Die Chemex erinnert nicht zu Unrecht an ein Gefäß aus dem Chemielabor. Ihr Kaffee hat mit klassischer Chemie allerdings nichts zu tun.

Filterkaffee ist nicht gleich Filterkaffee. Neben klassischen Kaffeemaschinen gibt es zum Beispiel auch die Chemex als Zubereitungsmethode mit Filter. Sie erfreut sich gerade designverliebten Baristas einer anhaltenden Beliebtheit. Kein Wunder, denn Design spielte bei ihrer Erfindung von Anfang an eine große Rolle.

Zubereitung mit echter Handarbeit

Die Geschichte hinter der Chemex

Wer hinter der Bezeichnung „Chemex“ das Wort „Chemie“ vermutet, ist damit auf der richtigen Spur. Erfunden hat sie in den 1940er Jahren ein in die USA immigrierter deutscher Chemiker. Peter Schlumbohm war auf der Suche nach einer Methode Kaffee zuzubereiten, die die Faktoren Geschmack, Handhabbarkeit und Design vereinen konnte. 1939 meldete er das Patent für seine allerdings erst zwei Jahre später auf den Markt gebrachte Kaffeekaraffe an. Dank der Anlehnung an den Bauhaus-Stil wurde die Chemex schon 1943 in den Bestand des New Yorker Museums of Modern Art aufgenommen, eine Bestätigung für Schlumbohms Designkünste. Wobei der bekannte amerikanische Designer Ralph Caplan die Chemex auch schon mal als eine Mischung zwischen Logik und Verrücktheit beschrieben haben soll.

Als Chemiker verstand Schlumbohm sich natürlich auf die während des Kaffeebrühens ablaufenden Prozesse. Mit der Chemex schuf er eine Methode, deren Kaffee einen noch feineren und fruchtigeren Geschmack entwickelt, als es die meisten Filterkaffees ohnehin tun.

Und auch in der Handhabung liegt der Chemex ein durchdachtes Prinzip zugrunde. Der Griff um den dünnen Flaschenhals ist in der Regel aus Holz oder Leder gefertigt. Er ermöglicht es die Karaffe auch dann anzufassen, wenn das Glas noch heiß ist. Der Ausguss am Rand der Kanne ist nicht nur für das sichere Eingießen zuständig, sondern kanalisiert während des Aufbrühens auch den abziehenden Wasserdampf.

So wird Kaffee mit einer Chemex zubereitet

Auch wenn die Chemex, je nach Typ, optisch ihrem Namen alle Ehre macht, man muss kein Chemiker sein, um sie benutzen zu können.

Theoretisch ließe sich zwar auch ein handelsüblicher Papierfilter nutzen, um darin den Kaffee aufzugießen. Es empfiehlt sich allerdings lieber auf spezielle Chemex-Filter zurückzugreifen. Sie unterscheiden sich in zwei Dingen von ihren Kollegen. Zum einen sind sie viel feinporiger, weshalb zum Beispiel Kaffeeöle sicherer herausgefiltert werden. Zum anderen haben sie eine konische Form, sind also rund und nicht unten spitz zulaufend. Das prädestiniert sie natürlich für den Einsatz in einer Chemex.

Übrigens, es gibt auch Filter aus Kunststoff oder Metall, in der Regel empfiehlt sich aber der Papierfilter in konischer Form.

Wie bei anderen Pour Over-Methoden empfiehlt es sich auch in diesem Fall vor dem Übergießen das kochende Wasser zwischen 30 und 60 Sekunden abkühlen zu lassen. Erst dann sollte man damit beginnen das Kaffeepulver im Filter mit dem heißen Wasser zu übergießen. Dabei sollte das Wasser so regelmäßig wie möglich fließen.

Bei eine Chemex in Standardgröße dauert der Brühvorgang rund vier bis fünf Minuten. Wird die Zeit deutlich unterschritten, kommt dabei ein geschmacksarmer dünner Kaffee heraus, ist die Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffeemehl jedoch deutlich zu lange, schmeckt das Endergebnis zu stark und bitter.

Die Zeit steuern Sie nicht nur durch die Wasserzuführung, sondern auch über den Mahlgrad des Kaffees. Je gröber, desto schneller kann das Wasser den Kaffee passieren, desto weniger Aromen werden mit ausgewaschen. Für den Anfang sollten man einen mittleren Mahlgrad wählen, und bei Bedarf Anpassungen vornehmen.

Multitalent Chemex: Ice Brew Coffee und Tee zubereiten

Wer gerne kalten Kaffee mag, der kann sich mit Hilfe der Chemex auch einen Ice Brew Coffee zubereiten. Aber die Filter lassen selbst mit Tee füllen.

Welchen Kaffee verwendet man bei einer Chemex?

In der Regel eignen sich natürlich alle Kaffeeblends, die auf Filterkaffee ausgerichtet sind. Auf vielen Kaffeepackungen finden Sie auf dem vorderen oder hinteren Etikett einen Hinweis für welche Zubereitungsmethoden sich der Inhalt besonders eignet.

Es eignen sich besonders Kaffeeröstungen mit fruchtigen Noten oder einem schokoladigen Geschmack. Die Bohnen sollten nicht zu dunkel sein, oder zu viele Bitterstoffe oder Säure enthalten.  Gerne aber einen würzigen Geschmack aufweisen, da dieser bei dieser Methode genauso wie das Fruchtige besonders gut zur Geltung kommen kann.


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