Erst kam die Dürre, dann kam der Frost dazu. Brasiliens Kaffeebauern sorgen sich um ihre Ernten, Verbraucher um die Preise.

Die Tasse Kaffee erfreut sich bei den Deutschen ungebrochener Beliebtheit. Für fast jeden 9. Bundesbürger gehört Kaffee zu einem gelungenen Tag – die meisten gönnen sich allerdings mehr als nur eine Tasse täglich. Daran konnte auch die Coronapandemie nichts ändern. Statt im Büro wurde nur mehr Kaffee im Home-Office getrunken. Steigende Kaffeepreise bleiben deshalb nicht unbemerkt, die Preiserhöhung einer großen deutschen Kaffeemarke sorgte daher in den letzten Tagen für ein großes Medienecho. Vor allem auch, weil andere Anbieter bald folgen könnten.

Politische Unruhen in Kolumbien könnten sich auf Kaffeemarkt auswirken

Selbst der billige Instantkaffee aus dem Supermarkt könnte im Preis steigen, weil sich der Rohkaffee aus Vietnam um 40% verteuert hat, wie die Tageschau Ende Juli berichtete. Vietnam steht in der Liste der Kaffee exportierenden Nationen an zweiter Stelle. Zugleich ist das südostasiatische Land vor allem als größter Exporteur für Robustakaffee bekannt. Und Robustabohnen bilden die Basis für die breite Masse der qualitativ oft wenig hochwertigen Instantkaffees. Als Preistreiber gelten in diesem Falle steigende Transportpreise, die auch für den Handel mit Kaffeebohnen ins Gewicht fallen.

Auch der drittgrößte Kaffeeexporteur Kolumbien macht Markbeobachtern Sorgen. Seit Wochen kommt es in dem südamerikanischen Land immer wieder zu Straßenschlachten zwischen linken Demonstranten und Sicherheitskräften. Ein Ende der Unruhen scheint sich erst einmal nicht abzuzeichnen, weshalb Experten befürchten, die Lage könnte sich auch auf den Kaffeemarkt auswirken.

Kaffee aus Kolumbien
Politische Unruhen könnten sich in Kolumbien auf den Kaffeepreis auswirken

Größtes Sorgenkind der Branche ist allerdings Brasilien. Das Land ist seit Jahrzehnten unangefochtener Spitzenreiter, wenn es um den Export von Kaffee geht. Ein gutes Drittel des weltweit gehandelten Kaffees hat seinen Ursprung in Brasilien. Ende Juli stieg der Preis für Arabicakaffee dort auf 2 US-$ je Pfund – und damit so hoch wie seit 2014 nicht mehr.

Kaffeeanbau in Brasilien leidet unter dem Wetter

Schuld daran ist das Wetter. Anfang des Jahres wurden viele Anbaugebiete von einer historischen Dürreperiode heimgesucht. Vor wenigen Wochen wurde die Region Minas Gerais, in der bis zu 70% des brasilianischen Arabicakaffees angebaut wird, zudem von Frost überrascht. Der Frost ging vor allem auf Kosten jüngerer Pflanzen. Ein insofern besonders problematischer Schaden, da junge Arabicapflanzen gerade im zweiten Jahr besonders fruchtbar sind. Neben normalen Ertragsmengen im ersten Jahr, fehlen diese also im nächsten Jahr um so mehr.

Wie schlagen sich die Entwicklungen auf den Kaffeepreis durch?

Zur gleichen Zeit steigt in den Importländern wieder der Kaffeebedarf leicht an. Vor allem die Gastronomie fragt wieder mehr Kaffee an, da in vielen Ländern die Einschränkungen durch die Coronapandemie weggefallen sind. Eine sinkende Angebotsmenge trifft auf eine steigende Nachfrage, die Gesetze des Marktes dürften damit steigende Preise vorhersagen. Inwieweit sich dieses aber im Endpreis für den Kaffeekonsumenten durchschlagen, von den bereits erfolgten Preiserhöhungen der Branchenriesen abgesehen, wird wohl erst die weitere Entwicklung zeigen.