Inzwischen bekommen Kaffeefreunde in ganz Europa einen anständigen Espresso – nur dessen Preisniveau ist doch sehr unterschiedlich.

Egal wo in Europa man sich derzeit umhört, überall ist die Klage von den steigenden Preisen zu hören. Gerade Lebensmittel sind derzeit von einer starken Preissteigerung betroffen, dabei macht auch der Kaffee leider keine Ausnahme. Dabei war der Einkaufspreis von Rohkaffee bereits im Frühjahr in die Höhe geschossen, als internationale Lieferengpässe mit der schlechten Kaffeeernte in Brasilien zusammenfielen. Während sich die internationale Logistik langsam wieder einzuspielen beginnt, und die unruhige Coronazeit hinter sich lässt, zeigt sich auch die Lage in Brasilien wieder etwas entspannter. Dafür schlägt auch in Europa die Inflation zu. Nicht nur wer seinen Kaffee selbst zubereitet, auch wer gerne auf einen Cappuccino ins Café oder Restaurant geht, muss vielerorts tiefer als noch vor wenigen Monaten in die Tasche greifen.

Glücklich, wer da einen Siebträger sein Eigen nennt und sich bei der Espressozubereitung sozusagen für unabhängig erklären kann. Mit der richtigen Kaffeebohne, einer guten Espressomühle und einem echten Siebträger braucht es nur noch ein wenig Übung, und niemand wird den Barista in der Kaffeebar vermissen.

Nur in den Urlaub nehmen die wenigsten ihren Siebträger mit. Vielleicht macht der ein oder andere Espressoenthusiast eine Ausnahme, wenn er in einem Ferienhaus urlaubt, aber das Gros der Touristen dürfte in diesem Fall passen. Allerdings haben manche Hersteller bereits Siebträger im Angebot, die sich leichter von A nach B transportieren lassen, etwa zum Urlaubsziel ihres Besitzers. Die handliche ECM Puristika wird beispielsweise mit einem recht stabilen Karton geliefert, der sich auch mehrfach nutzen lässt. Die Rocket Espresso Porta Via wird sogar ausdrücklich als transportabler Siebträger von ihrer Mailänder Siebträgermanufaktur angepriesen.

Die meisten Touristen werden jedoch dann doch den Weg ins Café oder die Kaffeebar vorziehen. Außerdem sitzt selbst in Zeiten einer Inflation zumindest im Urlaub das Portemonnaie doch noch etwas lockerer. Besonders locker sollte es allerdings in Kopenhagen sitzen, denn in der Hauptstadt unseres dänischen Nachbarn muss man mit 4 Euro je Espresso rechnen. Das zumindest sagt der Espressoindex 2022 des Reisemagazins Travelbook aus. Die Reisejournalisten haben sich nach den Preisen in den meisten europäischen Hauptstädten erkundigt und so einen Index mit den Kosten für jeweils eine Tasse Espresso erstellt. Die Idee ist wohl an den legendären Big Mac-Index angelehnt, der die Kaufkraft eines Landes über den Preis abzeichnet, den ein Big Mac in einem McDonalds vor Ort kostet. Ob der Espresso sich auch für diesen Zweck eignet, kann man allerdings in Frage stellen. Zwar bekommt man inzwischen in ganz Europa einen Espresso, beim Preis dürfte aber wohl auch eine Rolle spielen, mit welchen regionalen Kaffeespezialitäten und Zubereitungsmethoden er konkurriert. Zwar lässt sich zwischen der Kaufkraft der Schweiz und dem dortigen Espressopreis ein Zusammenhang herstellen, aber das ein Espresso in Athen fast doppelt so viel wie in Berlin kostet, zeigt auch die Schwächen solcher Indizes.

Und sein Ursprungsland müsste dann praktisch aus dem Index genommen werden, denn der Preis für einen Espresso ist dort zum Teil noch immer staatlich reguliert. Wer in Italien seinen Espresso „al banco“, also an der Theke oder generell im Stehen trinkt, muss maximal 1,20 Euro bezahlen. Diese 1,20 Euro sind das landesweite Maximum, denn den Preis vor Ort legt die verantwortliche Kommune fest. Den Espresso an der Theke zu trinken ist seitjeher ein Tipp für die Sparfüchse unter den Italienurlaubern gewesen, denn serviert der Wirt den Espresso an den Tisch, kann er ganz einen Preis seiner Wahl festlegen.

Treue Italienfreunde werden sich allerdings erinnern, dass der staatliche Höchstpreis für Espresso vor gar nicht so langer Zeit noch bei einem Euro gelegen hat. Für einen Euro oder sogar weniger bekommt man seinen Espresso heute nur noch auf der anderen Seite der Adria. In Nordmazedoniens Hauptstadt Skopje kostet er nur 0,89 Euro, in Tirana sogar nur 0,70 Euro.

Und warum eigentlich nicht, das klassische Mittelmeerflair kann auch die albanische Küste aufbieten und das Hinterland gilt bereits seit einigen Jahren als touristischer Geheimtipp für Europareisende. Dabei einen günstigen Espresso zu genießen, dürfte zumindest ein weiteres kleines Plus für einen Albanienurlaub sein.

Was der Index übrigens nicht aussagt, was aber doch mit am wichtigsten sein dürfte, ist die Frage des Geschmacks. Kann ein Espresso in Stockholm mit einem Espresso in Rom wirklich mithalten? Das müssen Sie am Ende selbst entscheiden.


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