Trotz seiner im Vergleich zu anderen Kaffeeanbauländern geringen Fläche, ist Kaffee aus Guatemala in der Branche eine feste Größe. Das verdankt das Land auch seinen Vulkanen.

Zwischen dem großen Nachbarn Mexiko im Norden, und Honduras und El Salvador im Süden, hat sich Guatemala zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten in Zentralamerika entwickelt und ist immerhin ebenfalls seit Jahrzehnten in der Top 10 der weltweit am meisten Kaffee produzierenden Anbaugebiete vertreten. Die Welt schätzt den Kaffee aus Guatemala. Er steht für einen kräftigen Körper, würzige Töne und einem ausgeglichenen Säurespiel. Die Hauptkaffeesorte ist die Arabicakaffebohne, in den Varianten Typica und Bourbon. Sie wird meist auf relativ kleinen Kaffeeplantagen in Familienbesitz angebaut. Egal ob klassische Sorte, oder Kaffeespezialität, Anbau und Ernte basieren in vielen Fällen noch auf traditioneller Handarbeit.

Hochlandkaffee aus Zentralamerika

Nur gut ein Viertel des Landes nimmt das zentrale Hochland in Anspruch, aber dennoch prägt der Altiplano Guatemala entscheidend. In den Tälern des Hochlandes haben die Guatemalteken ihre Städte gebaut, auch die Hauptstadt Guatemala City liegt in einem solchen Tal. Umgeben von wahlweise mit Regenwald oder weiten Grassteppen bewachsenen Gebirgsketten. Doch manche Berge sind mit Vorsicht zu genießen. Rund um Guatemala treffen die nordamerikanische Platte auf die Karibische. Der Altiplano ist von Vulkanen geprägt, mit dem 4.220 Meter hohen Tajumulco befindet sich in dem kleinen Land der größte Vulkan Zentralamerikas. Er überragt selbst das ihn umgebende Hochland noch einmal um gut 1.000 Meter. Und er ist kein Einzelgänger. Zählt man alle Vulkanarten zusammen, also etwa klassische Schichtvulkane und Vulkanfelder, bringt es Guatemala auf 34 aktive Vulkane. In der Mehrzahl schlummern sie jedoch friedlich vor sich hin, lediglich 2010 brachen mit dem Fuego, Pacaya und Santa Maria gleich drei Vulkane in einem Jahr aus.

Zählt seit Jahren zu den besten Kaffees der Welt: Kaffee aus Guatemala

Vulkane sorgen für nährstoffreiche Böden

Doch wie überall auf der Welt, siedeln sich auch hier die Menschen trotz aller Gefahren bevorzugt in der Nähe der schlafenden Riesen an. Denn der Boden rund um die Vulkane, ist durch die bei einem Ausbruch aus dem Erdinneren transportierten Mineralien besonders nährstoffreich. Und das kommt auch den Kaffeebauern in Guatemala zugute. Sie verteilen sich in verschiedenen Gebieten über das gesamte Hochland. Der 2010 ausgebrochene Fuego liegt etwa in der malerischen Antigua-Region, die als die wichtigste in Sachen Kaffeeanbau gilt. In dem südlich gelegenen Gebiet wird vor allem jener Kaffee angebaut, der meist stellvertretend für den gesamt-guatemaltekischen Kaffee steht. Die durch insgesamt sogar drei Vulkanen geprägte nährstoffreiche Erde gleich die geringen Regenfälle in der Region aus, und sorgt für einen Kaffee, der durch seinen ausgeglichenen Säuregehalt besonders gut bekömmlich ist, ohne dabei geschmackliche Zugeständnisse machen zu müssen.


Kaffeefakten über Guatemala

In dem zentralamerikanischen Land werden 2% der weltweiten Kaffeeernte erwirtschaftet. Damit befindet sich Guatemala in der Top 10 der größten Anbaugebiete. Mit 98% Arabica-Bohnen spielt die Kaffeesorte Robusta dort kaum eine Rolle.


Der gute Ertrag liegt allerdings nicht allein am nährstoffreichen Boden, sondern auch an dem, wie manche vermuten, größten von Menschenhand angelegten Wald. Die Kaffeepflanze ist nicht nur im Bezug auf ihr Anbaugebiet besonders wählerisch, weshalb sie bekanntlich nur im sogenannten Kaffeegürtel rund um den Äquator professionell angebaut werden kann. Sie verträgt auch keine zu intensiven Sonnenstrahlen, weshalb die Kaffeebauern in dem zentralamerikanischen Land zahlreiche Schattenwälder angepflanzt haben, die den Kaffeepflanzen den notwendigen Schatten spenden sollen. Ganz nebenbei haben diese Schattenwälder den verloren gegangenen Regenwald als Refugium für die Tierwelt und Sauerstoffspender für den Menschen ersetzt.

Vulkane prägen das Hochland von Guatemala

Guatemaltekische Kaffeejungunternehmer setzen auf Kooperation

Mit Anacafé gibt es in Guatemala eine eigene staatliche Aufsichtsbehörde für den Kaffeeanbau, die unteranderem mit dem SHB (Stricktly hard bean) das höchste Gütesiegel vergibt. Doch auch auf der untersten Ebene herrscht in dem Land derzeit viel Bewegung. Gerade die jüngste Generation der Kaffeebauern versucht durch intensive Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützungen den Herausforderungen des Marktes zu wiederstehen. Geprägt von kleinen bis mittleren Kaffeeplantagen trifft der seit einiger Zeit besonders niedrige Kaffeepreis die Produzenten in Guatemala besonders hart. Exemplarisch für die neuen Formen der Zusammenarbeit steht etwa die Vereinigung Jovenes en Cafe – Guatemala von jungen Kaffeeanbauern. Die Jovenes en Cafe sehen sich vor allem als ein Netzwerk innovativer Kaffeeunternehmer, die ihren Mitgliedern einen Ort für Diskussion und Ideenaustausch bieten möchten. Dabei versammeln sich dort ausdrücklich nicht nur Kaffeebauern, sondern mit Röstereien, Marketingverantwortlichen und Exporteuren das gesamte Spektrum rund um den Kaffee in Guatemala. Die Vereinigung möchte Jungunternehmer entlang der gesamten Produktionskette unterstützen und repräsentieren.


Hinweis: Bis zum 31. Mai 2019 war dieser Beitrag ausschließlich für Mitglieder des Marese Clubs abrufbar.


Schlagwörter: ,