Bei australischem Kaffee gilt Qualität, statt Quantität. Viel Anbaufläche hat der Kontinent nämlich nicht zu bieten.

Welches Getränk fällt Ihnen ein, wenn Sie an Australien denken? Manche erinnern sich vielleicht noch an die beiden „Crocodile Dundee“-Filme, die den australischen Schauspieler Paul Hogan weltweit bekannt machten. Für ihn gab es damals nur ein Bier. Am liebsten in Dosen mit Übergröße. Einige Jahre später begannen australische Winzer international von sich reden zu machen, so manche Weinflasche zierte plötzlich ein stilisiertes Känguru. Aber wie verhält es sich mit Kaffee?

Australien reicht knapp in den Kaffeegürtel hinein

Auf der Landkarte mag Australien eine beeindruckende Größe haben, doch bewohnt sind in der Regel lediglich die südlichen und nord-östlichen Küstenregionen. Der größte Teil des Kontinents ist Outback, eine lebensfeindliche Umgebung, in der Mensch, Tier oder Pflanzen ums Überleben kämpfen müssen. Doch seine Größe sorgt auch dafür, dass Australien im Norden in jenen Bereich 25° südlich und nördlich des Äquators hineinragt, den wir als Kaffeegürtel kennen. Es ist nicht gerade viel, aber es reicht für einen eigenen australischen Kaffeeanbau.

Kaffeeanbau: Groß und mit noch größerer Leidenschaft

Der meiste Kaffee wird im Norden des Bundesstaates Queensland angebaut.

Der Kaffeeanbau in Australien ist Angelegenheit großer Plantagen. Der kleine Kaffeebauer, wie man ihn etwa etwas weiter nördlich im südostasiatischen Inselmeer findet, ist hier die große Ausnahme. Dennoch ist australischer Kaffee alles andere als Massenware oder zum Auffüllen von Kaffeemischungen angebaut. Im Gegenteil, er gilt als hochqualitativ und als Sorte, für den den anspruchsvollen Kaffeetrinker.

Der Anbau mag auf hohem agrartechnischen Niveau sein, die Köpfe dahinter jedoch stehen für Kaffee aus Leidenschaft. Ian MacLaughlin ist so ein Idealist, der sich seit Jahrzehnten auch international in der Szene einen Namen gemacht hat. Ende der 1980er hatte er eine verlassene Kaffeeplantage entdeckt, um als Familienunternehmen wieder zum Leben zu erwecken. Skybury, der Name der Plantage, wird seit dem oft in einem Zug mit australischen Kaffee an sich genannt.

Wie die meisten Kaffeeplantagen liegt auch Skybury im Norden des Bundesstaates Queensland, der mit seinem bergigen Landschaften auch eine weitere Bedingung für den Kaffeeanbau erfüllt, die ausreichende Höhe über dem Meeresspiegel. Der Kaffee von dort hat einen weichen Charakter, er ist mild, zeichnet sich aber auch durch eine süß-fruchtige Note aus. Gerade Skybury ist für diesen fruchtigen Charakter bekannt. Der Kaffee wird zusammen mit Papaya und anderen Früchten angebaut, zudem wird er vor der Verschickung nach Europa oder den USA in besonderer Weise verarbeitet. Pulpreste, aus denen die Kaffeekerne heraus gepult wurden, verbleiben zu einem Teil bei den frischen Bohnen, die so deren Aroma intensiver aufnehmen können.

Fruchtig im Geschmack, Ökologisch im Anbau

Bitter ist dementsprechend ein Wort, das im Zusammenhang mit Kaffee aus Australien selten fällt. Obwohl er bei vielen Kaffeetrinkern schon ähnlich beliebt sein soll, wie die Kaffeespezialität Blue Mountain aus Jamaika, ist der Kaffee Down under übrigens vergleichsweise preiswert. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis auch für ökobewusste Kaffeetrinker, bedenkt man, dass die meisten Kaffeeplantagen in Australien zu einer Zeit groß wurden, als ökologischer und nachhaltiger Anbau keine Fremdworte mehr waren. Australische Kaffeepioniere wie MacLaughlin betonen dann auch auf Insektizide zu verzichten und auch bei der Dünung möglichst auf organischen Dünger zurückzugreifen.

Gerade Queensland hat alles zu bieten, was Australiens an Artenvielfalt aufzuweisen hat. Natürlich auch Kängurus.

PS: Wussten Sie eigentlich, dass ein Australier auch maßgeblich an der Geschichte von Rocket Espresso mitgestaltet hat? Einer der beiden Gründer kam von Down Under ins Mutterland des Espresso, um dort das Unternehmen zu gründen.


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