1. Einleitung

Kaffee ist nicht nur eines der beliebtesten Getränke weltweit, nach dem Öl ist die schwarze Bohne längst das zweit wichtigste Handelsgut der Welt geworden.

2. Grundlagen des Kaffeehandels

Nicht nur die Zahlen des konsumierten Kaffees beeindrucken, auch die Dimensionen des Kaffeeanbaus und -handels können mit hohen Zahlen punkten. Weltweit werden jedes Jahr ungefähr 7 Millionen Tonnen Kaffee produziert. Durch den Anbau haben rund 25 Millionen Kaffeebauern Lohn und Brot, zählt man allerdings aller Menschen zusammen, die im Kaffeegeschäft sind, kommt man weltweit auf über 100 Millionen.

Kein Wunder also, das manche Volkswirtschaft vom Kaffeeanbau regelrecht abhängig ist. Kaffee liefert etwa über 50% der ausländischen Devisen für Äthiopien oder auch Guatemala. Die Liste jener Länder, die ohne Kaffeeanbau nicht überleben könnten, lässt sich allerdings noch weit fortführen. Denn der Kaffeehandel geht von Arm nach Reich. Während Kaffee fast ausschließlich aus den ärmeren Ländern kommt, importiert die EU gut die Hälfte einer Kaffeejahresproduktion, ein weiteres Viertel geht in die USA. Das weitere Viertel teilt der Rest der Welt unter sich auf, wobei gerade China ein immer größerer Markt für den Absatz der schwarzen Bohne wird. In den großen Städten entwickelt sich der Kaffee seit einiger Zeit zum Trendgetränk schlechthin, und verdrängt dabei den klassischen Tee.

Deutschland importiert jedes Jahr nach Angaben des Deutschen Kaffeeverband etwas über 1 Millionen Tonnen Rohkaffee. Gleichzeitig ist Deutschland übrigens auch der größte Exporteur von Kaffeeprodukten aller Art.

3. Warum ist Kaffee teils hoch-spekulativ?

Die Anbaufläche für Kaffee ist begrenzt. Der empfindliche Kaffeestrauch wächst quasi von 20 Grad nördlich des Äquators, bis zu 20 Grad südlich, wie ein Gürtel um den Planeten. Es ist also vor allem die Lage um den Äquator, die etwas Brasilien mit jährlich um die 3 Millionen Tonnen zum mit Abstand größten Kaffeeanbauland gemacht hat. Selbst Vietnam, das an zweiter Stelle folgt baut gerade einmal gut die Hälfte des brasilianischen Ertrags an. Die großen Mengenunterschiede lassen sich allerdings nicht allein auf die Größe des Landes erklären. Denn die Kaffeebohne stellt noch weitere Anforderungen. Denn auch innerhalb dieses Gürtels ist nicht jede Fläche bewirtschaftbar. Die Arabica-Bohne macht rund 70% der Ernte aus, wächst aber nur in einer Höhe von 1.000 bis 2.000 Metern. Mit anderen Worten, während die Nachfrage nach dem Getränk noch längst nicht an ihr Ende gelangt ist, ist das Angebot irgendwann an eine Grenze gelangt.

Top 10 Kaffeeanbaugebiete

1. Brasilien
2. Vietnam
3. Kolumbien
4. Indonesien
5. Äthiopien
6. Honduras
7. Indien
8. Peru
9. Guatemala
10. Uganada

Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, die schwerer zu kalkulieren sind, sich aber stark auf die Kaffeepreise auswirken können. Kaffee ist eine empfindliche Pflanze, wird ein Anbaugebiet von einer Dürrephase oder von Unwettern heimgesucht, führt das zu spürbaren Schwankungen der verfügbaren Menge. Einige der Produzentenländern zeichnen sich zusätzlich nicht gerade durch politische Stabilität aus, und je bedeutender der Kaffeeanbau für das Land ist, desto eher wird man nach ihm gieren.

