Die Begriffe Kaffeespezialität und Spezialitätenkaffee klingen ähnlich, dahinter stehen aber zwei unterschiedliche Definitionen.

Um es vorweg zu sagen, auch wenn zwischen Kaffeespezialitäten und Spezialitätenkaffees Welten liegen können, prinzipiell ist auch die Bezeichnung Kaffeespezialität kein negatives Kriterium. Der Begriff ist lediglich in der Kaffeewelt nicht geschützt, und auch ganz allgemein gesprochen dehnbar definiert. Unter einer Kaffeespezialität versteht man zum Beispiel einen Cappuccino oder auch einen Latte Macchiato, genauso aber auch ein Irish Coffee oder ein Americano. Um welche Kaffeespezialität es sich handelt, hängt also von der Zubereitungsart ab – und davon gibt es bekanntlich gefühlt unzählige. Allein mit verschiedenen Kaffeevarianten aus Ländern mit einer ausgeprägten Kaffeekultur, wie etwa Italien oder Österreich, ließe sich jeweils mindestens ein Buch füllen.


Tipp: Eine nach regionaler Herkunft sortierte Liste von Kaffeespezialitäten finden Sie unter de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kaffeespezialitäten


Der Nachteil dabei ist aber, dass allein die Bezeichnung „Kaffeespezialität“ nichts über die Qualität des Getränks aussagt. Cappuccino ist eine Kaffeespezialität, egal, ob er mit einem Siebträger, einem Kaffeevollautomaten oder mittels Pulvers aus der Dose zubereitet wurde. Wie wir es eingangs beschrieben haben, es müssen nicht, aber es können ganze Geschmackswelten dazwischenliegen.

Spezialitätenkaffee bzw. Specialty Coffee

Spezialitätenkaffee ist im Gegensatz dazu ein in der Kaffeebranche etablierter technisch definierter Fachbegriff. Gelegentlich wird auch der englische Begriff Specialty Coffee, denn maßgeblich geprägt wurde er von der SCAA, der Specialty Coffee Association of America. Die SCAA erstellte ein Bewertungssystem für die Rohkaffee-Qualität (PDF), das den Kaffee physisch und sensorisch bewertet. Dieses nach Punkten gruppierte Bewertungssystem ermöglicht es unterschiedliche Kaffees auf einer Skala von 1 bis 100 einzuordnen. (Strenggenommen wird aufgrund einer Mindestanforderung eigentlich nur zwischen 36 und 100 bewertet.) Wobei sich nur Spezialitätenkaffee nennen darf, was mindestens 80 Punkte erreicht hat.


Wussten Sie schon? Die SCAA wurde bereits 1982 gegründet. Der Verband hat es sich zum Ziel gesetzt, Möglichkeiten zur Förderung der Qualität bei Kaffee zu erforschen und fördern.


Wo Kaffee nach Aussehen, Geschmack, Geruch usf. bewertet wird, liegt es nahe, dass hier nicht normale Kaffeetrinker als Tester eingesetzt werden. Wer hier einfach schon mal einen eintägigen Barista-Kurs absolviert hat, hat hier keine Chance. Beim sogenannten Cupping kommen nur Experten zum Zuge, die teilweise Jahre lang in ihrem Fach geschult sind. In den letzten Jahren hat sich für diese Gruppe auch der Begriff Kaffeesommelier etabliert.

So wird Kaffee bewertet

Die Experten sind darin geschult nach den vorliegenden Bewertungsskalen zu bewerten, und dabei ihren persönlichen Geschmack hintenanzustellen. Sie bewerten nach den folgenden Kriterien:

  • Aroma (Aroma)
  • Geschmack (Flavor)
  • Nachgeschmack (Aftertaste)
  • Säure (Acidity)
  • Körper (Body)
  • Balance (Balance)
  • Gesamtheit (Overall)

Qualität spielt bei der Bewertung eine entscheidende Rolle. Dabei ist Kaffee eine Mischung aus unterschiedlichen Aromen, die unterschiedliche Geschmäcker erzeugen können. Je mehr Aromen der Kaffee gelungen miteinander kombinieren kann, desto besser schneidet er in der Bewertung ab.

Daneben kommt es auch auf die Intensität an, etwa jene der Säure. Prinzipiell lässt sich zwar sagen, dass eine hohe Säure-Intensität positiv ist, da sie einen belebenden Effekt hat. Allerdings muss die Säure natürlich bekömmlich sein. Zusätzlich spielt die Süße noch eine bestimmte Rolle, gerade bei besonders hochwertigem Kaffee.


Linktipp: Die SCAA hat unterschiedliche Geschmacksrichtungen für Kaffee definiert. Lesen Sie dazu auch: Das Rad des Kaffeegeschmacks


Bei der Bewertung wird auch der Spezialitätenkaffee selbst noch einmal unterteilt. Bei 80 bis 84,99 Punkten spricht man von der Qualität „Very Good“. Kaffees in dieser Kategorie können bereits eine individuelle Note vorweisen und haben keine, bzw. zumindest keine relevanten Defekte. Als „Excellent“ werden Kaffees mit 85 bis 89,99 Punkten bezeichnet. Sie sind geschmacklich schon komplexer und weisen auch eine gewisse Süße auf. Ab 90 Punkten bezeichnet man den Kaffee als „Outstandig“, allerdings erreicht gerade einmal 1% des weltweit angebauten Kaffees diese Punktzahl.

Was geschieht mit dem restlichen Kaffee?

Um in den Handel zu kommen, muss Kaffee natürlich eine gewisse Mindestqualität aufweisen. Kaffee mit weniger als 80 Punkten landet entweder als Massenware auf dem Markt, oder wird zu anderen Kaffeeprodukten weiterverarbeitet. Teilweise wird eine Bewertung von unter 80 Punkten auch wissentlich in Kauf genommen, da gerade bekannte Kaffeemarken immer möglichst gleich schmecken sollen. Da es geschmacklich aber nicht nur große Unterschiede macht, woher der Kaffee stammt, sondern schon eine frühere oder spätere Erntezeit geschmacklich erkennbar ist, müssen sich die Unternehmen mit Blends (Mischungen verschiedener Kaffeebohnen) behelfen. Auf diese Weise sinkt nominell oft die Qualität, der Geschmack des Kaffeeproduktes allerdings bleibt gleich.


Hinweis: Dieser Beitrag stand bis zum 24.02.2019 ausschließlich den Mitgliedern des Marese Clubs zur Verfügung.