Kaffee und Gewürze haben eine lange gemeinsame Geschichte, doch die Kombination von beiden ist hierzulande relativ jung.

Kaffee und Gewürze haben durchaus einige historische Gemeinsamkeiten. Zumindest durch die westliche Brille waren es lange Zeit kulinarische Luxusgüter. Sowohl Kaffee als auch Gewürze musste man sich leisten können. Und da man deshalb mit ihnen gutes Geld verdienen konnte, unternahmen die Europäer einiges, um mehr davon zu bekommen. Als eine der Gründe für die spanischen und portugiesischen Entdeckungsreisen im 15. Jahrhundert gilt Europas Hunger nach Gewürzen bei manchen Historikern und Ökonomen heute als Auslöser dieser frühen Globalisierung. Nur kurze Zeit später begannen die Europäer den Kaffeeanbau in ihren neuen Kolonien selbst in die Hand zu nehmen, wenn auch unter wenig rühmlichen Bedingungen.

Durch diese Entwicklung wurden beide Güter zwar günstiger, aber Kaffee und die meisten Gewürze blieben dennoch ein Luxusgut. Die tägliche Tasse Kaffee war wohlhabenden Zeitgenossen vorbehalten, während andere Schichten ihn nur zu besonderen Anlässen tranken oder ihn sich noch immer nicht leisten konnten. Ähnlich verlief es bei den Gewürzen, während einige Sorten im Laufe der Zeit für breite Bevölkerungsschichten immer erschwinglicher wurden, gab es auch Sorten, die viele Menschen selten bis gar nicht in der Küche verwenden konnten.

Übrigens, manche Historiker glauben das der erstmals von venezianischen Kaufleuten in Europa gehandelte Kaffee als Gewürz galt. Aber das nur am Rande.

Kaffee und Gewürze könne heute von allen genossen werden

Pumpkin Spice Latte
Nicht nur an Halloween, sondern im gesamten Herbst beliebt.

Dank der globalisierten Welt der Moderne sind Kaffee und Gewürze heute für so gut wie jedermann erschwinglich geworden. Heute wie damals ist die Kombination von beidem zumindest in unseren Breitengraden aber doch eher selten. Der Pumpkin Spice Latte bildet da bereits seit einigen Jahren eine Ausnahme. Gerade dank großer Kaffeeketten ist der mit Kürbis, aber auch Gewürzen wie Zimt oder Nelken, verfeinerte Latte Macchiato ein in jedem Herbst wiederkehrender Kaffeespezialitäten-Klassiker. Der erste Pumpkin Spice Latte wurde wahrscheinlich im Jahr 2003 serviert. Damit ist er wohl auch typisch für die Kombination zwischen Kaffee und Gewürzen in Europa und den USA. Zwar gibt es inzwischen die ein oder andere gewürzte Kaffeespezialität, sie sind aber relativ neu.

Lange Tradition im arabischen Raum

Arabischer Kaffee
Auch in seiner Darbietung etwas vollkommen anderes: Arabischer Kaffee

Ganz anders im arabischen Raum. Dort hatte man nicht nur vor den Europäern praktisch das Monopol auf Kaffee, man baute auch viele Gewürze selbst an. Und wenn man Nelke, Pfeffer & Co. doch nicht selbst anbaute, kontrollierte man zumindest über Jahrhunderte hinweg den Handel. Also, bis die Europäer den Seeweg in die Anbauländer fanden. Anders als die Europäer begannen Türken und Araber früh Kaffee und Gewürze zu kombinieren. Noch heute unterscheiden sich traditionelle Kaffeegetränke aus diesen Regionen nicht nur in ihrer Zubereitung, sondern auch durch die Zugabe von Gewürzen. Besonders beliebt ist dabei Kardamom.

Wer die Kombination Kaffee und Gewürze ausprobieren möchte, und nach fertigen Gewürzmischungen sucht, findet dementsprechend oft als „arabisches Kaffeegewürz“ bezeichnete Produkte.

Als Kaffeegewürz etabliert haben sich in den letzten Jahren in Europa und den USA vor allem Muskatnuss, Kurkuma, Zimt oder Ingwer. Vieles davon bekommt man in Coffeeshops bereits als eigene Kaffeespezialität serviert. Sie sind in ihrer Herstellung aber oft so unkompliziert, dass der Experimentierfreude in den eigenen Wänden ebenfalls nichts im Wege steht.

