Als große Kaffeenation ist Ecuador bei uns kaum bekannt, es verfügt jedoch gleich über zwei der weltweit besten Anbaugebiete.

Kaffee, besonders die Arabicapflanze, kann zuweilen recht anspruchsvoll sein. Wer sie im großen Stil anpflanzen will, braucht nicht nur fruchtbare Böden, sondern muss auch ausreichend in die Höhe gehen können. Nur ein paar Robustasorten kommen auch näher am Meeresspiegel gut zurecht. Die klimatischen Ansprüche der Pflanze erfüllt nur eine Region rund um den Äquator. Vom 23 Grad nördlich des Äquators bis zum 25 Grad südlich zieht sich dieses Anbaugebiet rund um den Globus. Für Länder, die sich innerhalb dieses sogenannten „Kaffeegürtels“ um den Äquator befinden, hat der Kaffeeanbau oft eine entscheidende Bedeutung.

Vulkane in Ecuador
Vulkane prägen auch in Ecuador die Landschaft.

Am Äquator entlang verläuft auch das südamerikanische Land Ecuador. Der Name verrät es, denn aus dem Spanischen übersetzt heißt „Ecuador“ nichts anderes als „Äquator“. Klimatisch bietet das Land also die optimalen Bedingungen für den Anbau von Kaffee, und dank der Anden gibt es auch Anbaugebiete mit der notwendigen Höhe. Trotzdem sind die Bedingungen über das Land verteilt oft recht unterschiedlich, gerade was Temperaturunterschiede und Regenmenge betrifft. Dennoch gedeiht der Kaffee in Ecuador hervorragend, und nimmt neben Erdöl, Kakao und Bananen eine für das Land bedeutende Rolle im Export ein.

Kaffee ersetzte oft den Anbau von Kakao

Dabei ist der Kaffeeanbau im Land relativ jung, zumindest im Vergleich zu manchen Nachbarländern und besonders den zentralamerikanischen Länden. Politisch gehörte die Region lange zum spanischen Kolonialreich und war nach 1821 gut neun Jahre lang Teil des sich die Unabhängigkeit erkämpften neuen Staates Großkolumbien. Erst 30 Jahre nach der Staatsgründung wurde in der Provinz Manabí der erste Kaffee in Ecuador kultiviert. Von dort aus breitete sich der Kaffee schnell auf das gesamte Land aus. Endgültig seinen Durchbruch hatte der Kaffeeanbau in den 1920ern, wenn auch ein wenig aus der Not heraus. Viele Bauern stiegen in dieser Zeit von Kakao auf Kaffee um, weil ein Großteil der Kakaopflanzen einer Krankheit zum Opfer fiel.

Robusta wird nur in kleinen Mengen angepflanzt

Zwar dominiert der Arabicakaffee auch den Anbau in Ecuador, anders als in den meisten anderen benachbarten großen Kaffeenationen finden sich hier in den tiefer gelegenen Regionen allerdings auch Robustakaffeepflanzen. Nicht nur deshalb gilt ecuadorianischer Kaffee als besonders vielfältig an Aroma und Geschmack. Allgemein sagt man dem Kaffee einen ausgewogenen Körper nach, auch das Säureniveau bewegt sich eher im mittleren Bereich. Die klimatischen Besonderheiten des Landes sorgen für einen spürbaren Unterschied zwischen erster Ernte und zweiter. Die gesamte Erntezeit ist entsprechend lang und findet zwischen Juni und Oktober statt. Die Kaffeebohnen der ersten Ernte zeichnen sich durch ein harmonisches Gesamtbild aus, haben eine etwas bitterere Note und sind eher von mildem Charakter. In der zweiten Ernte gewinnen die Kaffeebohnen an Aroma hinzu, außerdem wird für viele von ihnen eine holzige bis schokoladige Note charakteristisch.

Haupternte geht in die USA

In Deutschland ist Kaffee aus Ecuador kaum bekannt, die Haupternte geht in die USA und nach Japan. Insgesamt zeichnet sich der Kaffee nicht nur im Geschmack durch eine gewisse Vielfalt aus, zuweilen trifft das leider aber auch auf die Qualität des Kaffees zu. Durch eine zunehmende Professionalisierung des Anbaus bekommt man diese Qualitätsschwankungen allerdings in den letzten Jahren immer besser in den Griff. Und abgesehen davon gibt es in dem Land gleich zwei Anbaugebiete, die in der internationalen Kaffeewelt einen besonders guten Klang haben.

Kaffee aus dem Tal der Hundertjährigen

Die Region Vilacabamba liegt in Süden von Ecuador, ihr Zentrum ist das sogenannte Tal der Hundertjährigen. Tatsächlich gibt es in der Region weit mehr Hundertjährige als anderswo. Ob das mit dem Kaffeeanbau an den Hängen zu tun hat, ist allerdings nicht nachgewiesen. Das Gros des hier in rund 1500 Metern Höhe angebauten Kaffees landet ohnehin bei Kaffeeliebhabern auf der ganzen Welt. Die fruchtbaren Böden an den Hängen sorgen für reife aromatische Kaffeekirschen, die von den Kleinbauern im aufwändigen Handleseverfahren geerntet werden. In den unbelasteten Bergbächen der Region gewaschen und vom Fruchtfleisch befreit, werden die Kaffeebohnen aus Vilacabamba in der Sonne getrocknet, ehe sie zu einem an der Pazifikküste gelegenen Häfen transportiert werden.

Galapagos Inseln
Die Galapagos Inseln zeichnen sich durch eine von Vulkanen geschaffene, für Kaffee sehr fruchtbare Landschaft aus.

Kaffee von den Galapagos Inseln

Die zweite bekannte Kaffeeregion gilt als eine der exklusivsten der Welt, auch weil ihr Anbaugebiet gleich doppelt begrenzt wird. Seit dem 19. Jahrhundert wird auf den Galapagos Inseln Kaffee angebaut, die politisch zu Ecuador gehören. Die Inseln sind nicht nur als Inspirationsort für die Evolutionstheorie von Charles Darwin bekannt, sondern auch als ein weltbekanntes Naturschutzgebiet. Heute dort Kaffee einzuführen wäre wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Als Ecuador die Inseln Mitte des 19. Jahrhunderts in Besitz nahm, war man allerdings noch an der rein landwirtschaftlichen Nutzung interessiert. Kaffee bot sich aufgrund der dort herrschenden Bedingungen an.

Heute kommt der Kaffee dort nicht nur als Nutzpflanze vor, sondern ist auch auf fast allen Inseln wild beheimatet. Der professionell angebaute Kaffee rechtfertigt seinen Ruf allerdings nicht nur durch seine in der Natur der Sache liegende Knappheit. Sein Anbaugebiet ist schließlich nicht nur deshalb begrenzt, weil die Inseln nicht mehr Fläche hergeben, sondern auch weil das Gros der Insel landwirtschaftlich nicht genutzt werden darf. Außerdem ist dort auch künstlicher Dünger und jede Art von Chemie verboten, Kaffee von den Galapagos Inseln ist also immer Biokaffee. Und natürlich trägt auch der von Vulkanen mit Mineralien und anderen Nährstoffen angereicherte Boden sein Übriges für einen unvergleichlichen Kaffee.