Kein anderer Wirkstoff wird so stark mit Kaffee verbunden, wie Koffein. Heute vor 225 Jahren wurde der Entdecker des Koffeins geboren.

Immer wieder widmet die Internetsuchmaschine Google ihre Startseite einer bestimmten historischen Person oder einem Ereignis. Das Unternehmenslogo wird dann kreativ in eine Animation oder eine Grafik eingebaut, die das jeweilige Ereignis oder die Person darstellen. Und heute gedenkt man dem 8. Februar 1794, dem Tag an dem der spätere Hamburger Chemiker Friedlieb Ferdinand Rungedaher geboren wurde. Rungedaher gehört wohl in jene Kategorie von Wissenschaftlern, die durch ihre Entdeckungen zwar den Grundstein für viele Entwicklungen legte, von denen wir auch heute noch profitieren, deren Namen aber außerhalb eines engen Kreise von Interessierten niemand mehr kennt.

Seine Laufbahn als einer der besten Chemiker seiner Zeit war dem kleinen Friedlieb nicht in die Wiege gelegt. Der Pastorensohn konnte aus finanziellen Gründen zuerst nur die Elementarschule besuche, und musste danach in eine Lehre als Apotheker gehen. 1816 nahm er dann doch ein Studium auf. In Berlin studierte er zuerst Medizin, später kam in Jena noch Chemie hinzu. Schon 1819 konnte er sich Dr. med. nennen, drei Jahre später auch Doktor der Philosophie.

Bei seiner Arbeit in der Forschung und für die Industrie widmete er sich hauptsächlich den verschiedenen Formen von Steinkohleteer, der in großen Mengen bei der Verarbeitung von gewöhnlicher Steinkohle in Koks anfällt. Mit Anilin, Pyrrol, Leukol, Carbolsäure oder Rosolsäure entdeckte er zahlreiche Substanzen, die dadurch für andere Zwecke genutzt werden konnten. Bis dahin war Steinkohleteer mehr oder weniger ein Abfallprodukt gewesen.

Während Rungedahers Zeit in Jena, wurde auch Johann Wolfgang von Goethe auf den jungen Chemiker aufmerksam. Goethe überzeugte ihn, die Kaffeebohne unter chemischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Er war überzeugt, das sich im Kaffee ein Gegengift für Atropin finden ließe. Atropin ist ein nach der alt-griechischen Schicksalsgöttin benanntes Gift, das auf der schwarzen Tollkirsche basiert. Während damals seine Wirkung als Gift im Fokus stand, wird Atropin heute in vielen Medikamenten genutzt, etwa bei einem Herzstillstand.

Ein Gegengift von Friedlieb Ferdinand Rungedaher in der Kaffeebohne zwar nicht, dafür entdeckt er allerdings das Koffein. Zu dieser Zeit studierte der junge Chemiker noch in Jena, als er 1819 als Erster Koffein aus dem Kaffee isolieren konnte. Eine Entdeckung, die sich in der wissenschaftlichen Welt allerdings damals nicht so schnell verbreitet zu haben scheint. Denn 1821 isolierten unabhängig von Rungedaher die drei Französischen Forscher Pelletier, Caventou und Robiquet ebenfalls Koffein als Wirkstoff. Die Ehre Entdecker des Koffeins zu sein, konnte man Friedlieb Ferdinand Rungedahers da schon nicht mehr nehmen.