Steigt die Nachfrage weiter, sind solche Unsicherheitsfaktoren für den Kaffee als Wertanlage natürlich positiv. Bei steigender Nachfrage, aber sinkendem Angebot, kann sich eine Investition in Kaffee schnell lohnen. Aber abgesehen davon, dass die Nachfrage natürlich auch wieder sinken kann, gibt es noch eine weitere Reihe von Risiken. Als internationales Handelsgut haben etwa Währungsschwankungen einen großen Einfluss auf den Kaffeepreis. Auf die Kosten für die Rohbohnen kommen noch Transport-, Versicherungs- und Zollkosten hinzu. Außerdem wird der Einkaufspreis der Kaffeebohne in manchen Anbauländern durch eine dort steigende Inlandsnachfrage erhöht, denn auch dort nimmt die Nachfrage zu.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte jetzt aber nicht in den nächsten Supermarkt gehen, um dort den Kaffeevorrat aufzukaufen. Kaffee ist kein Edelmetall, das praktisch unbegrenzt haltbar ist. Selbst wenn man die enormen Lagerkosten außer Acht ließe, empfiehlt es sich also nicht auf diese Weise zu investieren.

4. Der professionelle Kaffeehandel

Der moderne weltweite Kaffeehandel hat nichts mehr mit romantischen Vorstellungen von Händlern zu tun, die auf Märkten schwere Jutesäcke mit Kaffee herumhieven. Die Big Player im Kaffeegeschäft agieren an Börsen, an denen Kaffeepapiere wie andere Wertpapiere auch gehandelt werden. Bis 1956 gab es übrigens sogar noch in Hamburg eine jener Handelsbörsen, heute beschränkt sich ihre Zahl allerdings nicht einmal mehr auf eine Hand voll. Die mit Abstand wichtigste Börse, manche Branchenkenner meinen auch, die einzig wichtige Börse, findet sich in New York.

Der Kaffeehandel selbst findet heute praktisch nur noch in Papierform statt.

Wer sich mit dem internationalen Kaffeehandel beschäftigt, wird sich eben schnell daran gewöhnen müssen, dass es fast überall dominierende Mitspieler gibt. Jene Big Player etwa, sind lediglich vier internationale Unternehmen, die allerdings gut 40% für Röstkaffee und gut 50% für Rohkaffee beherrschen. Gerade für die Anbauländer ist das natürlich oft ungünstig, denn bei dieser konzentrierten Marktmacht, bleibt ein gewisses Preisdiktat nicht aus.

Dennoch sollten sich Anleger bewusst sein, dass der Kaffeepreis starken Schwankungen unterliegt. Diese lassen sich zum Beispiel in der Charthistorie der Deutschen Börse nachvollziehen. Das gilt auch für den aktuellen Kaffeepreis, der Mitte Oktober ein Fünf-Monats-Hoch von 1,255 US-Dollar je Pfund erreicht hatte, aufgrund von Verlusten der brasilianischen Währung dann aber auf bis zu 1,131 US-Dollar absackte und sich erst in den letzten Tagen wieder zu erholen begann.

5. Möglichkeiten für Klein-Anleger in Kaffee zu investieren

Als Privatanleger ist die naheliegende Möglichkeit in ETC’s oder ETF’s zu investieren. Dabei handelt es sich um Anlagemöglichkeiten auf dem Rohstoffmarkt, der auf den Wert des jeweiligen Rohstoffes liegt. Die ETC’s (Exchange Trade Commodities) haben allerdings den zusätzlichen Risikofaktor finanzrechtlich als Anleihe zu gelten, das heißt ist die ausgebende Bank in Bonitätsschwierigkeiten, wirkt sich das auch auf die Anleihen aus. Die an der Börse gehandelten Exchange Traded Funds (ETF) werden hingegen an der Börse gehandelt und sind deshalb die sicherere Wahl. Sein Wert orientiert sich mehr am Markt, das senkt zwar das Risiko, bietet aber natürlich auf der anderen Seite nicht solche Gewinnchancen, wie risikofreudigere Anlagen.

Wer risikofreudiger ist, kann auf einen ETN setzen, der im Gegensatz zum ETF aktiv von Fondsmanagern geleitet wird. Möglich ist auch der Erwerb von Zertifikaten und Optionen, defacto eine Art von Schuldverschreibungen, die mit dem Kaffeepreis verknüpft sind. Sie versprechen durchaus mehr Gewinn, können aber natürlich auch größeren Verlust bringen. Wer hier investiert, sollte sich vorher gut beraten lassen und ausreichend Zeit haben, den Markt zu beobachten.

