Die Gegensätze zwischen Nord- und Süditalien sind oft enorm, auch beim Kaffee gibt es Unterschiede.

Es ist schon einige Zeit her, als ich auf eine Hochzeit eingeladen war, bei der auch zwei Italiener Gäste waren. Die beiden Männer kannten sich zwar nicht, aber die Gastgeber dachten sich, es wäre doch eine nette Idee die zwei Italiener an einem Tisch zu platzieren. Einer der beiden kam aus der Nähe von Mailand im Norden Italiens, der andere ganz aus dem Süden. Und um es kurz zu machen, es war nicht der beste Einfall der Gastgeber an diesem Abend, denn die beiden verstanden sich überhaupt nicht.

Italienkenner hätten es ahnen können. Nord- und Süditaliener hegen oft das ein oder andere Vorurteil gegenüber dem anderen. Gemeinsam ist ihnen dabei nur die Leidenschaft, mit der sie es tun.

Kaffeebar
Darf weder im Norden, noch im Süden Italiens fehlen: die Kaffeebar

Ähnlich wie Deutschland entstand der heutige Staat Italien erst relativ spät. Bis zuletzt trennte zudem der Kirchenstaat Italien in zwei Teile. Und zur endgültigen Vereinigung kam es erst, als sich der Papst in den Vatikan zurückziehen musste. Doch diese Grenze zwischen dem Norden und Süden existiert in den Köpfen mancher noch immer. Und war zu weilen auch politisch oft deutlich erkennbar. Als die Italiener etwa 1946 abstimmten, ob man weiter eine Monarchie bleiben oder doch eine Republik werden wolle, stimmte der Norden für die Republik, der Süden hätte lieber seinen König behalten.

Arabicakaffeebohnen ist im Norden besonders geschätzt

Ob man sich im Norden oder im Süden des Landes befindet, kann man als Gast aber nicht nur an Dialekten oder politischen Einstellungen schnell feststellen, es genügt oft auch schon einen Kaffee zu bestellen.

Die Kaffeehauptstadt des Nordens heißt ohne Zweifel Triest, hier trinkt man mit Abstand den meisten Kaffee ganz Italiens. Und mit dem Traditionsunternehmen Illy ist man auch die Heimat für eine der beiden den Norden in Sachen Kaffee dominierende Kaffeemarke. Auch die zweite große Marke, Lavazza, ist bei uns in Deutschland bekannt. Sie stammt ursprünglich aus Turin, einer weiteren Kaffeehochburg im Norden Italiens.

Marese Kaffee des Monats

Kleinere und mittlere Kaffeeröstereien haben es zuweilen auch heute noch schwer einen Absatzmarkt über Cafés oder Kaffeebars zu finden. In den großen Städten wird meist nicht nur ausschließlich eine einzige Marke verkauft, oft handelt es sich dabei eben auch um Illy oder Lavazza. Abseits von Turin oder Mailand konnten sich jedoch auch viele regionale Röstereien etablieren. Eine Reise dorthin kann sich für Kaffeefreunde mit Entdeckergeist also durchaus lohnen.

Der Italiener selbst ist übrigens oft wenig experimentierfreudig, nicht selten bleibt er seiner Kaffeemarke ein Leben lang treu. Dafür bevorzugt man im Norden vor allem hochwertigen Arabicakaffee, der den hiesigen Kaffees oft eine blumige bis karamellige Note gibt.

Der Süden mag auch schon einmal Robustakaffeebohnen

Im Süden dagegen kommt zu den Arabicabohnen oft auch noch ein Robusta-Anteil hinzu, um die Kaffeeröstung mit einer bitteren Süße abzurunden. Dazu passt auch, dass man im Süden oft statt eines Espresso auch gerne mal einen Ristretto trinkt. Diese Kaffeespezialität ähnelt zwar dem Espresso, es greift aber zu kurz sie als eine Art „verkürzten Espresso“ zu bezeichnen.

Straße in Neapel
In den Straßen von Neapel finden sich zahlreiche Gelegenheiten für guten Kaffee.

Die Kaffeehauptstadt des Südens ist zweifellos Neapel. Egal ob sie in einem traditionsreichen Café in der intellektuellen Atmosphäre der Belle-Epoque schwelgen, oder moderne Kaffeekreationen kennen lernen wollen – in Neapel findet sich der passende Ort. Dazu empfehlen wir ein baba au rhum, ein aufgrund des Alkoholgehalts allerdings mit Vorsicht zu genießendem traditionell neapolitanischem Gebäck.

Falls Sie nach Italien reisen, um einmal einen original italienischen Espresso zu probieren, wissen Sie vermutlich schon, dass die Italiener mit dem Wort „Espresso“ nicht viel anfangen können. Seinen Espresso bestellt der Italiener im Norden wie im Süden mit einem lockeren un caffé. Und wenn er sparsam ist, tut er dies an der Bar, wo im Gegensatz zu den Tischen eine Preisbindung herrscht. Einig sind sich die Italiener auch darin, dass Milch im Kaffee nach 12 Uhr nichts zu suchen hat. Nicht der Cappuccino nach dem Mittagessen ist für den Italienkenner also ein No-Go.  


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