Die Arabica-Kaffeebohne gilt als qualitativ hochwertig, während die Robusta einen eher schlechten Ruf hat. Doch das könnte sich bald ändern.

Mario Fernández, Technischer Direktor der SCA (Specialty Coffee Association), setzt sich in einem aktuellen Beitrag auf der Webseite der internationalen Vereinigung von Kaffeeanbauern und Röstern mit der Zukunft des Kaffees im Angesicht des Klimawandels auseinander. Auch die Kaffeebranche ist von den steigenden Temperaturen betroffen, die dazu führen, dass manche Sorten fast komplett aus den betroffenen Anbaugebieten verschwinden könnten.

Kaffeebohnen
Der Klimawandel wirkt sich auch auf den Kaffeeanbau aus

Betroffen ist vor allem die Coffea arabica, die Arabica-Kaffeebohne, die besonders für hochwertigen Kaffee angebaut wird. Die Bohnenart ist anspruchsvoller und auch anfälliger als die Robusta-Kaffeebohnen. Und es gibt noch ein größeres Problem, auf das Fernández hinweist, die genetische Vielfalt der Arabica-Kaffeebohne ist relativ gering. Das schränke die Möglichkeiten ein, auf die kommenden klimatischen Herausforderungen zu reagieren.

Genetische Vielfalt spricht für die Robusta-Kaffeebohne

Eine mögliche Lösung sieht Fernández im Anbau der Coffea canephora, also der Robusta-Kaffeebohne. Das die Arabica ursprünglich aus einer Kreuzung der Coffea canephora und Coffea eugenoides entstand, deutet schon daraufhin: die Robusta-Bohne hat ein größeres Veränderungspotential. Damit verbunden ist eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich an die kommenden Herausforderungen besser anzupassen. Fernández schlägt deshalb vor dem Beispiel jener Kaffeefarmer zu folgen, die aufgrund der geringeren Höhenlage ihrer Plantagen vom Anbau qualitativ eher zweitklassiger Arabica, auf den Anbau erstklassiger Robusta-Kaffeebohnen umgestiegen sind. „Aus der Sicht dieser Kaffeefarmer ist es besser und rentabler, gute Coffea canephora anzubauen, als schlechte Coffea arabica.“, so der Kaffeeexperte Fernández.

Die Robusta ist als einheimische Art in einer Vielzahl von Lebensräumen zu finden, von der Atlantikküste Äquatorialafrikas bis zur Hochebene um den Viktoriasee ab rund 1.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Diese riesige Genbank berge sicherlich noch viele Überraschungen in Bezug auf Geschmack und Qualität des Kaffees, so Fernández weiter. Im Laufe der Zeit seien Coffea-canephora-Kaffeesorten jedoch nur im Hinblick auf den Ernteertrag und die Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten gezüchtet worden. Und die Robusta-Kaffeebohne sei in einer Art Teufelskreis gefangen, weil der Kaffee daraus als von schlechter Qualität wahrgenommen wird, bleibe der Preis dafür entsprechend niedrig, was wiederum verhindere Qualitätsverbesserungen vorzunehmen.

Manche Kaffeeländer setzen fast zu 100% auf Arabica

Mario Fernández plädiert dafür diesen Teufelskreis zu durchbrechen, und sich bewusst zu machen, dass auch Robusta-Bohnen die Grundlage für Spezialitätenkaffee sein können. Er weiß auch bereits einige Beispiele zu nennen, sieht die Robusta-Kaffeebohne also auf einen guten Weg in den Kreis der Kaffeespezialitäten aufgenommen zu werden.

Vietnam
Ausnahme Vietnam: Hier dominiert die Robusta-Kaffeebohne

Heute erfüllen vor allem Kaffeeanbauländer aus dem asiatischen Raum die Nachfrage nach Robusta-Kaffeebohnen. Vietnam, das mit rund 14 bis 15% immerhin zweitgrößter Kaffeeexporteur weltweit ist, baut zu 95% Robusta an, Indonesien, das auf Rang 3 in der Top 10 der Kaffeeexporteure liegt, zu 90%. In den meisten anderen Anbaugebieten dominieren heute die Arabica Kaffeebohnen. Während bei großen Ländern, wie zum Beispiel Brasilien, noch ein nennenswerter Anteil von Robusta angebaut wird, ist die Dominanz der Arabica gerade bei kleineren Kaffeenationen wie Honduras, Guatemala oder Äthiopien fast bei 100%.

Aprikosen nicht mit Pfirsichen vergleichen

Bleibt die Frage, kann eine Robusta-Kaffeebohne überhaupt die Grundlage für einen Spezialitätenkaffee sein? Die Definition von „Spezialitätenkaffee“ ist in der Kaffeeszene umstrittener als man denkt, und so mancher wird den Begriff fest mit der Arabica verbunden haben.

Problematisch sei es dabei, so Fernández, bei Robusta-Kaffeeprodukten exakt die gleichen Kriterien anzulegen, wie bei Kaffeespezialitäten auf Basis der Arabica. Arabica und Robusta gehören zwar der gleichen Gattung an, man könne sie aber nur bedingt vergleichen. Es sei etwa so wie bei der optischen Beurteilung von Aprikosen und Pfirsichen.

Unabhängig von dieser Einschätzung bleibt aber wohl die Erkenntnis, dass mit dem zunehmenden Klimawandel ein weiterer Rückgang der Arabica-Erträge als sehr wahrscheinlich gilt. Und auch wenn die Robusta-Kaffeebohne erst einmal selbst die Anpassungen an die neuen Bedingungen erfolgreich meistern muss, wird ihre Bedeutung wohl künftig zunehmen.


Weitere Informationen: Beyond Coffea Arabica: Opportunities for Specialty Coffee with Coffea Canephora by Mario Fernández


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