Übrigens, egal für welche der beiden Formen man sich entscheidet, auf jeden Fall sollte man eine währungsbereinigte Anlageform wählen. Auf diese Weise ist zumindest das Risiko von Währungsschwankungen zwischen Euro und US-Dollar minimiert, da Kaffee ausschließlich in der amerikanischen Währung gehandelt wird.

6. Darauf muss man bei einer Anlage in Kaffee besonders achten

Wer in Kaffee investiert, hängt auch immer vom Kaffeepreis ab. Dieser unterliegt wie bereits mehrfach beschrieben starken Schwankungen. Man sollte sich also bewusst sein, dass es sich dabei nur um eine sinnvolle Anlage für langfristig ausgelegte Depots handelt. Denn Entwicklungen, wie etwa die steigende Beliebtheit von Kaffee auf dem chinesischen Markt werden sich über Jahre hinweg hinziehen. Treten sie aber tatsächlich ein, sprechen sie auch für einen langfristig steigenden Kaffeepreis.

Kurz- und mittelfristig sollten Anleger aber natürlich auch die einzelnen Kaffeeanbauländer immer im Blick haben. Dabei gilt es vor allem die politische Lage, die in manchen der Länder durchs als instabil zu bezeichnen ist, im Blick zu haben. Dabei muss es sich nicht einmal um einen Umsturz handeln, die Märkte reagieren auch auf andere politische Veränderungen durchaus nervös. Ein aktuelles Beispiel war die Wahl eines Rechtspopulisten zum neuen Präsidenten Brasiliens.

Mittel- bis langfristig schlagen hier dann natürlich noch die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels durch. Aber selbst Nebenfaktoren sollten im Auge behalten werden, etwa der aktuelle Ölpreis. Der Transport der Kaffeebohnen aus den Anbauländern etwa nach Europa hat einen wesentlichen Einfluss auf den aktuellen Kaffeepreis.

7. Welche alternativen Kaffeeanlagemöglichkeiten gibt es?

Inzwischen weltweit zu finden: Starbucks

Wer nicht direkt am Rohstoffmarkt spekulieren möchte, kann indirekt in Kaffee-Aktien investieren. Eine ganze Reihe bekannter und weniger bekannter Unternehmen werden an den Wertpapierbörsen gehandelt:

  • Starbucks: Die bekannteste Kaffeekette der Welt ist an 25.000 Standorten weltweit vertreten.
  • McDonalds: Der Burgerbrater ist mit seinen McCafé’s schon vor einigen Jahren ebenfalls zu einem der größten Kaffeeausschenker in der Welt geworden.
  • Nestle: Im Portfolio des Lebensmittelgiganten befinden sich natürlich auch diverse Kaffeemarken, allerdings ohne eine dominante Stellung einzunehmen.
  • Green Mountain Coffee: Die in den USA ansässige Rösterei vertreibt ihre Kaffee- und Teeprodukte inzwischen ebenfalls weltweit.
  • Coffeeheaven: Der Starbucks-Konkurrent ist in Osteuropa dem amerikanischen Vorbild bereits mehr als ebenbürtig.
  • Zanetti: Einer der drei großen Kaffeeanbieter aus Italien wagte 2015 den Sprung an die Börse.
  • Mondelez: Einer der größten am Kaffeemarkt überhaupt, er ging aus der Aufspaltung des Kraftkonzerns hervor und vertreibt unter anderem Jacobs Kaffee.

Daneben gibt es natürlich noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten. Auf Crowdfunding Plattformen etwa stellen immer wieder Gründer, die mit Ideen rund um Kaffee nach Investoren suchen. Wer zur gleichen Zeit eine gute Tat vollbringen möchte, findet im Internet ebenfalls die ein oder andere Initiative rund um die Thematik Fair Trade Coffee, die dort um Investoren wirbt.

8. Abschließende Bemerkung

Investitionen in Kaffee gehören prinzipiell also zu den volatilen Anlagemöglichkeiten, was nichts anderes heißt, als das sie großen Schwankungen ausgesetzt sind. Mittel- und langfristig sehen viele Experten aber durchaus gute Chancen auf einen Gewinn. Der Rohstoffmarkt erfordert allerdings einiges an Engagement und Fachwissen, will man dort wirklich mitmischen. Wer mit Hilfe von Kaffee seine Altersvorsorge ausbauen möchte, wäre mit Aktien von Starbucks & Co. im Depot sicherlich auch gut beraten.


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