Nachdem Kaffee lange Zeit als ungesund verschrien war, angeblich sogar den Körper dehydrieren sollte, werden heute immer mehr gesundheitsfördernde Aspekte bekannt.

Bei leichten Kopfschmerzen schwören viele auf eine Tasse Kaffee, statt gleich zur Tablette zu greifen. Das sie damit gar nicht so falsch liegen, zeigt auch die Tatsache, dass in vielen Kopfschmerzmitteln Koffein enthalten ist. Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass Kaffee noch in ganz anderen Fällen helfen oder Erkrankungen vorbeugen kann. Oft, aber nicht immer, spielt der Wirkstoff Koffein dabei die Hauptrolle.

Künftig kann wohl auch eine bessere Erholungsphase nach einer Darmoperation auf die Liste gesundheitsfördernden Auswirkungen von Kaffee gesetzt werden. Das legt zumindest eine Studie nahe, die am Kantonsspital Baden in der Schweiz durchgeführt wurde.

Das Ärzteteam um den Leiter der Chirurgie, Antonio Nocito, und seiner Kollegin Oberärztin Simone Hasler-Gehrer, untersuchte den frühen Heilungsprozess von 115 Patienten nach einer Darmoperation. Im Rahmen der Studie wurden die Patienten nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam nach der Darmoperation entweder Wasser, Tee oder Kaffee zum Trinken.

Kaffeetrinker konnten Krankenhaus 24 Stunden früher verlassen

Die gesammelten Ergebnisse sprechen durchaus für den Kaffeegenuss. Immerhin 7% der Patienten konnten bereits innerhalb der ersten 24 Stunden wieder ihren ersten Stuhlgang melden. Im Vergleich dazu traf das nur auf 1,7 % der Teetrinker und keinen der Wassertrinker zu. Außerdem konnten die Kaffeetrinker im Schnitt das Krankenhaus einen Tag früher verlassen, als ihre Leidensgenossen.

Die Zuverlässigkeit solcher Studien hängt natürlich entscheidend von ihrer fachlich-wissenschaftlichen Durchführung ab. Ein Faktor dabei ist, inwieweit Untersuchte und Untersuchende wissen, welche Studienteilnehmer sich in welchen Gruppen befindet. Von einer Blindstudie wird etwa dann gesprochen, wenn bei einem Medikamententest zwei Gruppen existieren, deren Teilnehmer aber nicht wissen, ob sie ein Placebo oder das untersuchte Medikament nehmen. Von einer Doppelblindstudie spricht man, wenn auch die Forscher nicht wissen, welche Gruppe ein Placebo bekommt und welche das Medikament. Auf diese Weise will man nicht nur bewusste und unterbewusste Manipulationen der Studienteilnehmer verhindern, sondern auch der Studienleiter.

Warum wirkt Koffein anders als Tein?

Der Darm gilt auch als das zweite Gehirn des Menschen.

Am Kantonsspital Baden nahm man die Bedingungen allerdings etwas lockerer, wie die Lichtensteiner Tageszeitung Vaterland schreibt. Die Patienten wurden nicht mit letzter Konsequenz gezwungen nur das jeweils für ihr Gruppe geltende Getränk zu trinken. So wird berichtet, das gerade Patienten der Tee-Gruppe immer wieder auch zu einer Tasse Kaffee griffen.

Als Grund für die positive Wirkung vermuten die Mediziner auch in diesem Fall die anregende Wirkung des Koffeins. Nach einer Darmoperation sei frühestmöglich Bewegung besonders wichtig, so die Mediziner weiter. Gerade bei Älteren, so Studienautorin Simone Hasler-Gehrer, sei dies aber oft keine Option. In diesem Fall wäre drei Mal täglich Kaffee durchaus eine Alternative, so Hasler-Gehrer weiter.

Obwohl Koffein als Ursache für die positive Wirkung gilt, blieb die Frage ungeklärt, warum die Ergebnisse von Kaffee- und Tee-Trinkern sich oft stark unterschieden. Schließlich sind existiert wissenschaftlich zwischen Koffein und Teein kein Unterschied. Vielleicht ist es ja der Wohlfühlfaktor, den Kaffeetrinker beim Genießen einer Tasse Kaffee spüren.


Schlagwörter: , , ,