den Ohren manch älterer Ostdeutscher keinen besonders guten Klang hat, ist der Zeit in der DDR und Vietnam noch sozialistische Bruderstaaten waren. Damals bezog Ost-Berlin vor allem vietnamesischen Robusta, um den Kaffeedurst der eigenen Bevölkerung zu befriedigen. Besonders beliebt war der Kaffee allerdings nie, man trank ihn wohl nur deshalb, weil es nichts anderes gab.

Kaffee mit Kondensmilch in Vietnam
Kaffee ohne Kondensmilch ist in Vietnam fast undenkbar

Die Zeiten sind längst vorbei, und auch im Kaffeeanbau hat sich in Vietnam einiges getan. Noch immer setzt das Land überwiegend auf Robusta im Anbau, hat aber in vielen Fällen die Qualität der Bohnen immer weiter verbessert. Und damit sind die vietnamesischen Kaffeebauern nicht alleine, weltweit wird an der Verbesserung an Robustapflanzen gearbeitet. Ob dieser anhaltende Trend die Dominanz von Arabica allerdings brechen kann, dürfte eher fraglich sein.

Preissteigerungen betrifft nicht nur Arabicakaffee

Ähnliches gilt für die von der New York Times angeführten Preissteigerungen bei Arabicakaffee, die in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht haben. Und einige Experten sehen den Preisanstieg auch noch nicht am Ende angekommen. Schon das Internetmagazin Sprudge weist daraufhin, dass die Preissteigerung ja ebenso für Robusta gelte.

Mit Kreuzungen gegen den Klimawandel

Neben dem allgemeinen Trend Robusta zu optimieren könnte der Bohne aber tatsächlich auch der Klimawandel in die Hände spielen. Schon heute macht die Coffea canephora ihrem landläufigen Namen durch ihre Robustheit alle Ehren. Sie wächst auch dort, wo Wetter- und Bodenbedingungen einen Anbau von Arabica verhindern. Mit dem klimawandelbedingten Rückzug der Arabicapflanze, könnte die Robusta weltweit in viele Anbaugebiete vorstoßen. Weltweit arbeiten die Experten inzwischen außerdem an Kreuzungen von Robusta und Arabica. Das ausgegebene Ziel lautet Kaffeepflanzen zu kreieren, die zwar die Robustheit von Robusta aufweisen, aber weiter die Geschmacksvielfalt von Arabicakaffee.


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