Innovative Kaffeefarmer experimentieren mit Gewürzanbau

Zusätzlich gibt es Spezialitätenkaffees die ganz gezielt mit Gewürzen arbeiten. Nicht zu verwechseln mit Kaffeespezialitäten, letztere sind zum Beispiel ein Latte Macchiato oder Cappuccino, während Spezialitätenkaffees in ihrem Anbau oder der Verarbeitung der Bohnen Besonderheiten aufweisen. Kaffeefarmer experimentieren etwa damit ihren Kaffee gemeinsam mit Gewürzen anzubauen, um über den Boden den Kaffeebohnen neue Gewürznoten mitgeben zu können. Besonders zu eignen scheint sich dabei der kombinierte Anbau des Kaffeestrauchs mit Gewürznelken oder dem im arabischen Raum beliebten Kardamom.

Ähnlich wie bei Früchten wäre auch eine „Würzung“ nach der Ernte möglich. Vor allem in Anbaugebieten in Mittel- und Südamerika experimentieren Kaffeefarmer schon seit einiger Zeit damit Kaffeekirschen und Früchte gemeinsam zu fermentieren, um die Kaffeebohnen fruchtiger in Aroma und Geschmack werden zu lassen.

Für den Kaffeeliebhaber könnte sich das allemal lohnen, denn auch wenn sich mancher fragen mag, ob er seinen Kaffee wirklich pfeffern sollte, haben gewürzte Kaffees vor allem zwei große Vorteile.

Kaffee und Gewürze – guter Geschmack und gut für die Gesundheit

Die Verwendung von Gewürzen gehört nicht umsonst in der Küche zu jenen Fertigkeiten, bei denen sich gute von gewöhnlichen Köchen unterscheiden. Die Kunst besteht darin, den Gerichten durch deren Einsatz eine neue, zusätzliche Note zu geben oder einen bestimmten Geschmack zu unterstützen. Wer zu wenig verwendet, wird keinen Effekt schmecken. Wer hingegen zu viel einsetzt, läuft Gefahr, dass sein Gericht nur noch nach dem entsprechenden Gewürz schmeck. Man könnte im wortwörtlichen Sinne behaupten, er hat es versalzen – und damit ungenießbar gemacht.

Bei Kaffee ist das nicht anders. Auch hier sollten die Gewürze im Idealfall eine zusätzliche Note bieten bzw. ein vorhandenes Aroma unterstützen. Gerade bei hochwertigen Kaffeemischungen, die sich durch bestimmte Geschmacksaromen wie schokoladig, nussig, fruchtig usw. auszeichnen, kann der Kaffeeliebhaber hier ein einzigartiges Geschmackserlebnis kreieren.

Ingwer
Nicht nur als Tee eine gute Idee: Ingwer

Zusätzlich geht die Bedeutung von Gewürzen über ihren Geschmack oft hinaus. Viele bringen Wirkstoffe mit sich, die der menschliche Körper braucht, oder die ihn positiv beeinflussen können. Besonders beliebt in diesem Zusammenhang ist Ingwer, der eben nicht nur als Tee genossen werden kann. Der Ingwer ist schon seit langem sowohl ein beliebtes Küchengewürz als auch eine für Arzneien häufig verwendete Pflanze. Er soll bei Erkältungen helfen, aber auch bei Arthritis oder Magen-Darm-Problemen. Außerdem soll Ingwer gut bei Kopfschmerzen sein, was er mit dem Koffein gemeinsam hat. Eine Kombination aus Kaffee und Ingwer liegt aus gesundheitlichen Aspekten also durchaus nahe. Aber auch geschmacklich kann der Ingwer durch seine natürliche Schärfe dem Kaffee noch eine ganz neue Note geben.

Die Möglichkeiten Kaffee durch Gewürze zu bereichern sind also vielseitig und spanend. Gleichgültig ob die Gewürze bereits beim Anbau, bei der Brühmethode oder als Zusatz in den fertigen Kaffee gelangen, sie können unser Lieblingsgetränk in vielfacher Hinsicht bereichern.


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